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Samstag, November 15, 2008

Berlin: Veranstaltung zu rassistischer Spendenwerbung

Fw:
Mittwoch, 19. November 2008, 18.30 Uhr
HU, Institut für Asien-Afrika-Wissenschaften
Invalidenstraße 118, Raum 315

EZ = EuroZentrismus?!"
Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit EntwicklungsZusammenarbeit

Vortrag
White Charity - Strategien und Wirkungen von Spendenwerbung in der EntwicklungsZusammenarbeit.

Werbeplakate für Spenden von Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt, Care International, Welthungerhilfe etc. sind im öffentlichen Raum in Deutschland omnipräsent.
Der Vortrag von Timo Kiesel setzt sich mit diesen Plakaten auseinander, die das unsichtbarste Zeichen für Entwicklungszusammenarbeit in der Öffentlichkeit darstellen. Untersucht werden an Hand dieser Strategien und Wirkungen von Spendenwerbung. Obwohl in den letzten Jahren ein Umdenken statt gefunden hat und die Organisationen sich verpflichtet haben, Menschen in ihrer Würde und als Subjekte ihres eigenen Handelns zu zeigen, greifen die Werbeabteilungen der NROs noch immer auf historisch verfestigte Stereotype zurück. Auf diese Wiese werden koloniale und rassistische Denkmuster weiterhin reproduziert. Timo Kiesel verfolgt die darin verwendeten Stereotypen über Schwarze Menschen und People of Color und diskutiert welches weiße Selbstbild hinter der Spendenwerbung und den Plakaten steht.

Die Veranstaltungsreihe richtet sich sowohl an Menschen, die im entwicklungspolitischen Bereich aktiv sind, als auch an eine interessierte Öffentlichkeit. Die Veranstaltungsreihe soll zur
Reflexion und Hinterfragung eigener Bilder, Motivationen und Herangehensweisen beitragen und bietet gleichzeitig Raum für eine Auseinandersetzung mit gängigen und als wahr erachteten Positionen und Informationen der EntwicklungsZusammenarbeit.
In den Sitzungen soll explizit auf die deutsche Kolonialzeit, koloniale Kontinuitäten, die Bedeutung von Weißsein in der EntwicklungsZusammenarbeit, rassistische Spendenwerbungen in der EZ sowie die Fallen und Chancen interkultureller Arbeit eingegangen werden. Zudem wird EntwicklungsZusammenarbeit aus Nord- und Südperspektive diskutiert werden.

Donnerstag, November 13, 2008

Berlin: 200 Jahre nach offiziellem Ende der europäischen Versklavung

In Berlin finden zwischen 23.11. und 30.11.2008 unter dem Titel "200 Jahre später" eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe (mit Filmen, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen) statt. Details hier: klick

Donnerstag, August 28, 2008

Heimlich, still und leise...

...wurde das Schimmelmann-Schandmal vor Kurzem abgebaut. Nachdem die Bezirksversammlung endlich beschlossen hat, das hässliche Teil zu entfernen, hat sich jetzt plötzlich auch die Imtech GmbH als Eigentümerin zu Wort gemeldet und die Leihgabe an den Bezirk Wandsbek zurückgenommen. Grund war angeblich der "Aufruhr, den es im Bezirk wegen der Skulptur gegeben hatte" (Quelle). Warum dieser "Aufruhr" die Imtech in den letzten zwei Jahren nicht gestört hat und die Firma jetzt kurz vor der Entfernung durch den Bezirk eingreift, bleibt natürlich ein Rätsel. afrika-hamburg sagt dazu:
"Sollte die mit obrigkeitlichem Gestus erfolgte Installation der Büste einen Sklavenhändler zur imageträchtigen Heimatfigur stilisieren, so sollte die klammheimliche Demontage nun offenbar eine angemessene Dokumentation dieses merkwürdigen Vorgangs verhindern. Forcierte Mythisierung und Verdrängung liegen nahe beieinander."
So bleibt auf der einen Seite Freude darüber, dass dieses Schandmal endlich entfernt ist und unsere Proteste etwas bewirkt haben, andererseits hinterlässt dieser Vorgang einen sehr faden Beigeschmack.

Und im Bezirk Wandsbek? Da hat man ganz große Sorgen:
"Sie befürchtet jedoch, dass die Diskussion über die Kolonialgeschichte nun abreiße. "Wenn der Anstoß fehlt, wird vielleicht gar nicht mehr darüber geredet." Eine Umbenennung der Straßen, die nach Schimmelmann benannt sind, sei nicht geplant."(Quelle)
Diese Sorgen sind allerdings nicht begründet, schließlich gibt es in Hamburg so viele Spuren von Kolonialismus, dass es leider noch sehr lange sehr viele Anstöße dazu geben wird, Rassismus und Kolonialismus zu thematisieren. Traurig, aber wahr...

Samstag, Juli 12, 2008

Abendblatt über Schimmelmann

Als damals das Schandmal für den Menschenhändler Schimmelmann aufgestellt wurde, hielt sich das Hamburger Abendblatt vornehm mit der Berichterstattung zurück. Vor allem von den Protesten gab es wenig zu sehen. Die Mopo dagegen berichtete regelmäßig und inklusive Titelseite. Damals war auch die Hamburger GAL ganz weit vorne dabei und stellte mehrmals Anträge auf einen sofortigen Abriss. Die SPD-Fraktion war auch dagegen, stellte aber gemäßigtere Forderungen. Die CDU-Fraktion nutzte ihre absolute Mehrheit (aus), um alle Proteste abzuschmettern und ihrem Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs eine "weiße Weste" für seine Beförderung zum Staatsrat zu ermöglichen (klick).

Mittlerweile ist die SPD die Partei, die sich in Wandsbek die Abschaffung des Schandmals zum Ziel gesetzt hat. CDU und GAL stimmen dem SPD-Antrag zu und plötzlich berichtet auch regelmäßig das Abendblatt (dafür gibt's in der Mopo nur noch Randnotizen). Hier ein Ausschnitt aus einem Artikel von heute, den ich sehr erfreulich finde, mich aber trotzdem sehr wundern muss, dass man Schimmelmann erst jetzt dort so schlimm zu finden scheint und Dierk Strothmann in folgender Weise über ihn berichten lässt:

Es gehört sich nun einmal für jeden anständigen Menschen, zu dem zu stehen was er getan hat - auch wenn es schlimm und peinlich ist. Und wenn etwas falsch ist, dann ist es falsch, selbst dann, wenn es alle machen. So ist das auch mit Hamburg und dem Sklavenhandel.

Als vor einiger Zeit in Wandsbek eine Büste des Kaufmanns Heinrich Carl von Schimmelmann, der am 13. Juli 1724 geboren wurde, aufgestellt wurde, da war die Aufregung groß - mit Recht, denn dieser Schimmelmann war ohne jeden Zweifel ein ganz Großer im rücksichtslosen Vertrieb der Ware Mensch und wurde dadurch so reich, dass er sich am Michel einen Stadtpalast und das Ahrensburger Schloss (inklusive mehrerer Hundert Leibeigener) sowie das Gut Wandsbek kaufen konnte. Sein vielleicht doch ein wenig angekratztes Gewissen beruhigte er mit "milden Stiftungen für Arme" und der Gründung des "Wandsbeker Bothen".

