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Montag, April 28, 2008

Schimmelmann: It ain't over before it's gone

Das Denkmal steht noch immer und wir haben das nicht vergessen und uns auch nicht damit abgefunden. Die Leser von BLACKprint werden ab und an daran erinnert. Zum Beispiel mit einem Film von Skrollan Alwert:

Freitag, April 25, 2008

Museum für afro-amerikanische Geschichte und Kultur

Heute habe ich mal erfreuliche Nachrichten erhalten: In der US-Hauptstadt Washington, DC soll bis 2015 ein erstes umfassendes Museum für afro-amerikanische Geschichte und Kultur, das "National Museum of African American History und Culture", entstehen. Dafür sollen 500 Millionen Dollar aufgebracht werden. Die erste Spende aus der Wirtschaft stammt von Boeing und ist 5 Millionen Dollar wert. (Quelle)

Schon jetzt gibt es eine Website, auf der das Museum bis zur physischen Eröffnung schon virtuell besteht. Dort werden die Fortschritte aufgezeigt und Veranstaltungen wie die Ausstellung "Let your Motto be Resistance" vorgestellt. Außerdem soll oral history dort dokumentiert werden und Afro-Amerikaner können mit ihrer eigenen Familiengeschichte, mit Fotos und Fakten zum Bestand beitragen.
Auch jetzt schon gibt es dort viele Informationen und Lehrmaterialien über die Schwarze US-Geschichte.
Tolles Ding, einfach mal hinschauen und stöbern!

Hier ein Ausschnitt aus der PBS-Doku-Serie "African American Lives 2", in der Literaturprofessor Henry Louis Gates der Familiengeschichte verschiedener Personen auf den Grund geht:


In Deutschland geht es mit der Ausstellung "Homestory Deutschland - Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" ab dem 15. Mai in Frankfurt weiter:

Ort: Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
www.hausamdom-bistumlimburg.de

Vernissage: Do 15. Mai 2008, 19.30 Uhr
mit Tahir Della, Eleonore Wiedenroth-Coulibaly (beide ISD-Bund e.V.) und dem Sänger Chima. Eintritt frei!

Ausstellungsdauer: 15. Mai bis 22. Juni
Öffnungszeiten: Mo – So 11:00 – 16:00 Uhr / an Veranstaltungstagen bis 20:00 oder gerne nach Vereinbarung

Mittwoch, März 19, 2008

Lüneburger wollen rassistischen Straßennamen behalten

via afrika-hamburg.de aus dem Hamburger Abendblatt:

Carl Peters hielt Schwarze für minderwertig
Straße nach Rassist benannt

Eine Umbenennung wurde nach dem Krieg übersehen. Die Anwohner der Carl-Peters-Straße wollen keinen neuen Namen, weil das Geld kostet.

Von Carolin George

Lüneburg - Er war Rassist, ließ Afrikaner hängen und wurde letztlich unehrenhaft aus
dem deutschen Reichsdienst entlassen: der Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika Carl Peters, geboren 1856 in Neuhaus, heute Landkreis Lüneburg. Im Lüneburger Stadtteil Goseburg ist noch heute eine Straße nach ihm benannt. Die Stadtverwaltung will das ändern, stößt aber auf Widerstand bei den Anwohnern.

"Vor Jahren untersuchte eine wissenschaftliche Kommission sämtliche Lüneburger Straßennamen nach möglichen Überbleibseln aus dem Dritten Reich, die nicht bereits direkt nach dem Krieg korrigiert wurden", sagt Daniel Steinmeier aus dem Pressereferat der Stadt. "Entdeckt wurde einzig die Carl-Peters-Straße." Die hatten die Nationalsozialisten laut dem Bürgervereinsvorsitzenden Rüdiger Schulz 1937 "bei Nacht und Nebel und ohne Ratsbeschluss benannt", denn Carl Peters wurde von den Nazis quasi als Urvater nationalsozialistischer Ideen wiederentdeckt.

Laut Internet-Lexikon Wikipedia hatte Peters in der "Kolonialpolitischen Correspondenz" die sogenannten "nicht-weißen Rassen" als minderwertig bezeichnet, als einzige Existenzberechtigung habe er ihnen ein Dasein als Arbeitskräfte unter der Herrschaft weißer Bauern zugebilligt. Seine Entlassung 1897 war mit der unwürdigen Behandlung der Eingeborenen begründet. Rüdiger Schulz: "Man nannte ihn Hänge-Peters, weil er Schwarze nach seinem Belieben hat hängen lassen."

Als Vorsitzender des Bürgervereins spricht Schulz sich für eine Umbenennung der Straße aus, weiß aber auch: "Das wird auf massiven Widerstand der Anwohner stoßen. Die müssten schließlich sämtliche Angaben, Briefpapier und Visitenkarten ändern." Daniel Steinmeier: "Wir haben eine Anwohnerbefragung durchgeführt, und die Mehrheit war dagegen. Wir arbeiten daher weiter an einer Problemlösung."

Zu viel Wind um die Sache wähnt Hans-Peter Breidenbach, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Lüneburg, die in der Carl-Peters-Straße zahlreiche Wohnungen vermietet. "Das ist ein Name, der auf einem Schild steht. Weiter wird das nicht zur Kenntnis genommen. 99,5 Prozent wissen nicht, wer das war, niemand identifiziert sich damit." Eine Umbenennung wäre bürokratischer Aufwand und würde nichts bewirken.

Ein möglicher Kompromiss wäre eine kleine Tafel am Straßenschild mit Informationen über Peters. Entscheiden über den Straßennamen muss der Stadtrat.

Mittwoch, März 12, 2008

Homestory Deutschland bald in Bielefeld!

Nach einer ereignisreichen Zeit in Heidelberg wandert die Ausstellung "Homestory Deutschland" in diesem Monat nach Bielefeld. Hier die Termine für Ausstellung und ein rundum empfehlenswertes Rahmenprogramm:

20. März bis 20. April 2008 in Bielefeld
20. bis 31. März 2008 im Internationalen Begegnungszentrum
1. bis 20. April 2008 im Umweltzentrum

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Donnerstag, 20. März, 19 Uhr im IBZ
Ausstellungseröffnung
Sektempfang und Live-Musik von »Assanteewa«.
Input zur Schwarzen Deutschen Bewegung und Schwarzem Bewusstsein in Deutschland mit Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.).

