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Dienstag, Januar 06, 2009

Bewerbungen bei "sehr deutschen" Unternehmen...

...gestalten sich für Deutsche bisweilen etwas schwierig, wie blackNRW hier aufzeigt: klick

Dienstag, Dezember 09, 2008

FR zur Normalität rassistischer Polizeigewalt in Deutschland...

...und der Tatsache, dass diese Verbrechen durch die Staatsgewalt weder erfasst werden, noch Folgen für die Täter haben (Hervorhebungen von mir):

Wenn Polizisten zu Tätern werden

VON JÖRG SCHINDLER

Im Februar 2005, einen Monat nach dem Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Polizeigewahrsam, treffen sich in Halle rund 20 Führungskräfte der Polizei zu einer Lagebesprechung. Polizeioberrat Reinhard S. sagt dabei: "Schwarze brennen eben mal länger." Niemand stört sich daran, außer einem Kollegen, der den Vorfall meldet. Der Mann wird anschließend wochenlang gemobbt, bis er entnervt seine Versetzung beantragt. Die Ermittlungen gegen S. werden eingestellt - er kommt mit einem Verweis davon.

[...]

Im April 2007 weigert sich ein Deutscher nigerianischer Herkunft in Freiburg, seine Personalien anzugeben. Ein Polizist hetzt daraufhin seinen Hund auf den Mann, der schwört, die Worte "Friss den Neger!" gehört zu haben. Er kommt mit zwölf Bisswunden ins Krankenhaus. Der Fall sorgt einige Tage für Aufregung. Dann hört man nie wieder davon.

Im Februar 2008 nimmt die Hagener Polizei den Türken Adem Özdamar mit auf die Wache. Keine Stunde später ist er tot. Es gibt etliche Hinweise auf Gewaltanwendung, aber was geschah, wird man nie erfahren. Die beteiligten Polizisten schweigen, die Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen nach wenigen Wochen ein.

Vier Fälle. Alles Ausnahmen. Vor allem deshalb, weil sie bekannt wurden. Das ist nicht normal. "Normal ist, dass Opfer von Polizeigewalt für sich behalten, was ihnen geschah - aus Angst, drangsaliert, abgeschoben oder ihrerseits angezeigt zu werden", sagt Biplab Basu. "So kommt es nämlich fast immer, das ist das klassische Muster."

Biplab Basu arbeitet in der Berliner Opferberatungsstelle "Reach Out". Seit 25 Jahren kümmert er sich um Menschen, die von Polizisten als "Dachpappe", "Brikett" oder "Nigger" verhöhnt werden, die man grundlos abführt, deren Wohnungen ohne Beschluss gestürmt werden oder denen noch Schlimmeres widerfährt. Immerhin 70 Mal, sagt Basu, habe er in den vergangenen vier Jahren Menschen zur Anzeige bewegen können. Zahl der Verurteilungen: keine. Auch das gehört zum klassischen Muster.

Polizisten, die zu Tätern werden: Das ist ein einziges großes Dunkelfeld, auf das nur gelegentlich - bei spektakulären Einzelfällen - ein matter Lichtstrahl fällt. Seit Jahren klagen Organisationen wie Amnesty International, dass Fälle von Polizeiübergriffen in Deutschland nirgendwo erfasst werden, mithin kein Mensch weiß, wie groß das Problem eigentlich ist. Der UN-Ausschuss zur Beseitigung von Rassendiskriminierung äußerte sich wiederholt "besorgt" über rassistische Polizeigewalt in Deutschland. Eine Kommission des Europarats wunderte sich jüngst wieder darüber, dass hierzulande überproportional viele Beschwerden über Polizeigewalt von Ausländern stammen.

Was tut die Regierung? Sie leugnet das Problem. Mitte des Jahres beschied sie der Linksfraktion, die Polizei sei ausreichend gegen rassistische Tendenzen gefeit. Im übrigen stehe jedem "der Rechtsweg zu den Gerichten offen".

Genau das aber halten Praktiker wie Basu für das Problem: In der Regel folge auf jede Anzeige gegen Polizisten sofort eine Gegenanzeige. Und seltsamerweise ist es meist diese, die von den Staatsanwaltschaften vorrangig behandelt wird. Statistiken aus Berlin und Hamburg zeigen: Die wenigen Polizisten, die überhaupt angeklagt werden, müssen im Schnitt in 0,5 Prozent aller Fälle mit einer Verurteilung rechnen. Für das Anti-Diskriminierungsbüro in Berlin ist deshalb klar: "Schläger in Uniform haben so gut wie nichts zu befürchten."

[...] Treffliches Beispiel: Der Fall eines Schwarzafrikaners, der auf einer Hamburger Wache vor Jahren von Freunden und Helfern brutal misshandelt wurde. Es kam zu einem Prozess, in dem die Prügel-Polizisten sogar verurteilt worden. Die legten Widerspruch ein, aber noch vor Abschluss des Falles wurde der Afrikaner abgeschoben - danach erfolgten die Freisprüche.

[...]