Warum nicht gleich so? Man kann sich nur wundern...

Sonntag, Juni 29, 2008

Bundestag lehnt Reparationen für Nama und Herero ab

"Der im Juni 2007 von der Fraktion Die Linke in Kooperation mit Herero-Paramount-Chief Kuaima Riruako in den Bundestag eingebrachte Antrag zur „Anerkennung und Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen“ ist gestern in 2. Lesung abgelehnt worden."
Mehr hier

Mittwoch, Juni 25, 2008

Kurzer Hinweis: Hamburg bekommt neue Partnerstadt...

...und zwar Dar Es Salaam (Tanzania). Das steht im Koalitionsvertrag von CDU und GAL.
Welche Interessen dahinter stecken und ob die Stadt tatsächlich Partner wird (das bedeutet natürlich Kommunikation auf Augenhöhe!) wird sich noch zeigen.
Ich erinnere zu diesem Anlass an "Africa meets Europe" im letzten Jahr: klick

Maritimes Museum verklärt Kolonialismus und NS

Hamburg hat eine neue Attraktion, die heute u.a. von Bundespräsident Horst Köhler eingeweiht wurde: Das Internationale Maritime Museum, dessen Stücke aus einer Militaria-Privatsammlung stammen. Bis zur Eröffnung gab es kein inhaltliches Konzept, das in irgend einer Form nach pädagogischen oder historischen Gesichtspunkten geprüft werden konnte. Trotzdem gab es eine millionenschwere Geldförderung von der Stadt Hamburg und den Kaispeicher B für 99 Jahre mietfrei dazu. Kaispeicher B durch Vitamin B kostenlos und Kohle obendrauf.
Offenbar ist die Aufbereitung der Ausstellung so unkritisch, bzw. verherllichend, wie zuvor befürchtet. So schreibt Till Briegleb in der heutigen SZ (danke an afrika-hamburg für den Hinweis):
Die Kritik, die anlässlich dieser Entscheidung an der Qualität und dem pädagogischen Wert von Tamms Sammlung sowie an gewissen Berührungspunkten Tamms zu Personen von zweifelhafter demokratischerGesinnung geäußert wurde, schmetterte der Verlagspatriarch stets ab. (...)

Sachliche Information besteht aus unkritischer Kolonialgeschichte und ausführlichen Erinnerungen der kaiserlichen Admiralität, deren Ordensnachlass und Hutschachteln dazu noch prunkvoll inszeniert werden.

Statt die Gräueltaten der Herrenmenschen in Afrika und Europa zu dokumentieren, beschreibt die Ausstellung lieber in ermüdenderAusführlichkeit die technischen Details von Torpedos und Panzerschiffen. (...)

Dabei verrutscht das Deutsch aus Militaria-Katalogen, das die Hinweisschildchen dominiert, auch gerne mal ins technokratisch Entwürdigende, etwa wenn in der einen kleinen Schautafel, die die Sklaverei behandelt, ihre Notwendigkeit so erklärt wird: "Mit derEroberung amerikanischer Kolonien wuchs der Bedarf an billigen Arbeitskräften. Um die hohe Sterberate unter Indianern auszugleichen,bediente man sich bald afrikanischer Sklaven". (...)

Wenn Herrschaftsgeschichte wieder Opfergeschichte aus dem Museum verdrängt, ist Mahnung gefragt, nicht Salbung.

Schon vorab befasste man sich bei dem Projekt "Feld für Kunst" intensiv mit dem Projekt, wo auch bis zum 18.07. noch weitere Veranstaltungen stattfinden, bei denen man sich kritisch auseinandersetzen kann: klick

Dienstag, Mai 20, 2008

Verwirrspiel um Schimmelmann-Entscheidung

Leider sind sich die Partei-Abgeordneten aus Wandsbek nicht einig darüber, was in der letzten Bezirksversammlung nun eigentlich beschlossen wurde. Hier ein Ausschnitt aus einem Statement der SPD als Antwort auf eine Rückfrage der Black Community :

Ich kann Ihre Irritation gut verstehen. Zumindest, wenn Sie eine derartige, Ihnen gegenüber unverantwortlich irreführende Stellungnahme von Herrn Duge erhalten haben.
Offensichtlich stört es ihn, dass der Erfolg in Sachen Schimmelmann nun nicht in erster Linie mit der GAL in Verbindung gebracht wird.
Wir haben immer betont, dass der letztlich erfolgreiche Protest gemeinsam mit der GAL und vielen anderen Mitstreitern erfolgte.
Was ist aber nun beschlossen worden? Die Bezirksversammlung hat vereinbart, dass der SPD-Antrag in den noch zu gründenden Kulturausschuss überwiesen wird, aber mit der eindeutigen Maßgabe, dass das Denkmal am derzeitigen Ort abgebaut wird und man im Ausschuss lediglich noch darüber berät, was weiter mit dem Denkmal geschieht. Genauso sollte es ins Protokoll eingehen. Die CDU z.B. möchte es nicht einfach in den Keller stellen. Ich könnte mir vorstellen, dass man es in einen konzeptionellen Gesamtzusammenhang stellt, in dem tatsächlich eine geschichtskritische Beleuchtung der Person Schimmelmann stattfindet. Hier muss eine kluge Form gefunden werden, bei der die kolonialen Verbrechen nicht etwa in einem Nebensatz erscheinen, sondern sehr deutlich, etwa mit einem "Gegendenkmal", ins Bewusstsein gerückt werden. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Prozess konstruktiv weiter begleiten würden.
Ersteinmal aber bleibt festzuhalten, dass das Schimmelmann-Denkmal und damit die Ehrung eines Sklavenhändlers kurzfristig vom Wandsbeker Marktplatz verschwindet. Wir können uns also uneingeschränkt über diesen gemeinsamen Erfolg freuen.
Ich hoffe auch, dass ich Ihre Einschätzung "der Politiker" zumindest in dieser Sache und zumindest bezüglich unserer Fraktion wieder revidieren konnte.

Mit besten Grüßen

Rainer Schünemann


Mitglied der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek
Regionalsprecher Kerngebiet
(Eilbek, Jenfeld, Marienthal, Tonndorf, Wandsbek)

Wem wir gerade glauben sollen, ist uns allen nicht klar. Um jedoch so ein Hickhack in Zukunft zu vermeiden, werden wir sicherstellen, dass die Hamburger Community bei der ersten Sitzung des Kulturausschusses dabei ist und daher selbst aus erster Hand berichten kann.

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NACHTRAG 22.05.2008

Die Version der SPD wurde mittlerweile verifiziert und damit ist klar, dass SCHIMMELMANN VERSCHWINDET!!!
Die Black Community Hamburg wird sich weiterhin bemerkbar machen und auch in der Kulturausschussitzung dafür plädieren, dass das Schandmal nicht nur den Ort wechselt, sondern komplett aus dem öffentlichen Raum verschwindet.