Sonntag, 23. März, 16 Uhr im IBZ
»Hoffnung im Herz«
(Dokumentarfilm von Maria Binder, 1997, Dauer: 42 min.)
Der Film stellt Leben und Werk der Wissenschaftlerin, Dichterin und Aktivistin May Ayim vor.

Montag, 24. März, 19 Uhr im IBZ
»Die alltägliche Gegenwart der kolonialen Vergangenheit«
Multimedia-Vortrag und Diskussion mit Joshua Kwesi Aikins. Die verdrängte deutsche Kolonialzeit hat die gesamte BRD mitgeprägt. Diese Vergangenheit und die daraus erwachsende Verantwortung ist überall gegenwärtig und soll exemplarisch am Beispiel der Stadt Berlin beleuchtet werden.

Donnerstag, 27. März, 19 Uhr im IBZ
»Pagen in der Traumfabrik – Schwarze Komparsen im deutschen Spielfilm von 1919 bis 1945«
(Dokumentarfilm von Dr. Annette von Wangenheim in Zusammenarbeit mit dem WDR, 2002, Dauer: 45 min.)
Der Film dokumentiert die Inszenierungen von Schwarzsein im deutschen Film und die damit einhergehenden Rollenzuweisungen und Instrumentalisierungen Schwarzer Menschen ab 1933. Dem Film schließt sich ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Theodor Wonja Michael an.

Sonntag, 30.März, 16 Uhr im IBZ
»Black Deutschland«
(Dokumentarfilm von Oliver Hardt, 2005, Dauer: 55 min.)
Eine Studie über Schwarze Menschen in Deutschland.
www.blackdeutschland.de

Donnerstag, 3. April, 19 Uhr im Buchladen Eulenspiegel
»re/visionen – Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland«
Buchvorstellung, Lesung und Diskussion mit Sheila Mysorekar.
www.unrast-verlag.de (Eintritt: 3,– Euro)

Freitag, 11. April, 17 Uhr in der Stadtbibliothek
»Daheim unterwegs – ein deutsches Leben«
Lesung aus der Autobiografie mit Ika Hügel Marshall.
www.orlanda.de (Eintritt: 3,– Euro)

Sonntag, 13. April, 16 Uhr im Kino Lichtwerk im Ravensberger Park
»Yes, I AM!«
(Dokumentarfilm von Sven Halfar in Zusammenarbeit mit Brothers Keepers e.V., 2006, Dauer: 105 min.)
Der Film erzählt die bewegenden Geschichten dreier Afrodeutscher, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wirft dabei Fragen über das deutsche Selbstverständnis auf und dokumentiert zeitgleich die Geschichte der Brothers Keepers – ein Bandprojekt. Dem Film schließt sich ein Gespräch mit dem Musiker Adé Bantu an. (Eintritt: 5,- Euro)

Montag, 14. April, 19 Uhr in der Universität
»Where do you come from? - placing the Black subject outside the nation«
Vortrag und Diskussion mit Grada Kilomba (in Englisch)
The constant questioning about »where one comes from« is not only an exercise of curiosity, but also an exercise to confirm white colonial fantasies around ›race‹ and territoriality. One is asked, in the first place, because one is categorized as a ›race‹ which does not belong. In this lecture we will explore both the fantasies and the strategies involved in this question.

Donnerstag, 17. April, 19 Uhr in der Universität
»Deutschland Schwarz Weiß«
Buchvorstellung und Lesung mit Noah Sow.
Das Buch informiert über den alltäglichen Rassismus: Woher er kommt, wie er weitergegeben wird, wozu er dient, und wie er sich oft versteckt äußert. www.randomhouse.de

Sonntag, 20. April, 19 Uhr im IBZ
»Situation und Perspektiven der afrikanischen Diaspora in Bielefeld« (Abschlussveranstaltung)
Verschiedene afrikanische Gruppen aus Bielefeld werden Inputs zu ihrer Situation und ihren Perspektiven in Bielefeld/Deutschland geben.

Freitag, 25. April, ab 21 Uhr im IBZ
Soulparty

Montag, März 03, 2008

Meldung zu Feuerherz

Das bekam ich gerade über einen Medienrechts-Verteiler:

Wahrheit oder Fiktion?

Bereits zwei Wochen vor der Premiere des Kinofilms "Feuerherz" auf der Berlinale begann der Streit um die Buchvorlage der Autorin Senait Mehari. Das Landgericht Hamburg bestätigte den Eingang einer Klage gegen Mehari und den Verlag Droemer Knaur.

Zwei Eritreer wehren sich damit gegen Meharis Darstellung ihrer angeblichen Zeit als Kindersoldatin im Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien. Die Kläger sehen durch den Film ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Die beiden wehren sich insbesondere gegen die Darstellung, die gemeinsam besuchte Schule in einem Lager der eritreischen Rebellenorganisation sei ein militärisches Ausbildungscamp für Kinder gewesen. Die jetzt in Hamburg klagende Frau hatte nach Angaben des Verlags bereits eine Strafanzeige gegen die Autorin wegen übler Nachrede gestellt. Mehari hatte die Frau in ihrem Buch sowie in Interviews namentlich benannt und als "brutale Kommandantin" bezeichnet und als menschenverachtende Mörderin dargestellt. Ein Berliner Gericht erließ demnach bereits Strafbefehl gegen Mehari und verpflichtete sie zur Zahlung von 9.000 Euro.

Der Verlag betonte die Rolle des Buches als "ein Stück Zeitgeschichte".
Dazu verweise ich noch mal auf meinen Terminhinweis "Feuerherz der Finsternis" und den Link zur Schule, die in dem Buch so anders dargestellt wurde, als die anderen Schüler sie in Erinnerung haben: KLICK

Und hier der Link zu den NDR-Beiträgen, in denen Journalisten versucht haben, den Vorwürfen gegenüber Senait Mehari auf den Grund zu gehen: klick

Dienstag, Februar 19, 2008

Wird ein weiterer Sklavenhändler in Hamburg geehrt?

Folgenden offenen Brief richtete Jokinen von afrika-hamburg an den Altonaer Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose:

O F F E N E R B R I E F

Große Bergstraße
Umbenennung „Frappant“ zu „Christians-Quartier“

Sehr geehrter Herr Warmke-Rose,

dem „Altonaer Wochenblatt“ vom 13.2.2008 entnehme ich, dass der „Frappant“-Komplex nach Umbau „Christians-Quartier“ heißen soll, benannt nach dem dänischen König Christian VI (1699-1746).