Montag, Mai 05, 2008

Neue Entscheidung über das Schimmelmann-Schandmal

Die SPD-Fraktion in Hamburg-Wandsbek hat einen neuen Antrag auf Entfernung des Schandmals für den Menschenrechtsverbrecher Schimmelmann gestellt:
Debattenantrag:
Die Schimmelmann-Büste muss weg! !
Sachverhalt/Fragen
Ende 2006 gab es eine heftige Diskussion über die Frage, ob es berechtigt und zeitgemäß ist, eine Schimmelmann-Büste aufzustellen. Mit nicht nachvollziehbaren Argumenten hat die CDU-Mehrheit verhindert, die Konsequenzen aus der unkritischen Darstellung der Person Schimmelmann in der Öffentlichkeit zu ziehen. Bereits im Oktober 2006 hat die SPD-Fraktion angekündigt, nach der Wahl das Thema wieder aufzugreifen.

Beschlussvorschlag
Vor diesem Hintergrund beschließt die Bezirksversammlung:
Die Bezirksamtsleiterin veranlasst die Entfernung der Schimmelmann-Büste aus dem öffentlichen Raum und gibt sie dem Eigentümer zurück.
Die Bezirksversammlung ist öffentlich und findet am 08.05.2008 statt. Die Bezirksversammlung tagt ab 18.00 Uhr im BFW-Berufsförderungswerk Farmsen, August-Krogmann-Str. 52, 22159 Hamburg, Haus U, (1. Stock). Eine gute Gelegenheit, die Nachfolgerin von Gerhard Fuchs kennenzulernen und zu sehen, ob sie im Gegensatz zu ihm einfache Umgangsregeln beherrscht und ihr Gegenüber beim Gespräch ansehen kann.

Mittwoch, März 19, 2008

Lüneburger wollen rassistischen Straßennamen behalten

via afrika-hamburg.de aus dem Hamburger Abendblatt:

Carl Peters hielt Schwarze für minderwertig
Straße nach Rassist benannt

Eine Umbenennung wurde nach dem Krieg übersehen. Die Anwohner der Carl-Peters-Straße wollen keinen neuen Namen, weil das Geld kostet.

Von Carolin George

Lüneburg - Er war Rassist, ließ Afrikaner hängen und wurde letztlich unehrenhaft aus
dem deutschen Reichsdienst entlassen: der Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika Carl Peters, geboren 1856 in Neuhaus, heute Landkreis Lüneburg. Im Lüneburger Stadtteil Goseburg ist noch heute eine Straße nach ihm benannt. Die Stadtverwaltung will das ändern, stößt aber auf Widerstand bei den Anwohnern.

"Vor Jahren untersuchte eine wissenschaftliche Kommission sämtliche Lüneburger Straßennamen nach möglichen Überbleibseln aus dem Dritten Reich, die nicht bereits direkt nach dem Krieg korrigiert wurden", sagt Daniel Steinmeier aus dem Pressereferat der Stadt. "Entdeckt wurde einzig die Carl-Peters-Straße." Die hatten die Nationalsozialisten laut dem Bürgervereinsvorsitzenden Rüdiger Schulz 1937 "bei Nacht und Nebel und ohne Ratsbeschluss benannt", denn Carl Peters wurde von den Nazis quasi als Urvater nationalsozialistischer Ideen wiederentdeckt.

Laut Internet-Lexikon Wikipedia hatte Peters in der "Kolonialpolitischen Correspondenz" die sogenannten "nicht-weißen Rassen" als minderwertig bezeichnet, als einzige Existenzberechtigung habe er ihnen ein Dasein als Arbeitskräfte unter der Herrschaft weißer Bauern zugebilligt. Seine Entlassung 1897 war mit der unwürdigen Behandlung der Eingeborenen begründet. Rüdiger Schulz: "Man nannte ihn Hänge-Peters, weil er Schwarze nach seinem Belieben hat hängen lassen."

Als Vorsitzender des Bürgervereins spricht Schulz sich für eine Umbenennung der Straße aus, weiß aber auch: "Das wird auf massiven Widerstand der Anwohner stoßen. Die müssten schließlich sämtliche Angaben, Briefpapier und Visitenkarten ändern." Daniel Steinmeier: "Wir haben eine Anwohnerbefragung durchgeführt, und die Mehrheit war dagegen. Wir arbeiten daher weiter an einer Problemlösung."

Zu viel Wind um die Sache wähnt Hans-Peter Breidenbach, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Lüneburg, die in der Carl-Peters-Straße zahlreiche Wohnungen vermietet. "Das ist ein Name, der auf einem Schild steht. Weiter wird das nicht zur Kenntnis genommen. 99,5 Prozent wissen nicht, wer das war, niemand identifiziert sich damit." Eine Umbenennung wäre bürokratischer Aufwand und würde nichts bewirken.

Ein möglicher Kompromiss wäre eine kleine Tafel am Straßenschild mit Informationen über Peters. Entscheiden über den Straßennamen muss der Stadtrat.

Freitag, Februar 22, 2008

Worüber Medien nicht berichten

Das Online-Magazin "Neue Gegenwart" berichtet in der 54. Ausgabe unter anderem über Themen, die von Journalisten nicht aufgegriffen werden, obwohl sie bedeutend sind und daher auch in die aktuelle Berichterstattung gehören. Dazu der Autor Prof. Dr. Horst Pöttker:
Die schwerste Verfehlung aber ist, wenn Journalisten etwas nicht berichten, obwohl es in die Öffentlichkeit gehört. Denn ihre Aufgabe ist nicht, dem Publikum Gutes zu tun oder es vor Schädlichem zu bewahren; seit es Journalisten gibt, besteht ihre Aufgabe darin, alles Aktuelle bekannt zu machen, was der Einzelne wissen muss, um sein Leben auf der Höhe der Möglichkeiten zu gestalten, und was die Gesellschaft an Transparenz braucht, um sich selbst zu regulieren.

Die schwerste journalistische Verfehlung ist deshalb, über etwas nicht zu berichten, das der Einzelne und die Gesellschaft erfahren sollten. Da eine konsensfähige Entscheidung über solche Relevanz nur aus einem Diskurs hervorgehen kann, der seinerseits Öffentlichkeit voraussetzt, haben Journalisten eine Grundpflicht zum Publizieren, von der im Prinzip kein Thema ausgenommen ist.

An dieser Stelle des Artikels war ich gespannt darauf, ob in der Liste der vernachlässigten Themen auch eines auftaucht, das hier relevant ist. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht:

Im Juni 2007 wurde erstmals im Bundestag über eine finanzielle Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika debattiert. Obwohl diese vielfach als Völkermorde bewertet werden, berichteten lediglich der englische Dienst der Deutschen Welle und die „Junge Welt“ – Nachrichtenagenturen kündigten weder den Termin an, noch lieferten sie Nachberichterstattung. Dadurch war der Debattentermin in den meisten Redaktionen unbekannt.
Als Erklärung liefert der Autor in diesem Fall Folgendes:
Hier fehlt es am Nachrichtenwertfaktor Nähe, und zwar sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht. Hinzu kommen psycho-kulturelle Gründe: Eigene Schuld wird gern verdrängt, auch kollektiv, und Geschichtsbewusstsein wie Geschichtswissenschaft werden vom postmodernen Zeitgeist abgehängt.

Die Initiative Nachrichtenaufklärung bewertet den Fall folgendermaßen:
Die Tatsache, dass die Ereignisse über 100 Jahre zurück liegen und zwischenzeitlich zwei Weltkriege das Schuldbewusstsein der Deutschen stark belasteten, sollte kein Grund dafür sein, dieses Verbrechen an mehreren zehntausend Menschen aus dem Blickfeld zu verlieren. Eine Diskussion über mögliche finanzielle Entschädigungen ist daher sinnvoll. Der Verlauf dieser Debatten sollte der Bevölkerung nicht vorenthalten werden, um diese kontroversen Argumente darlegen zu können. Nur so kann den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich eine eigene Meinung zu dem Thema zu bilden.
Bei dieser Initiative kann man übrigens auch Themen einreichen, die man für relevant, aber in den Medien nicht für präsent genug hält (klick)

Dienstag, Februar 19, 2008

Wird ein weiterer Sklavenhändler in Hamburg geehrt?

Folgenden offenen Brief richtete Jokinen von afrika-hamburg an den Altonaer Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose:

O F F E N E R B R I E F

Große Bergstraße
Umbenennung „Frappant“ zu „Christians-Quartier“

Sehr geehrter Herr Warmke-Rose,

dem „Altonaer Wochenblatt“ vom 13.2.2008 entnehme ich, dass der „Frappant“-Komplex nach Umbau „Christians-Quartier“ heißen soll, benannt nach dem dänischen König Christian VI (1699-1746).

Der Investor k-werkstatt schreibt auf der Webseite www.christians-quartier.com:

„Eine Neukonzeption und -gestaltung des Grundstücks Große Bergstraße 164-180 bedingt ganz von selbst auch einen neuen Namen. k-werkstatt sieht darin die Chance, ein selbstbewusstes Zeichen für die Neubelebung eines ganzen Stadtteils zu setzen. ... k-werkstatt wählte diesen Namen als einen Hinweis auf die Blütezeit Altonas Ende des 18. Jahrhunderts. Unter dem dänischen König Christian VI entwickelte sich die Stadt zur zweitgrößten Stadt Dänemarks. In dieser Zeit lebten und wirkten in Altona so wichtige Personen wie Johann Friedrich Struensee, Friedrich Gottlieb Klopstock oder Carl Heinrich Behn, der beispielsweise die stadtplanerischen Grundzüge des heutigen Altonas legte. Warum sollte es nicht möglich sein, diese positiven Aspekte wieder aufleben zu lassen?“

Ich nehme an, dass diese Namensnennung in Unkenntnis wichtiger historischer Fakten gewählt wurde. Während die oben erwähnten Geistesgrößen an der Elbe bei Altona spazieren gingen, kamen die Schiffe des dänischen Königs und seiner „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ im Altonaer Hafen an. An Bord Kolonialwaren von den Plantagenwirtschaften in der Karibik: Zucker, Baumwolle, Kaffee, Tabak - und Sklaven als Pagen und „Kammermohren“ für die Reichen und Adligen in Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Christian VI war Hauptaktionär der „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ und damit einer der größten Sklavenhändler und -halter im transatlantischen Dreieckshandel. Seine Vorgänger Christian V und Frederik IV hatten den globalisierten Sklavenhandel zwischen Kopenhagen, Guineischer Küste in Afrika und den Jungferninseln in der Karibik angeschoben. Sein Nachfolger Frederik V perfektionierte das perfide System des Menschenhandels, der zur Haupteinnahmequelle des Königs wurde und wesentlich zum Reichtum des dänischen Staates beitrug.

In Altona profitierten vom dänischen Sklavenhandel unter vielen anderen auch Emile Nölting, der sein Geld auf der dänischen Karibik-Insel St. Thomas machte und der Reeder von (van) der Smissen, der Sklavenschiffe chartete - beide werden in Altona mit Straßennamen geehrt.
Christian VI von Dänemark trat 1730 als ältester Sohn von Frederik IV seine Regentschaft (1730-1746) an. Die Krönungsfeier fand 1731 statt, an der auch sein Oberstallmeister teilnahm, der zugleich Direktor der königlich initiierten „Dänisch-Westindisch-Guineischen Kompanie“ war. Als Ausdruck seiner hohen Stellung kam er mit seinem Sklaven, dem "Kammermohren" Anton.
Zu dieser Zeit besaß Dänemark bereits Festungen wie Fort Christiansborg an der afrikanischen "Goldküste" (heute Ghana) als Stützpunkte für den transatlantischen Sklavenhandel. Auf den karibischen Inseln St. Thomas und St. Jan befanden sich große Sklavenplantagen, auf denen vor allem Zucker, Baumwolle und Tabak für Europa angebaut wurde. Dafür fungierte Altona, damals Dänemarks Seehafen an der Elbe, als wichtiger europäischer Knotenpunkt des Dreieckshandels.

1733 erwarb Dänemark noch die Karibikinsel St. Croix, die für die Zucker- und Rumproduktion vor allem in Flensburg wichtig werden sollte. Auf St. Croix wurde im gleichen Jahr die Stadt Christiansted gegründet, benannt nach Christian VI. Zu dieser Zeit gab es auf St. John 109 Plantagen, davon 21 mit Zuckerproduktion mit wachsender Tendenz. Die dänische Insel St. Thomas war einer der bedeutendsten Umschlagsorte des Sklavenhandels in der Karibik.

Der „St. John Slave Code“, ein Strafreglement, das am 5. Sept. 1733 - vor 275 Jahren - vom dänisch-königlichen Kolonialgouverneur Philipp Gardelin erlassen wurde, erhielt 19 Paragraphen zur Behandlung von Sklaven auf den drei Inseln. Es gehört zu den berüchtigsten und grausamsten der europäischen Kolonialgeschichte.

Einleitend heißt es, dass das Reglement "unseren Negern, die von Gott selbst zu Sklaven gemacht sind" gilt. Das Strafreglement sah neben Auspeitschungen Brandzeichnen vor sowie - in Zeiten der „Aufklärung“ - so mittelalterliche Strafen wie Amputation von Ohr, Hand, Arm oder Bein, Foltern mit glühenden Zangen, Rausreißen von Fleischstücken aus dem Körper, Rädern, Hängen oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Wie es beispielsweise im Pararagraphen 8 heißt, wird als Strafmaß für das "Maron laufen" - das Entlaufen eines Sklaven von der Herrenplantage - festgelegt: "Wer 6 Monate lang wegbleibt, soll das Leben verlieren, es sei denn sein Herr verzeiht ihm und begnügt sich mit dem Verlust des Beines." Der Zeitzeuge Reimert Haagensen berichtet 1758, dass viele Sklaven lieber den Tod durch eigene Hand suchten, als sich in die Hände der Kolonialhäscher zu begeben. Haagensen hatte jedoch kein Mitleid, weil er der Meinung war, dass Sklaven „von Natur aus schlecht“ seien.
(Quelle: www.book.google.com)