Der Investor k-werkstatt schreibt auf der Webseite www.christians-quartier.com:

„Eine Neukonzeption und -gestaltung des Grundstücks Große Bergstraße 164-180 bedingt ganz von selbst auch einen neuen Namen. k-werkstatt sieht darin die Chance, ein selbstbewusstes Zeichen für die Neubelebung eines ganzen Stadtteils zu setzen. ... k-werkstatt wählte diesen Namen als einen Hinweis auf die Blütezeit Altonas Ende des 18. Jahrhunderts. Unter dem dänischen König Christian VI entwickelte sich die Stadt zur zweitgrößten Stadt Dänemarks. In dieser Zeit lebten und wirkten in Altona so wichtige Personen wie Johann Friedrich Struensee, Friedrich Gottlieb Klopstock oder Carl Heinrich Behn, der beispielsweise die stadtplanerischen Grundzüge des heutigen Altonas legte. Warum sollte es nicht möglich sein, diese positiven Aspekte wieder aufleben zu lassen?“

Ich nehme an, dass diese Namensnennung in Unkenntnis wichtiger historischer Fakten gewählt wurde. Während die oben erwähnten Geistesgrößen an der Elbe bei Altona spazieren gingen, kamen die Schiffe des dänischen Königs und seiner „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ im Altonaer Hafen an. An Bord Kolonialwaren von den Plantagenwirtschaften in der Karibik: Zucker, Baumwolle, Kaffee, Tabak - und Sklaven als Pagen und „Kammermohren“ für die Reichen und Adligen in Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Christian VI war Hauptaktionär der „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ und damit einer der größten Sklavenhändler und -halter im transatlantischen Dreieckshandel. Seine Vorgänger Christian V und Frederik IV hatten den globalisierten Sklavenhandel zwischen Kopenhagen, Guineischer Küste in Afrika und den Jungferninseln in der Karibik angeschoben. Sein Nachfolger Frederik V perfektionierte das perfide System des Menschenhandels, der zur Haupteinnahmequelle des Königs wurde und wesentlich zum Reichtum des dänischen Staates beitrug.

In Altona profitierten vom dänischen Sklavenhandel unter vielen anderen auch Emile Nölting, der sein Geld auf der dänischen Karibik-Insel St. Thomas machte und der Reeder von (van) der Smissen, der Sklavenschiffe chartete - beide werden in Altona mit Straßennamen geehrt.
Christian VI von Dänemark trat 1730 als ältester Sohn von Frederik IV seine Regentschaft (1730-1746) an. Die Krönungsfeier fand 1731 statt, an der auch sein Oberstallmeister teilnahm, der zugleich Direktor der königlich initiierten „Dänisch-Westindisch-Guineischen Kompanie“ war. Als Ausdruck seiner hohen Stellung kam er mit seinem Sklaven, dem "Kammermohren" Anton.
Zu dieser Zeit besaß Dänemark bereits Festungen wie Fort Christiansborg an der afrikanischen "Goldküste" (heute Ghana) als Stützpunkte für den transatlantischen Sklavenhandel. Auf den karibischen Inseln St. Thomas und St. Jan befanden sich große Sklavenplantagen, auf denen vor allem Zucker, Baumwolle und Tabak für Europa angebaut wurde. Dafür fungierte Altona, damals Dänemarks Seehafen an der Elbe, als wichtiger europäischer Knotenpunkt des Dreieckshandels.

1733 erwarb Dänemark noch die Karibikinsel St. Croix, die für die Zucker- und Rumproduktion vor allem in Flensburg wichtig werden sollte. Auf St. Croix wurde im gleichen Jahr die Stadt Christiansted gegründet, benannt nach Christian VI. Zu dieser Zeit gab es auf St. John 109 Plantagen, davon 21 mit Zuckerproduktion mit wachsender Tendenz. Die dänische Insel St. Thomas war einer der bedeutendsten Umschlagsorte des Sklavenhandels in der Karibik.

Der „St. John Slave Code“, ein Strafreglement, das am 5. Sept. 1733 - vor 275 Jahren - vom dänisch-königlichen Kolonialgouverneur Philipp Gardelin erlassen wurde, erhielt 19 Paragraphen zur Behandlung von Sklaven auf den drei Inseln. Es gehört zu den berüchtigsten und grausamsten der europäischen Kolonialgeschichte.

Einleitend heißt es, dass das Reglement "unseren Negern, die von Gott selbst zu Sklaven gemacht sind" gilt. Das Strafreglement sah neben Auspeitschungen Brandzeichnen vor sowie - in Zeiten der „Aufklärung“ - so mittelalterliche Strafen wie Amputation von Ohr, Hand, Arm oder Bein, Foltern mit glühenden Zangen, Rausreißen von Fleischstücken aus dem Körper, Rädern, Hängen oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Wie es beispielsweise im Pararagraphen 8 heißt, wird als Strafmaß für das "Maron laufen" - das Entlaufen eines Sklaven von der Herrenplantage - festgelegt: "Wer 6 Monate lang wegbleibt, soll das Leben verlieren, es sei denn sein Herr verzeiht ihm und begnügt sich mit dem Verlust des Beines." Der Zeitzeuge Reimert Haagensen berichtet 1758, dass viele Sklaven lieber den Tod durch eigene Hand suchten, als sich in die Hände der Kolonialhäscher zu begeben. Haagensen hatte jedoch kein Mitleid, weil er der Meinung war, dass Sklaven „von Natur aus schlecht“ seien.
(Quelle: www.book.google.com)

In Guinea an der afrikanischen "Goldküste" gehörte der Sklavenhändler Ludwig Römer (1714–1776), der 14 Jahre lang als Oberkaufmann in dänischen Diensten zu Zeiten Christians VI tätig war, zu den Wenigen, die sich der Schuld bewusst wurden, die sie durch die Ausübung ihres grausamen Gewerbes auf sich geladen hatten. Er kritisierte in einem Buch die Europäer, alles eingeführt zu haben, was in Afrika böse ist. (Quelle: Stefan Winkle: Firma Schimmelmann und Sohn. Der dänische Sklavenhandel, Hamburger Ärzteblatt 12/03)

Die auf den karibischen Plantagen arbeitenden Sklaven mussten selbst in der Lage sein, sich zu ernähren. Sie hatten kleine Gärten angelegt, doch das Jahr 1733 wurde durch eine Dürreperiode und Hurricanes heimgesucht. Die koloniale Monokultur trug weiter dazu bei, dass die Gärten durch Erosion vernichtet wurden. Hungersnot, das gerade erlassene Strafreglement und die äußerst grausame Behandlung durch die Plantangenbesitzer und Kolonialverwaltung trugen dazu bei, dass viele Sklaven entliefen. Ein Aufstand brach am 23. Nov. 1733 aus. Erstmals gelang es in die Sklaverei verschleppten Afrikanern, eine ganze Insel über eine für die Kolonialmächte
bis dahin undenkbare Zeit (sechs Monate) zu kontrollieren. Der Aufstand wurde mit Hilfe französischer Truppen brutalst niedergeschlagen. Hunderte brachten sich um, bevor sie gefangen genommen werden konnten. So konnten sie der Folterei und Exekution entgehen.

Im Todesjahr Christians VI 1746 zählte man auf den drei dänischen Junferninseln 17.000 Sklaven - obwohl die Willkürherrschaft und die Gesundheitsverhältnisse als geradezu „mörderisch“ galten. (Quelle: Stefan Winkle a.a.O. )
Der dänische „Slave Code St. John“ und der Aufstand in der Regierungszeit Christians VI nimmt eine wichtige Stellung in der postkolonialen Erinnerungskultur der Karibik ein. Erst 1848 führte ein erneuter großer Sklavenaufstand zur Aufhebung der Sklaverei auf den dänischen Karibikinseln, mit denen auch Altonas Handel und Wirtschaft eng verknüpft war.
Aus der grausamen Geschichte des globalen Sklavenhandels kann kein „selbstbewusstes Zeichen für die Neubelebung eines ganzen Stadtteils“ (Zitat k-werkstatt) abgeleitet werden. Selbst wenn der absolutistisch herrschende und nur derart bedingt aufgeklärte dänische König Gutes für Altona (Gründung Christianeum; Bau Christianskirche, St. Trinitatis) geleistet hat, dürfen seine kolonialen Schattenseiten nicht ignoriert werden. Gegen den dänischen Sklavenhandel ging schon Friedrich Struensee vor. Ein solcher König eignet sich nicht als Namensgeber für einen in die Zukunft blickenden Stadtteil, der auch PartnerInnen und BesucherInnen aus anderen Kontinenten einlädt. Und die verdrängte und vergessene Kolonialgeschichte Altonas, Hamburgs und des Unterelberaums gehört erforscht und erinnert.

Ich möchte Sie auf unser aktuelles Kunstprojekt aufmerksam machen: die Ausstellung "wandsbektransformance - die Gegenwart des Kolonialen" im Kunsthaus Hamburg. Als Kolonialprotagonist rückt hierbei auch Heinrich Carl von Schimmelmann ins Visier der beteiligten Kunstschaffenden - jener einst von Wandsbek, Hamburg und Kopenhagen aus transatlantisch operierende Großaufmann, Fabrikant und Sklavenhändler, Vorbild für die 2006 amtlich installierte Büste am Wandsbek-Markt.

Mit freundlichen Grüßen
Jokinen
bildende Künstlerin

Sonntag, Januar 27, 2008

Berlin: Feuerherz der Finsternis

Wir, die Vereinigung der ehemaligen Schüler der Tsebah-Schule in Eritrea und ihre Sympathisanten, würden uns außerordentlich freuen, Sie auf der Eröffnungsveranstaltung zu unserer Veranstaltungs-Woche “Feuerherz der Finsternis“ mit Fotoausstellung am Montag, dem 4. Februar um 19.00 Uhr im Kiez-Café in der Oranienstraße begrüßen zu dürfen.
Anlass dieser Veranstaltungs-Woche ist nicht nur das Buch “Feuerherz“ von Senait Mehari und dessen Weiterverkauf nach der Entlarvung des angeblichen Kindersoldatinnen-Schicksals als dreistem Schwindel, sondern erst recht die geschmacklose Förderung der Verfilmung dieses Machwerks mit Steuermitteln sowie die bevorstehende unbegreifliche Vorführung dieses Filmes auf der Berlinale.

Nach den umfänglichen Auseinandersetzungen zu dem Buch zwangen diese beiden Ereignisse der Verfilmung mit Steuermitteln und Berlinale-Vorführung uns zu umfänglicherem Handeln. So möchten wir alle Menschen, denen Afrika und seine wahrheitsgemäße Darstellung – sicher mit allen realen Problemen und ihren wirklichen Ursachen – am Herzen liegt, ansprechen und auch zur Solidarität gewinnen.


Mehr Infos, Programm und Flyer hier: klick

Montag, Januar 21, 2008

Äthiopisches Millenium: Veranstaltung Uni Hamburg

Vom 25. bis zum 27. Januar beteiligt sich die Forschungsstelle Äthiopistik an der Universität Hamburg mit dem Titel "Ethiopia - 2000 Years of an extraordinary culture" an den Feierlichkeiten zum Jahrtausendwechsel.
Programm

Donnerstag, Januar 10, 2008

Kleines Goodie: Black Studies Calendar

Unter diesem Link könnt Ihr Euch in den nächsten sieben Tagen einen tollen Kalender als pdf downloaden, den "Black Studies Calendar" mit Terminen, Fotos und Infos (eher US-zentrisch, aber in jedem Fall interessant). Viel Spaß damit!

Mittwoch, Januar 09, 2008

Terminhinweis Heidelberg: Ausstellung Homestory Deutschland

In Heidelberg wird ab Februar (also im Black History Month, zu dem in Hamburg die Vorbereitungen in vollem Gange sind) die Ausstellung "Homestory Deutschland" gezeigt, an der auch ich beteiligt war. Zusätzlich werden in Februar und März einige interessante Events veranstaltet. Also, falls Ihr in der Nähe seid: Nichts wie hin!

Mannheimer Morgen:

Ausstellung: "Homestory Deutschland" zeigt schwarze Biografien aus Geschichte und Gegenwart

Romani Rose eröffnet Multimedia-Schau

"Homestory Deutschland - Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" heißt eine Ausstellung, die vom 2. Februar bis 19. März in Heidelberg zu sehen ist. Gezeigt wird die Multimedia-Schau im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der
Bremeneckgasse 2.