In Guinea an der afrikanischen "Goldküste" gehörte der Sklavenhändler Ludwig Römer (1714–1776), der 14 Jahre lang als Oberkaufmann in dänischen Diensten zu Zeiten Christians VI tätig war, zu den Wenigen, die sich der Schuld bewusst wurden, die sie durch die Ausübung ihres grausamen Gewerbes auf sich geladen hatten. Er kritisierte in einem Buch die Europäer, alles eingeführt zu haben, was in Afrika böse ist. (Quelle: Stefan Winkle: Firma Schimmelmann und Sohn. Der dänische Sklavenhandel, Hamburger Ärzteblatt 12/03)

Die auf den karibischen Plantagen arbeitenden Sklaven mussten selbst in der Lage sein, sich zu ernähren. Sie hatten kleine Gärten angelegt, doch das Jahr 1733 wurde durch eine Dürreperiode und Hurricanes heimgesucht. Die koloniale Monokultur trug weiter dazu bei, dass die Gärten durch Erosion vernichtet wurden. Hungersnot, das gerade erlassene Strafreglement und die äußerst grausame Behandlung durch die Plantangenbesitzer und Kolonialverwaltung trugen dazu bei, dass viele Sklaven entliefen. Ein Aufstand brach am 23. Nov. 1733 aus. Erstmals gelang es in die Sklaverei verschleppten Afrikanern, eine ganze Insel über eine für die Kolonialmächte
bis dahin undenkbare Zeit (sechs Monate) zu kontrollieren. Der Aufstand wurde mit Hilfe französischer Truppen brutalst niedergeschlagen. Hunderte brachten sich um, bevor sie gefangen genommen werden konnten. So konnten sie der Folterei und Exekution entgehen.

Im Todesjahr Christians VI 1746 zählte man auf den drei dänischen Junferninseln 17.000 Sklaven - obwohl die Willkürherrschaft und die Gesundheitsverhältnisse als geradezu „mörderisch“ galten. (Quelle: Stefan Winkle a.a.O. )
Der dänische „Slave Code St. John“ und der Aufstand in der Regierungszeit Christians VI nimmt eine wichtige Stellung in der postkolonialen Erinnerungskultur der Karibik ein. Erst 1848 führte ein erneuter großer Sklavenaufstand zur Aufhebung der Sklaverei auf den dänischen Karibikinseln, mit denen auch Altonas Handel und Wirtschaft eng verknüpft war.
Aus der grausamen Geschichte des globalen Sklavenhandels kann kein „selbstbewusstes Zeichen für die Neubelebung eines ganzen Stadtteils“ (Zitat k-werkstatt) abgeleitet werden. Selbst wenn der absolutistisch herrschende und nur derart bedingt aufgeklärte dänische König Gutes für Altona (Gründung Christianeum; Bau Christianskirche, St. Trinitatis) geleistet hat, dürfen seine kolonialen Schattenseiten nicht ignoriert werden. Gegen den dänischen Sklavenhandel ging schon Friedrich Struensee vor. Ein solcher König eignet sich nicht als Namensgeber für einen in die Zukunft blickenden Stadtteil, der auch PartnerInnen und BesucherInnen aus anderen Kontinenten einlädt. Und die verdrängte und vergessene Kolonialgeschichte Altonas, Hamburgs und des Unterelberaums gehört erforscht und erinnert.

Ich möchte Sie auf unser aktuelles Kunstprojekt aufmerksam machen: die Ausstellung "wandsbektransformance - die Gegenwart des Kolonialen" im Kunsthaus Hamburg. Als Kolonialprotagonist rückt hierbei auch Heinrich Carl von Schimmelmann ins Visier der beteiligten Kunstschaffenden - jener einst von Wandsbek, Hamburg und Kopenhagen aus transatlantisch operierende Großaufmann, Fabrikant und Sklavenhändler, Vorbild für die 2006 amtlich installierte Büste am Wandsbek-Markt.

Mit freundlichen Grüßen
Jokinen
bildende Künstlerin

Samstag, Februar 09, 2008

Fortsetzung Wandsbektransformance

Hamburg-Wandsbek war eines der Zentren des kolonialen Handels - davon zeugen noch Denkmäler, Straßennamen und Fabrikgebäude. Auch hier leben und arbeiten heute AfrikanerInnen. Über den umstrittenen sog. 'Tansania-Park' in Hamburg-Jenfeld wurde in der Presse genauso berichtet wie gegen die 2006 neu aufgestellte Sklavenhändler-Büste Schimmelmanns in Wandsbek protestiert. Den Spuren der Vergangenheit und Prozessen und Gedenkkulturen der Gegenwart will das beteiligungsorientierte Projekt wandsbektransformance nachgehen.

Im September 2007 haben Kunstschaffende aus Afrika und Hamburg, StadtkartiererInnen und HistorikerInnen, Schulklassen und StadtteilbewohnerInnen im öffentlichen Raum interveniert. Die Stadtteilbevölkerung beteiligte sich an den Aktionen: an einer Straßen-Be-Schreibung, an Kartierungstouren mit GPS-Geräten, an der Sammelstelle 'Wißmannklappe' mit Bildern, Gedanken, Texten und Träumen sowie an der rituellen Begehung zur postkolonialen Heimatkunde und Mythenbeschau WandsbekWorldWhite.

Im März 2008 wird eine Ausstellung im Kunsthaus Hamburg Einblicke in diesen Prozess geben. Präsentiert werden dabei die Spuren der Recherchen und Reaktionen, Kartierungen und Interventionen in Bildern, Dokumenten, Objekten und Installationen.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Lesungen, Vorträgen und Künstlergesprächen wird die Ausstellung begleiten.

Bitte entnehmen Sie die aktuellen Termine unter Aktuelles. Eine Übersicht finden Sie im Veranstaltungskalender und unter Projekte in Wandsbek.

Sonntag, Dezember 30, 2007

Rap-Konsum als kolonialer Akt - bell hooks

Gerade bin ich auf ein Video gestoßen, in dem die wunderbare bell hooks über HipHop spricht und kritische Interpretationen über viel genutzte Begriffe wie "Authentizität" und über die Repräsentation Schwarzer Frauenkörper liefert. Meinungen?


Bücher von bell hooks:
Deutsch:
- Black Looks. Popkultur - Medien - Rassismus
- Sehnsucht und Widerstand
- GEWALT/geschäfte

Original:
- Feminism Is for Everybody: Passionate Politics
- Black Looks: Race and Representation
- We Real Cool: Black Men and Masculinity
- All about Love: New Visions (Bell Hooks Love Trilogy)
- The Will to Change: Men, Masculinity, and Love

Freitag, Dezember 28, 2007

Essay online

Grada Kilomba The Mask: Remembering Slavery, Understanding Trauma
By Grada Kilomba, writer and psychologist from the West African Islands Sao Tomé e Príncipe, works predominantly as a writer and as a lecturer to the topics: Psychoanalysis, Slavery, Colonialism, Trauma and Memory. http://www.gradakilomba.com/

There is a mask, from which I heard many times during my childhood. The many recountings and the detailed descriptions seemed to warn me that those were not simple facts of the past, but living memories buried in our psyche, ready to be told. Today, I want to re-tell them. I want to speak about that brutal mask of speechlessness.

Whole text

Petition gegen rassistischen Buchtitel und Cover

HIER lässt sich eine Online-Petition unterzeichnen.