"Seit vielen Jahrhunderten leben Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland, allerdings ist über ihre historische und gegenwärtige Präsenz bislang wenig bekannt", heißt es in einer Mitteilung des Dokumentationszentrums. Während sie in der offiziellen Geschichtsschreibung kaum als eigenständige Gruppe auftauchten, dominierten in der Öffentlichkeit oft stereotype rassistische Klischees, mit denen die Ausstellungs-Organisatoren aufräumen wollen.
So nähert sich die von der Initiative "Schwarze Menschen in Deutschland" angeregte Ausstellung diesem Thema auf vielschichtige Weise: 27 visuell aufbereitete Biografien von in Deutschland lebenden Frauen und Männern afrikanischer Herkunft aus drei Jahrhunderten
vermitteln einen lebendigen Eindruck ihrer Lebenswirklichkeit.

Gestaltet wird die Schau mit bebilderten historischen Zeitleisten, Filmen, Videos und diversen Veröffentlichungen. Alles zusammen soll die Bandbreite ihrer künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Arbeit dokumentieren.

Eröffnet wird "Homestory" am 1. Februar um 19.30 Uhr von Romani Rose (Bild), dem Vorsitzenden des Dokumentationszentrums, und Tahir Della, dem Vorsitzenden der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

Anschließend laden Lebogang Masemola und ihre Band zu einem Konzert ein.

Bis zum 19. März sind zudem viele Konzerte, Vorträge, Lesungen und Filme rund um das Thema geplant. So wird am Donnerstag, 7. Februar, 19.30 Uhr, der Dokumentarfilm "Und wir waren Deutsche: Vom Überleben des Ralph Giordano und Hans Jürgen Massaquoi" gezeigt. Er erzählt von zwei Schulfreunden - einem Juden und einem Afrodeutschen - die den Zweiten Weltkrieg in einem Hamburger Versteck überlebten. Um schwarze Komparsen in deutschen Filmen von 1919 bis 1945 geht es am Samstag, 9. Februar, 18 Uhr in einem Streifen von Dr. Annette von Wangenheim. Eine Lesung mit Noah Sow, der sein Buch "Der alltägliche Rassismus"
vorstellt, folgt am 15. März, 16 Uhr.

Freitag, Dezember 28, 2007

Essay online

Grada Kilomba The Mask: Remembering Slavery, Understanding Trauma
By Grada Kilomba, writer and psychologist from the West African Islands Sao Tomé e Príncipe, works predominantly as a writer and as a lecturer to the topics: Psychoanalysis, Slavery, Colonialism, Trauma and Memory. http://www.gradakilomba.com/

There is a mask, from which I heard many times during my childhood. The many recountings and the detailed descriptions seemed to warn me that those were not simple facts of the past, but living memories buried in our psyche, ready to be told. Today, I want to re-tell them. I want to speak about that brutal mask of speechlessness.

Whole text

Sonntag, November 11, 2007

Terminhinweis Hamburg: Treu bis in den Tod" - Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen

Mittwoch, 14.11.2007, 18.00 Uhr
Marianne Bechhaus-Gerst, Universität Köln

Die Lebensgeschichte des "Askari" Mahjub bin Adam Mohamed (alias Mohamed Husen):
Der Sudanese Mahjub bin Adam Mohamed ließ sich 1914 als Söldner der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, anwerben. 1930 kam er als Kolonialmigrant nach Deutschland. Er spielte in den dreißiger Jahren kleinere Rollen in mehr als 20 Spielfilmen. Trotz der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime blieb er im Land. 1941 wurde der Unbequeme zum Schweigen gebracht, indem man ihn ohne Prozess in das KZ Sachsenhausen einwies, wo er drei Jahre später starb.

Moderation: Heiko Möhle, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.

Marianne Bechhaus-Gerst: „Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen. Eine Lebensgeschichte

Veranstaltungsort: Universität Hamburg, Hauptgebäude Flügel Ost, Asien-Afrika-Institut, Raum 221, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg.

Montag, Oktober 15, 2007

Schönes Ding: Hagenbeck baut Kolonial-Hotel

Die Hagenbeck-Dynastie hat ja so einige schöne Dinge nach Hamburg gebracht (Beispiel) und nun wird diese Tradition auf besonders geschmackvolle Weise fortgesetzt:
Das Hamburger Abendblatt meldet 11.10.2007 unter der Überschrift "Hagenbeck-Hotel im Kolonialstil":
"... 2009 soll die Eröffnung des 159-Zimmer-Hauses gefeiert werden. Das Lindner-Park-Hotel Hagenbeck... soll das 'erste Tierpark-Themen-Hotel der Welt' werden. So wird das Haus, das nur wenige Meter vom Hagenbeck-Haupteingang entfernt liegt, im Kolonialstil gestaltet. Die Stockwerke sollen mit Materialauswahl und Inneneinrichtung die Kontinente Afrika, Asien und Südamerika widerspiegeln. ..." Familien und Geschäftsreisende fänden dabei ein "außergewöhnliches Ambiente in Stadtnähe", so das Abendblatt.

www.abendblatt.de/daten/2007/10/11/803417.html

Der Hamburger Impresario Carl Hagenbeck gilt als der Erfinder der 'Völkerschauen', die er im großen Stil weltweit veranstaltete und die Menschen aus 'fremden' Kulturen in entwürdigender Weise in Tierparks und (Welt)Ausstellungen vor Pappmaché-Kulisse zur Schau stellten. Die Zoo-Besucher imaginierten sich in exotische Welten hinein, die mit dem Alltag der Darsteller nichts zu tun hatten. "Dass ganze Völker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerieten, ist eng verbunden mit der Ausbreitung des Kolonialismus. ... Völkerschauen haben wohl nicht unwesentlich zu einer Verfestigung rassistischer Haltungen beigetragen." Zitat aus wikipedia -> mehr Wie hochsensibel das Thema bis heute ist, zeigt eine neuliche kontroverse Debatte: 2005 sah sich die Direktorin des Augsburger Zoos mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, als dort die Afrika-Schau 'African Village' präsentiert wurde. -> mehr u.a.: www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/682/54628

In diesem Jahr feiert der Tierpark in Hamburg-Stellingen sein 100jähriges Jubiläum. Bisher blieb kritischen Forschern das Hagenbeck-Archiv verschlossen. Noch heute werden im Zoo sog. 'Dschungelnächte' präsentiert unter Einsatz von Mensch und Tier mit "tropischen Klängen, Shows und Exotik". Der Neubau eines Hagenbeck-Hotels im Kolonialstil scheint in fragwürdig ungebrochener Tradition zu stehen.