Hintergrund:

2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste
„Handbuch des Verhörens” (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa)
unter dem Titel Der Weiße Neger Wumbaba”.

2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band “Der Weiße Neger Wumbaba kehrt zurück” heraus. Die Bücher bestehen aus einer Sammlung von „Verhörern”.Unklar bleibt, warum ausgerechnet „Der Weiße Neger Wumbaba” (ursprünglich „der weiße Nebel wunderbar” aus „Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius) als Coverbild und Titel herhalten muss, daher muss davon ausgegangen werden, dass es hierbei ausschließlich um einen reißerischen Aufhänger geht.

Das N-Wort ist eine Beleidigung, die für die Entmenschlichung, Misshandlung, Herabwürdigung und Diskriminierung Schwarzer Menschen steht. Es kann daher nicht zur Unterhaltung und Belustigung Weißer Menschen benutzt werden, egal ob damit Einzelne direkt, oder eine Gruppe indirekt benannt werden (wie im Falle des weißen N`s). Rassismus ist ein Problem, mit dem sich viele nicht-Weiße Menschen auf unterschiedlichen Ebenen täglich konfrontiert sehen. Das Aufbauen einer rassistischen Marke (Die „Wumbaba”-Figur ist inzwischen auch völlig kontextfrei als Schlüsselanhänger erhältlich) kann und darf nicht mit dem Hinweis auf den „harmlosen Inhalt” des Buches oder gar künstlerische Freiheit gerechtfertigt werden.

Rassismus ist niemals harmlos. Künstlerische Freiheit gilt es verantwortungsbewusst einzusetzen, sie endet da, wo sie andere Freiheiten einschränkt – in diesem Falle die Freiheit, in Öffentlichkeit und Unterhaltungsliteratur nicht mit rassistischer Sprache und entsprechendn Bildern konfrontiert zu werden. Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren.Für 2008 ist nun auch noch ein dritter Band geplant: “Das Vermächtnis des Weißen Negers Wumbaba”.

Wir, die Unterzeichner, fordern den Kunstmann-Verlag daher auf, das dritte Buch mit einem Titel und einem Bild zu versehen, die ohne Rassismus auskommen. Wir fordern überdies eine öffentliche Stellungnahme und Entschuldigung für die Aufmachung der bereits erschienenen „Wumbaba”-Bände und die Einstellung der kommerziellen Nutzung und Vermarktung von rassistischen Bildern durch die Reproduktion der „Wumbaba”-Figur.

Diese Petition wird unterstützt von:

der braune mob e.V. media-watch - Schwarze Deutsche in Medien und Öffentlichkeit

ISD-Bund e.V . - Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

ADEFRA e.V. - Schwarze deutsche Frauen und Schwarze Frauen in Deutschland

Ade Bantu, Musiker, Aktivist und Gründer von Brothers Keepers

Hier Petition unterzeichnen: http://www.gopetition.com/online/15829.html


via blog.derbraunemob.de

Sonntag, November 11, 2007

Terminhinweis Hamburg: Treu bis in den Tod" - Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen

Mittwoch, 14.11.2007, 18.00 Uhr
Marianne Bechhaus-Gerst, Universität Köln

Die Lebensgeschichte des "Askari" Mahjub bin Adam Mohamed (alias Mohamed Husen):
Der Sudanese Mahjub bin Adam Mohamed ließ sich 1914 als Söldner der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, anwerben. 1930 kam er als Kolonialmigrant nach Deutschland. Er spielte in den dreißiger Jahren kleinere Rollen in mehr als 20 Spielfilmen. Trotz der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime blieb er im Land. 1941 wurde der Unbequeme zum Schweigen gebracht, indem man ihn ohne Prozess in das KZ Sachsenhausen einwies, wo er drei Jahre später starb.

Moderation: Heiko Möhle, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.

Marianne Bechhaus-Gerst: „Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen. Eine Lebensgeschichte

Veranstaltungsort: Universität Hamburg, Hauptgebäude Flügel Ost, Asien-Afrika-Institut, Raum 221, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg.

Montag, Oktober 15, 2007

Schönes Ding: Hagenbeck baut Kolonial-Hotel

Die Hagenbeck-Dynastie hat ja so einige schöne Dinge nach Hamburg gebracht (Beispiel) und nun wird diese Tradition auf besonders geschmackvolle Weise fortgesetzt:
Das Hamburger Abendblatt meldet 11.10.2007 unter der Überschrift "Hagenbeck-Hotel im Kolonialstil":
"... 2009 soll die Eröffnung des 159-Zimmer-Hauses gefeiert werden. Das Lindner-Park-Hotel Hagenbeck... soll das 'erste Tierpark-Themen-Hotel der Welt' werden. So wird das Haus, das nur wenige Meter vom Hagenbeck-Haupteingang entfernt liegt, im Kolonialstil gestaltet. Die Stockwerke sollen mit Materialauswahl und Inneneinrichtung die Kontinente Afrika, Asien und Südamerika widerspiegeln. ..." Familien und Geschäftsreisende fänden dabei ein "außergewöhnliches Ambiente in Stadtnähe", so das Abendblatt.

www.abendblatt.de/daten/2007/10/11/803417.html

Der Hamburger Impresario Carl Hagenbeck gilt als der Erfinder der 'Völkerschauen', die er im großen Stil weltweit veranstaltete und die Menschen aus 'fremden' Kulturen in entwürdigender Weise in Tierparks und (Welt)Ausstellungen vor Pappmaché-Kulisse zur Schau stellten. Die Zoo-Besucher imaginierten sich in exotische Welten hinein, die mit dem Alltag der Darsteller nichts zu tun hatten. "Dass ganze Völker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerieten, ist eng verbunden mit der Ausbreitung des Kolonialismus. ... Völkerschauen haben wohl nicht unwesentlich zu einer Verfestigung rassistischer Haltungen beigetragen." Zitat aus wikipedia -> mehr Wie hochsensibel das Thema bis heute ist, zeigt eine neuliche kontroverse Debatte: 2005 sah sich die Direktorin des Augsburger Zoos mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, als dort die Afrika-Schau 'African Village' präsentiert wurde. -> mehr u.a.: www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/682/54628

In diesem Jahr feiert der Tierpark in Hamburg-Stellingen sein 100jähriges Jubiläum. Bisher blieb kritischen Forschern das Hagenbeck-Archiv verschlossen. Noch heute werden im Zoo sog. 'Dschungelnächte' präsentiert unter Einsatz von Mensch und Tier mit "tropischen Klängen, Shows und Exotik". Der Neubau eines Hagenbeck-Hotels im Kolonialstil scheint in fragwürdig ungebrochener Tradition zu stehen.

Der 'Kolonialstil' hat auch anderweitig Hochkonjunktur: ob in zahlreichen Möbelgeschäften oder in der schicken Compagnie Coloniale in Hamburgs City.