Der 'Kolonialstil' hat auch anderweitig Hochkonjunktur: ob in zahlreichen Möbelgeschäften oder in der schicken Compagnie Coloniale in Hamburgs City.

[via afrika-hamburg, mit Dank an Romao für den Hinweis]

Montag, Juli 23, 2007

Hagenbecks Völkerschauen

Bin gerade auf einen Artikel anlässlich des hundersten Geburtstages von Hagenbecks Tierpark gestoßen. Hier einige Auszüge:

1874 zeigte Hagenbeck Lappländer mit einer Rentierherde; 1877 vermarktete er eine Schau mit Nubiern aus dem Sudan; 1878 stellte er Inuit im Berliner Zoo aus. "Wildes Afrika" 1889 und "Menschenrassen des Nil" 1914 lauteten einige der Titel, mit denen Hagenbeck Werbung für seine Völkerschauen machte. Sein Assistent, der Zoologe Alexander Sokolowsky, behauptete, seinem Chef wäre es um Aufklärung und Verständnis für andere Völker gegangen, sagte aber zugleich deutlich, dass die Völkerschauen den kolonialen Gedanken in Deutschland fördern sollten.

Tatsächlich überschnitten sich die Präsentationen Hagenbecks mit dem Selbstverständnis der Kolonialherren Europas: Ein Schauspiel zeigte zum Beispiel arabische Sklavenhändler, die ein Dorf im Sudan überfallen, um Sklaven zu jagen; Hagenbecks Tierfänger verjagen die Araber und feiern mit den Schwarzafrikanern ein Freundschaftsfest. Das war klassische Kolonialideologie; denn die Imperialisten begründeten die "Schutzherrschaft" über Afrika unter anderem damit, dem Sklavenhandel der Araber Einhalt zu gebieten. Dass der Profit beim europäischen Händler und nicht bei den Afrikanern vor Ort blieb, erschien in dieser Propaganda als humanistischer Akt.

Hagenbecks Assistent, Alexander Sokolowsky, war Schüler des "deutschen Darwin", Ernst Haeckel. Haeckel hatte einen biologistischen Rassismus konstruiert, nach dem die Unterschiede zwischen "Natur- und Kulturvölkern" so groß wären wie die zwischen verschiedenen Tierarten. Die "gebildeten Europäer", die "Kulturmenschheit" hätten nach Sokolowsky das Recht, die "primitiven Völker" zu studieren. Anthropologen wie Rudolf Virchow besuchten die Völkerschauen und vermaßen die ausgestellten Menschen, Kaiser Wilhelm II. ließ sich Menschen aus Afrika im Tierpark vorführen.
(...)
Eben dieser Panoramablick und die Aussicht auf ein gutes Geschäft kennzeichneten Hagenbecks Präsentationen: Er war ein cleverer Geschäftemacher, der Assoziationen, Zeitgeistströmungen und Erwartungen eines deutschen Massenpublikums als lebende Bilderwelten inszenierte. Wie wenig diese Erwartungen der Wirklichkeit der präsentierten Menschen entsprachen, wurde deutlich, als eine Gruppe Bella-Coola, Indigene von der amerikanischen Nordwestküste, 1889 auftrat. Diese Bella-Coola trugen ihre reale Kleidung - keine Bisonfelle, Kriegsbemalung oder Federschmuck. Besucher entrüsteten sich: "Das sind keine echten Indianer". Werbeplakate reduzierten die dargestellten Menschen auf Stereotype wie eben "wildes Afrika". Diese optisch inszenierten Klischees wurden so arrangiert und inszeniert, dass die schon vorhandenen Imaginationen des Publikums den Schein der Authentizität bekamen. Die Bilderwelten der Völkerschauen knüpften an verzerrte Vorstellungen an und entwarfen sie wiederum von neuem.
Carl Hagenbeck brachte sein Selbstverständnis auf den Punkt: "Wo seid ihr geblieben, ihr Söhne der Prärien, die ihr euch meiner Führung in das Land der Weißen anvertrautet, die euch anstaunten wie Wundertiere?" Er betrachtete sich als überlegenen -weißen- Führer, der die "Exoten" in sein Land brachte, wo das -weiße- Publikum sie wie Tiermenschen aus einer Fabelwelt betrachtete und die europäische Überlegenheit gewahrt blieb. Die Völkerschauen waren romantisierende Variationen des Kolonialrassismus, eben nicht in der vernichtenden Konsequenz, sondern als Paternalismus, als Darstellung tolerierender Arroganz, in der der "Wohltäter" Carl Hagenbeck seine hütende Hand über "Naturmenschen" und Wildtiere hielt und ihnen Schutz in seinem Reservat, seinem Park, gewährte.
(...)

Der Exotismus, die tolerierende Arroganz, der die Anderen ästhetisiert und zur Unterhaltung einsetzt, das Salz in der Suppe der eigenen Sehnsüchte nach Abenteuer und Entfaltung, kann durchaus Rassismus sein, auch wenn der Fremde vermeintlich positiv erscheint. Zu einer kritischen Auseinandersetzung zum Beispiel mit der Situation der indigenen Opfer des Völkermordes in Amerika waren die Völkerschauen nicht geeignet. Nordamerikanische Indigene mit dem Stereotyp der Bisons jagenden Präriekulturen waren zwar im deutschen Klischee - auch durch Karl May- positiver besetzt als in den USA, die Begeisterung für sie als Symbol für den "authentischen Freiheitskämpfer, der seine Scholle verteidigt" blieb aber Wunschvorstellungen verhaftet: Diese Wunschvorstellungen resultierten auch aus den Existenzängsten der Kleinbürger und ihrer unreflektierten Kritik an der Monopolisierung der Großindustrie.

Hagenbeck verbildlichte den Herrschaftsanspruch des weißen Mannes, in dessen Obhut exotische Tiere und als Exoten präsentierte Menschen gezähmt lebten. Und in dieser Tier- und Menschenschau lag Hagenbecks Fähigkeit darin, dass er die zur Schau gestellten Kulturen ebenso kannte wie die Fantasien des Publikums und so den Schein des Echten vermittelte. Er war eine Identifikationsfigur für viele, die unter der Enge im Wilhelminischen Staat und der Entfremdung ihrer Lebenswelt im Industriekapitalismus litten, denn er schien die aufgeführten Abenteuer selbst erlebt zu haben. Das Freiheitsversprechen seines Exotismus - Länder zu bereisen, die aufregender als die erlebte Wirklichkeit wären - wirkte in der Starre der deutschen Klassengesellschaft wie ein Magnet.

Ein "African Village" im Zoo Augsburg 2005 löste internationale Proteste aus: Schwarze Deutsche, Ethnologen und Menschenrechtler fühlten sich an eine "koloniale Völkerschau" erinnert. Auslöser des Protestes war die Direktorin Barbara Jantschke, die sinngemäß auf eine besorgte Nachfrage geantwortet hatte: "Zum Zoo gehört die Exotik". Damit sagte Frau Jantschke, dass Menschen aus Afrika, sich als Exotik präsentieren lassen. Die Kritiker hatten recht: Das "African Village" war ganz eindeutig ein kommerzielles Projekt mit "Afrika" als Lockmittel, ohne einen reflektierten Zugang oder Pädagogik zur Realität und Geschichte afrikanischer Gesellschaften zuzulassen. Die Veranstaltung war nicht geeignet, Afrikaner als gleichwertig zu empfinden, indem zum Beispiel Professoren aus Tansania über dortigen Naturschutz referiert hätten. [*******A]frikaner, die Zöpfe flochten oder "typisch afrikanische Musik" spielten, waren Teil einer Ausstellung mit Tieren und Pflanzen. Auf das sarkastische Angebot eines brasilianischen Bürgers, sie hätten auch einen Zoo, wo die Direktorin doch typisch bayrische Tätigkeiten wie Kühe melken vorführen könnte, reagierte Frau Jantschke allerdings nicht. Auch der Zoo Hannover vermittelt mit der Dschungelbuch-Ästhetik eines "Dschungelpalastes" und "Kaffeegenuss am Sambesi" die falsche Authentizität eines Erlebnisses in neokolonialer Tradition.

Dienstag, Juni 26, 2007

Schwarze NS-Opfer

Ich wurde soeben auf eine Dokumentation aufmerksam gemacht, in der Serge Bilé einige Lebensläufe von Schwarzen Menschen verfolgt, die während der NS-Zeit in Konzentrationslagern verschwanden. Ein kurzes Interview mit dem Filmemacher ist hier zu sehen.

Außerdem hat Bilé ein Buch zum Thema verfasst: Das schwarze Blut meiner Brüder. Vergessene Opfer des Nationalsozialismus
Ein weiteres Buch, das sich mit dem Thema "Schwarze Menschen in der NS-Zeit" in einer autobiografischen Form beschäftigt, ist folgendes: Mach nicht so traurige Augen, weil du ein Negerlein bist. Meine Jugend im Dritten Reich (Sachbuch), über dessen Titel ich natürlich nicht besonders erfreut bin.

Da ich in letzter Zeit häufiger zu NS-Themen befragt wurde, hier noch zwei weitere Buchtipps:

- Hitler's Black Victims: The Historical Experiences of Afro-Germans, European Blacks, Africans, and African Americans in the Nazi Era: The Historical Experience ... (Crosscurrents in African American History)

-Race After Hitler. Black Occupation Children in "Postwar Germany" and America: Black Occupation Children in "Postwar Germany "and America (beschäftigt sich dann eher mit dem rassistischen Erbe aus der Nazi-Zeit)


Dienstag, Mai 08, 2007

Schwarze und Tiere nicht mehr in Wildnis gefangen

Arno Makowsky von der sueddeutsche.de interviewt Joachim Weinlig-Hagenbeck, Chef vom Zoo.

“SZ: Zur Geschichte von Hagenbeck gehören auch Menschenschauen mit “Eingeborenen” am Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gibt Fotos, auf denen Kaiser Wilhelm II. zu sehen ist, wie er eine Schau mit Äthiopiern beobachtet.

Hagenbeck: Um das zu beurteilen, muss man sich in die damalige Zeit versetzen. Es war nur denkbar in einer Epoche, in der die Europäer die Welt erobert haben - und ist in den zwanziger Jahren aufgegeben worden. Vieles daran wird heute falsch dargestellt. Etwa so, als wäre man nach Afrika gefahren und hätte Menschen in Ketten gelegt, um sie hier im Zoo auszustellen. Das stimmt nicht. Viele Schwarze sind über Jahre und Jahrzehnte immer wieder nach Deutschland gekommen, weil sie gut verdient haben. Zum Glück ist das alles längst vorbei. So wie man heute auch keine Tiere mehr für den Zoo in der Natur einfängt.”

geklaut bei Riemer-O-Rama, Hervorhebung von mir, weitere Worte fehlen...

Samstag, Mai 05, 2007

Mehr zur kolonialen Vergangenheit Hamburgs

Presse-Information des Eine Welt Netzwerks Hamburg:

„Tansania-Park“ oder Postkolonialer Erinnerungsort?
Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert Vorgehensweise des Beirats und lädt zum
Rundgang durch die ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaserne am 5. Mai

Der Bezirk Wandsbek hat einen Beirat berufen, der ein Konzept für die zukünftige Gestaltung des umstrittenen „Tansania-Parks“ entwickeln soll. Beteiligt sind VertreterInnen der Bezirksfraktionen, von Hamburger Behörden, dem Völkerkunde-Museum, der Bundeswehr-Universität und des Eine Welt Netzwerks Hamburg.