[via afrika-hamburg, mit Dank an Romao für den Hinweis]

Mittwoch, September 05, 2007

Community-Beitrag in Kolonialismus-Broschüre

Die GAL (so heißen in Hamburg die Grünen) hat heute eine Broschüre herausgegeben, in der sich verschiedene Autoren mit dem Thema Kolonialismus und dessen Kontinuitäten in Hamburg beschäftigen. Hier der Community-Beitrag:

Ein Jahr später – Die Black Community und das Schimmelmann-Schandmal
VON VICTORIA B. ROBINSON

“Es handelt sich nicht um eine Verherrlichung“, dies erfuhr ein Journalist, als er sich bei der Pressestelle des Bezirksamtes Wandsbek über die Büste von Heinrich Carl Schimmelmann informierte. Zunächst glaubte er, was man ihm sagte und schrieb seinen Artikel über Schwarzen Aktivismus in Deutschland für eine süddeutsche Tageszeitung. Nach der Veröffentlichung entschuldigte er sich bei mir dafür, dass er nicht mehr über Schimmelmann geschrieben habe – er sei schockiert darüber gewesen, dass er bei Ansicht des Denkmals bemerken musste, dass ihn die Pressesprecherin offensichtlich bewusst getäuscht hatte: “Es ist wirklich ein Skandal, denn die Tafel mit den Informationen ist überaus positiv und kein bisschen kritisch, und das Wort Sklaven ist ja nur in einer Klammer enthalten. Die Pressesprecherin des Bezirksamtes hatte mir am Telefon zuvor etwas ganz anderes erzählt”, so schreibt er in seiner E-Mail.

Wie man sich allen logischen Argumenten verschließen und darauf beharren kann, dass kein Problem, keine historische Relativierung und kein Rassismus vorliegen, wenn die Büste des ehemals größten Sklavenhändlers Europas aufgestellt wird, kann auch ich dem Redakteur nicht erklären. Alles, was ich von den Verantwortlichen an “Argumenten” zu hören bekommen habe, sind abstruse Aussagen wie “ein Denkmal ist keine Ehrung”, “die Büste hat ja auch einen arroganten Gesichtsausdruck”, oder man hätte mit der Aufstellung einen kritischen Diskurs anregen wollen.
Kritisch?
Die Tafel am Denkmal spricht eine andere Sprache, würdigt die kaufmännischen Fähigkeiten des Mannes, der sein eigenes Brandzeichen anfertigen ließ, das mehr als 1000 afrikanischen Menschen unter unvorstellbaren Qualen in ihre geschundene Haut gebrannt wurde. Ein Herz umgibt das Schimmelmann-”S”. Ein Herz, das offensichtlich nur für Profite schlug und nicht von Gedanken an Schmerz, Folter, Mord, Entführung und unendliche Grausamkeit, für die dieser Mann zehntausendfach verantwortlich war, abgelenkt wurde.
Damals war es eben so. Und der ehrwürdige Herr hat ja so viel Gutes getan mit dem Geld, das er durch diese unmenschliche Ausbeutung erworben hat. Seinen Adelstitel kaufte er ebenso von dem schmutzigen Geld wie sein Ansehen als Wohltäter. Ein Wohltäter, der übrigens auch eingeborene Hamburger Waisenkinder als billige Arbeitskräfte missbrauchte. Aber was machen schon die vielen Tausend zerstörten Leben, wenn man sich als Held inszenieren kann?

Und heute? Heute geht es offensichtlich weiterhin nicht darum, was Schwarze Menschen empfinden. Damals landeten sie als Ware neben Kattun und Gewehren, Zuckerrohr und Baumwolle auf Güterlisten, heute sagt man uns, wir sollten uns nicht aufregen, wenn wir unter der Bezeichnung “Sklaven” neben eben diesen Gütern in Klammern auf einer Gedenktafel landen. Als Basis für den wunderbaren Reichtum, den ein Herr Schimmelmann nach Wandsbek gebracht hat. Würde eine Tafel, die einen NS-Mediziner für die bahnbrechenden medizinischen Erkenntnisse ehrt, die er durch Versuche an Juden und anderen “Nicht-Ariern” unter Zwang durchführte, ähnlich unkritisch aufgestellt und erhalten?
Die Vorstellung ist ebenso absurd und menschenverachtend wie die Erinnerung an die hochoffizielle, feierliche Einweihung der Schimmelmann-Büste durch die Hamburger Kultursenatorin und deren anschließende Rechtfertigung in den Medien.
Der Nachrichtenwert? Nach nun einem Jahr kaum noch existent. Unsere Anfragen, Proteste, offenen Briefe? Unbeachtet und unbeantwortet. Unsere Strafanzeigen gegen die Kultursenatorin und den mittlerweile zum Staatsrat beförderten ehemaligen Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs? Abgeschmettert.
Bloß keine Aufregung. Wenn man nur lange genug auf der Rechtmäßigkeit beharrt, werden sich die Wogen schon glätten. So scheinen die CDU-Abgeordneten zu denken, die ihre absolute Mehrheit in Wandsbek dazu nutzten, einstimmig für den Erhalt von Büste und Tafel zu stimmen. Dies, nachdem deren Fraktionsvorsitzender in der Wandsbeker Bezirksversammlung, Graage, nur wenige Wochen zuvor selbst beantragt hatte, Tafel und Denkmal zu verhüllen und in einem Ausschuss das weitere Vorgehen zu besprechen. Bei Graage war angekommen, dass es gegen jedes Verständnis von Menschlichkeit verstößt, die Empfindungen von – schwarzen wie weißen – empörten Bürgern zu ignorieren und kritiklos einen Menschen zu ehren, dessen grausame Taten auch heute noch Schmerz bei den Nachkommen von Betroffenen auslösen. Wenige Wochen später, rechtzeitig zur Bezirksversammlung, war Graage offensichtlich wieder auf Spur gebracht worden und sah sich noch nicht einmal mehr in der Lage, den protestierenden Anwesenden in die Augen zu sehen oder seinen plötzlichen Sinneswandel zu erklären. Ebenso wie der Rest seiner Fraktion, die sich christlich nennt, aber mit Nächstenliebe nichts zu tun hat und damals wie heute nur einen Gott zu kennen scheint: den Profit auf Kosten derer, denen man die Anerkennung ihrer Menschlichkeit verweigert.

Die Black Community fordert weiterhin – gemeinsam mit vielen anderen empörten Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen und Initiativen – das Entfernen des Denkmals aus dem öffentlichen Raum, eine öffentliche Entschuldigung sowie eine Auseinandersetzung mit der Beteiligung Hamburgs an der Versklavung von Afrikanern, der Kolonisierung des afrikanischen Kontinents und der Folgen, die der afrikanische Kontinent und Angehörige der afrikanischen Diaspora bis heute zu bewältigen haben.


Montag, Juli 23, 2007

Hagenbecks Völkerschauen

Bin gerade auf einen Artikel anlässlich des hundersten Geburtstages von Hagenbecks Tierpark gestoßen. Hier einige Auszüge:

1874 zeigte Hagenbeck Lappländer mit einer Rentierherde; 1877 vermarktete er eine Schau mit Nubiern aus dem Sudan; 1878 stellte er Inuit im Berliner Zoo aus. "Wildes Afrika" 1889 und "Menschenrassen des Nil" 1914 lauteten einige der Titel, mit denen Hagenbeck Werbung für seine Völkerschauen machte. Sein Assistent, der Zoologe Alexander Sokolowsky, behauptete, seinem Chef wäre es um Aufklärung und Verständnis für andere Völker gegangen, sagte aber zugleich deutlich, dass die Völkerschauen den kolonialen Gedanken in Deutschland fördern sollten.