Zwar zeichnen sich nach langen Verhandlungen erste konkrete Schritte ab, doch das Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert das Vorgehen des Beirats in mehreren Punkten:
• Ein historischer Parcours soll entwickelt werden, der die Denkmäler und weitere Baulichkeiten des Kasernengeländes durch Text- und Bildtafeln in ihren historischen Entstehungskontext stellt. Eines der Kasernengebäude zeigt beispielsweise ein Porträt von Lothar von Trotha, der 1904 den Befehl zum Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwestafrika gab. Im Mittelpunkt des Parcours soll die Darstellung der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika stehen.
Ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug, findet Heiko Möhle vom Eine Welt Netzwerk Hamburg. „An diesem Ort wurden jahrzehntelang die Vorkämpfer eines aggressiven Kolonialregimes geehrt, die bis zum Völkermord gingen. Es reicht nicht, an dieser Stelle Geschichte darzustellen, sondern hier muss ein würdevolles Gedenken an die Opfer von Kolonialismus und Rassismus ermöglicht werden“.
• Einige Beiratsmitglieder ziehen es vor, die heutigen, positiven Beziehungen zwischen Hamburg und Tansanias Hauptstadt Daressalam in den Vordergrund stellen. Zur Gegenwart gehöre aber auch, dass Menschen in Hamburg noch heute aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Die Problematisierung dieses „kolonialen Erbes“ dürfe in der zukünftigen Erinnerungsstätte nicht fehlen, so Möhle.
• Kritik übt das Eine Welt Netzwerk auch an der Besetzung des Beirats. „Unsere Forderung, die ‚Black Community Hamburg’ zur Beteiligung einzuladen, wurde mehrfach von der Mehrheit im Beirat abgelehnt“, so Möhle. „Damit bringt sich das Gremium selbst um seine Legitimation“.

Zum Hintergrund: 1999 zog die Bundeswehr aus der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld (Bezirk Wandsbek) aus. Seit 2003 gibt es auf dem Gelände den „Tansania-Park“. Die kleine Grünanlage präsentiert Denkmäler aus der NS-Zeit, die von der Wehrmacht errichtet worden waren, um das koloniale Militär des Kaiserreichs zu verherrlichen. Gegen die bizarre Idee, diese
nationalsozialistischen Kolonialdenkmäler zu Symbolen deutsch-afrikanischer Völkerfreundschaft zu erklären, hat es in der Vergangenheit immer wieder Proteste gegeben.

Öffentlicher Rundgang am 5. Mai 2007
Auf einem Rundgang durch das für die Öffentlichkeit kaum zugängliche Kasernengelände erläutert Heiko Möhle vom Eine Welt Netzwerk Hamburg den Entstehungskontext der Denkmäler und führt in den Konflikt zwischen militaristischer Traditionspflege und postkolonialer Erinnerungskultur ein.
Zeit: Samstag, 5. Mai 2007, 15:00 Uhr
Ort: Kaserneneingang Wilsonstr. 49 (Bus Kuehnstraße Ost)
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Preis: Die Teilnahme ist entgegen früherer Ankündigungen kostenlos!

Montag, April 23, 2007

Afrika im Spiegel

Da ich momentan nicht dazu komme, selbst viel zu schreiben (bald aber wieder full force, versprochen!), erlaube ich mir, zum Titelthema des SPIEGEL der letzten Woche folgendes Zitat einer Sister aus einem Forum zu posten, das die Empörung unsererseits ziemlich genau auf den Punkt bringt:
"Ich habe mir den SPIEGEL gekauft und muss sagen ich war überrascht. Etwas derart ewiggestriges hätte ich dem SPIEGEL im Leben nicht zugetraut.

Die haben überhaupt noch nicht begriffen, dass Afrika der Kontrolle Europas entgleitet und dass dies schon sehr bald sehr ungemütlich für uns hier werden kann. Die "Experten" des SPIEGEL, Thilo Thielke und Erich Wiedemann, berichten mit einer Arroganz, wie sie vielleicht in den frühen Neunzigern mal üblich gewesen ist. Dabei wird Europa in Afrka schon sehr bald nichts mehr zu melden haben (ob das eine Entwicklung zum Besseren hin ist, bleibt abzuwarten). Haben die denn keine Augen im Kopf?

Der Höhepunkt ist das Lamentieren über die Enteignung der weißen Farmer in Zimbabwe. Kein Wort über die tausendfachen Morde und Vergewaltigungen, die durch oder auf Geheiß der Farmer begangen worden sind. Im Gegenteil heißt es im Text: "Ein Mörder kann ungestraft davonkommen, wenn er schwarz ist." Das ist ja unerhört!

Es wird in dem Bericht jedes negative Klischee ausgebreitet:
- Die vielen Milliarden milder Gaben für den Kontinent (Kein Wort über die Wirtschaftssabotage durch den Westen, Beraterhonorare und Schweizer Bankkonten)
- Es werden alle afrikanischen Diktatoren aufgezählt (aber nicht die Staatsführer, die zuvor von den Geheimdiensten beseitigt wurden)
- Es werden alle Fehlentwicklungen auf dem Kontinent aufgezählt (Hoffnung machende Beispiele werden bis auf Ghana totgeschwiegen "Ghana ist heute der einzige wirkliche Lichtblick in Schwarzafrika")

Nächste Woche geht es im SPIEGEL weiter, Thema:
"Wer rettet Afrika? Popstars und Milliardäre bringen die Entwicklungshilfe auf Trab."

Das ist kein Witz! das steht da wirklich! Die halten tatsächlich Bob Geldof, Bono und Madonna für die Retter Afrikas. Das ist unfassbar."

Donnerstag, März 15, 2007

Führung: Schwarze Häftlinge im KZ Neuengamme

Diesen Sonntag (18.03.2007) findet in der Gedenkstätte KZ Neuengamme eine Führung mit dem Titel "Schwarze Häftlinge im KZ Neuengamme" statt.

Ein Thema, das in der dominanten Wahrnehmung oft nicht existiert: Schwarze Menschen waren in KZs interniert und Opfer von sog. Rassenhygiene, was z.B. ein systematische
Zwangssterilisationen von afrodeutschen Jugendlichen zur Folge hatte.

Näheres dazu z.B. in folgenden Büchern bzw. Links:
- Zeitzeugen-Interviews auf Cybernomads
- Text von Nicola Lauré al-Samarai

Bücherauswahl:
- Hitler's Black Victims: The Historical Experiences of Afro-Germans, European Blacks, Africans, and African Americans in the Nazi Era: The Historical Experience ... (Crosscurrents in African American History)
- Eine afro-deutsche Geschichte. Zur Lebenssituation von Afrikanern und Afro-Deutschen in Deutschland von 1884 bis 1950
- re/visionen
- TheBlackBook. Deutschlands Häutungen