Tatsächlich überschnitten sich die Präsentationen Hagenbecks mit dem Selbstverständnis der Kolonialherren Europas: Ein Schauspiel zeigte zum Beispiel arabische Sklavenhändler, die ein Dorf im Sudan überfallen, um Sklaven zu jagen; Hagenbecks Tierfänger verjagen die Araber und feiern mit den Schwarzafrikanern ein Freundschaftsfest. Das war klassische Kolonialideologie; denn die Imperialisten begründeten die "Schutzherrschaft" über Afrika unter anderem damit, dem Sklavenhandel der Araber Einhalt zu gebieten. Dass der Profit beim europäischen Händler und nicht bei den Afrikanern vor Ort blieb, erschien in dieser Propaganda als humanistischer Akt.

Hagenbecks Assistent, Alexander Sokolowsky, war Schüler des "deutschen Darwin", Ernst Haeckel. Haeckel hatte einen biologistischen Rassismus konstruiert, nach dem die Unterschiede zwischen "Natur- und Kulturvölkern" so groß wären wie die zwischen verschiedenen Tierarten. Die "gebildeten Europäer", die "Kulturmenschheit" hätten nach Sokolowsky das Recht, die "primitiven Völker" zu studieren. Anthropologen wie Rudolf Virchow besuchten die Völkerschauen und vermaßen die ausgestellten Menschen, Kaiser Wilhelm II. ließ sich Menschen aus Afrika im Tierpark vorführen.
(...)
Eben dieser Panoramablick und die Aussicht auf ein gutes Geschäft kennzeichneten Hagenbecks Präsentationen: Er war ein cleverer Geschäftemacher, der Assoziationen, Zeitgeistströmungen und Erwartungen eines deutschen Massenpublikums als lebende Bilderwelten inszenierte. Wie wenig diese Erwartungen der Wirklichkeit der präsentierten Menschen entsprachen, wurde deutlich, als eine Gruppe Bella-Coola, Indigene von der amerikanischen Nordwestküste, 1889 auftrat. Diese Bella-Coola trugen ihre reale Kleidung - keine Bisonfelle, Kriegsbemalung oder Federschmuck. Besucher entrüsteten sich: "Das sind keine echten Indianer". Werbeplakate reduzierten die dargestellten Menschen auf Stereotype wie eben "wildes Afrika". Diese optisch inszenierten Klischees wurden so arrangiert und inszeniert, dass die schon vorhandenen Imaginationen des Publikums den Schein der Authentizität bekamen. Die Bilderwelten der Völkerschauen knüpften an verzerrte Vorstellungen an und entwarfen sie wiederum von neuem.
Carl Hagenbeck brachte sein Selbstverständnis auf den Punkt: "Wo seid ihr geblieben, ihr Söhne der Prärien, die ihr euch meiner Führung in das Land der Weißen anvertrautet, die euch anstaunten wie Wundertiere?" Er betrachtete sich als überlegenen -weißen- Führer, der die "Exoten" in sein Land brachte, wo das -weiße- Publikum sie wie Tiermenschen aus einer Fabelwelt betrachtete und die europäische Überlegenheit gewahrt blieb. Die Völkerschauen waren romantisierende Variationen des Kolonialrassismus, eben nicht in der vernichtenden Konsequenz, sondern als Paternalismus, als Darstellung tolerierender Arroganz, in der der "Wohltäter" Carl Hagenbeck seine hütende Hand über "Naturmenschen" und Wildtiere hielt und ihnen Schutz in seinem Reservat, seinem Park, gewährte.
(...)

Der Exotismus, die tolerierende Arroganz, der die Anderen ästhetisiert und zur Unterhaltung einsetzt, das Salz in der Suppe der eigenen Sehnsüchte nach Abenteuer und Entfaltung, kann durchaus Rassismus sein, auch wenn der Fremde vermeintlich positiv erscheint. Zu einer kritischen Auseinandersetzung zum Beispiel mit der Situation der indigenen Opfer des Völkermordes in Amerika waren die Völkerschauen nicht geeignet. Nordamerikanische Indigene mit dem Stereotyp der Bisons jagenden Präriekulturen waren zwar im deutschen Klischee - auch durch Karl May- positiver besetzt als in den USA, die Begeisterung für sie als Symbol für den "authentischen Freiheitskämpfer, der seine Scholle verteidigt" blieb aber Wunschvorstellungen verhaftet: Diese Wunschvorstellungen resultierten auch aus den Existenzängsten der Kleinbürger und ihrer unreflektierten Kritik an der Monopolisierung der Großindustrie.

Hagenbeck verbildlichte den Herrschaftsanspruch des weißen Mannes, in dessen Obhut exotische Tiere und als Exoten präsentierte Menschen gezähmt lebten. Und in dieser Tier- und Menschenschau lag Hagenbecks Fähigkeit darin, dass er die zur Schau gestellten Kulturen ebenso kannte wie die Fantasien des Publikums und so den Schein des Echten vermittelte. Er war eine Identifikationsfigur für viele, die unter der Enge im Wilhelminischen Staat und der Entfremdung ihrer Lebenswelt im Industriekapitalismus litten, denn er schien die aufgeführten Abenteuer selbst erlebt zu haben. Das Freiheitsversprechen seines Exotismus - Länder zu bereisen, die aufregender als die erlebte Wirklichkeit wären - wirkte in der Starre der deutschen Klassengesellschaft wie ein Magnet.

Ein "African Village" im Zoo Augsburg 2005 löste internationale Proteste aus: Schwarze Deutsche, Ethnologen und Menschenrechtler fühlten sich an eine "koloniale Völkerschau" erinnert. Auslöser des Protestes war die Direktorin Barbara Jantschke, die sinngemäß auf eine besorgte Nachfrage geantwortet hatte: "Zum Zoo gehört die Exotik". Damit sagte Frau Jantschke, dass Menschen aus Afrika, sich als Exotik präsentieren lassen. Die Kritiker hatten recht: Das "African Village" war ganz eindeutig ein kommerzielles Projekt mit "Afrika" als Lockmittel, ohne einen reflektierten Zugang oder Pädagogik zur Realität und Geschichte afrikanischer Gesellschaften zuzulassen. Die Veranstaltung war nicht geeignet, Afrikaner als gleichwertig zu empfinden, indem zum Beispiel Professoren aus Tansania über dortigen Naturschutz referiert hätten. [*******A]frikaner, die Zöpfe flochten oder "typisch afrikanische Musik" spielten, waren Teil einer Ausstellung mit Tieren und Pflanzen. Auf das sarkastische Angebot eines brasilianischen Bürgers, sie hätten auch einen Zoo, wo die Direktorin doch typisch bayrische Tätigkeiten wie Kühe melken vorführen könnte, reagierte Frau Jantschke allerdings nicht. Auch der Zoo Hannover vermittelt mit der Dschungelbuch-Ästhetik eines "Dschungelpalastes" und "Kaffeegenuss am Sambesi" die falsche Authentizität eines Erlebnisses in neokolonialer Tradition.