Amnesty und andere Initiativen fordern daher schon lange eine unabhängige Kommission, ausgestattet mit der Befugnis, angezeigte Fälle von Polizeigewalt zu untersuchen. In vielen europäischen Ländern - darunter Großbritannien, Irland, Österreich, Schweden und Ungarn - gibt es das bereits. In Deutschland nicht. Hier glaubt die Regierung, eine solche Kommission brächte "keinen Mehrwert".

Lediglich Hamburg bildete vorübergehend eine Ausnahme. Nachdem dort Mitte der 90er Jahre Polizisten aufgeflogen waren, die sich einen Spaß daraus machten, Festgenommene mit Scheinhinrichtungen zu terrorisieren, reagierte der Senat und berief ein unabhängiges Gremium. 2001 musste es seine Arbeit wieder einstellen, der Innensenator wollte es so. Dessen Name: Ronald Schill - bekannt als "Richter Gnadenlos".
Ganzer Text hier: klick

Mittwoch, November 19, 2008

Seltsame Alltagssituation Teil 1: Bin ich Noah Sow?

Da ich gerade in einer Prä-Umzugsphase bin, sprich, keinen eigenen Schreibtisch habe, arbeite ich momentan oft tagsüber in Hamburger Cafés. So auch jetzt gerade, ich sitze im Haus 73 auf dem Schulterblatt und arbeite an einem Buchprojekt.
Obwohl viele Tische frei sind, kommt ein weißer Typ an meinen kleinen Ecktisch und fragt mich, ob da noch frei ist. Ich sage ja, darüber nachdenkend, ob er wohl auch nah an der Heizung oder den Steckdosen sitzen will. Da er ein T-Shirt trägt, nen Pulli dabei hat und keinen Laptop auspackt, muss ich diese Vermutungen allerdings schnell wieder verwerfen. Letztlich war es mir dann aber auch egal, ich hab ja schließlich genug zu tun.
Doch dann packt der junge Mann demonstrativ ein Buch aus und liest so, dass mir der Titel permanent vor die Nase gehalten wird: Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus
Das macht er so lange, dass es kein Zufall sein kann. Und ich frage mich, was er jetzt von mir will. Folgendes fiel mir ein:
  • er denkt, dass ich Noah Sow bin (ist schon mehrmals passiert, auch wenn ich es ziemlich abwegig finde)
  • er denkt, dass ich als Schwarze Frau es total geil finde, dass er das Buch liest (nö) und will entweder von mir gelobt werden, mit mir ins Gespräch kommen oder mich anbaggern.
  • er will mir zeigen, dass ich keine Angst vor ihm haben muss, weil er ein guter Weißer ist?
Nach 30 Minuten fragt er mich nach der Uhrzeit. Ich antworte und arbeite weiter. Ich bin gespannt, wann er damit rausrückt, was er eigentlich will.
Irgend welche Vermutungen seitens der werten BLACKprint-Leser?

Dienstag, Oktober 28, 2008

Hamburger Clubbetreiber halten sich weiterhin nicht für rassistisch

Wie die taz heute berichtet, gab es einen Runden Tisch mit zehn Betreibern und Kommunalpolitikern. Das Ergebnis? Die Clubbetreiber halten sich weiterhin für nicht rassistisch und es gibt eine nebulöse Warnung an die, die es vielleicht doch sind. Weil sich Diskriminierte demnächst (wann denn eigentlich?) bei der zu gründenden "Arbeitsstelle Vielfalt" (wer soll da eigentlich sitzen?) melden und einzelne Diskriminierer dadurch bekannt werden können. Klingt wahnsinnig vielversprechend...
Nach dem zweistündigen Gespräch mit insgesamt zehn St.Pauli Clubbetreibern hinter verschlossenen Türen hielten sich Senator und Bezirksleiter weitgehend bedeckt. Einzig betonten sie, es gebe seitens der Clubbetreiber eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung der Situation. Steffen sagte, die Betreiber hätten glaubhaft deutlich gemacht, mitnichten potentielle Gäste zu diskriminieren. Er betonte, es würde auch zukünftig einen konstruktiven Dialog mit den Clubbetreibern geben, diese sollten mit ihren Türstehern über mögliche Verbesserungen und Transparenz in der Türpolitik sprechen. Weiterhin werde ie von der Justizbehörde geplante "Arbeitsstelle Vielfalt" Beschwerden der Opfer von Diskriminerung sammeln. Der Leiter des Bezirksamtes, Markus Schreiber, erklärte, man könne so feststellen, ob bestimmte Clubs auffällig würden. Schließlich müsse man der Devise folgen "Wer rassistisch handelt, der betreibt sein Gewerbe unrechtmäßig. Und wer sein Gewerbe nicht rechtmäßig betreibt, dem kann die Lizenz entzogen werden."

Montag, September 22, 2008

Heute ist der Tag: Neues Standardwerk erschienen!


Seit heute ist nun (endlich) das neueste Buch von Grada Kilomba erhältlich: Plantation Memories Es wurde auf Englisch veröffentlicht, behandelt aber den deutschen Kontext und all die Situationen, die sich wie in einer Endlos-Schleife immer und immer wiederholen. Die Extra-Mühe beim Englisch-Lesen wird sich sicherlich lohnen! Hier der Klappentext:
„Plantation Memories is a compilation of episodes exploring everyday racism.

Linking postcolonial theory and lyrical narrative, the book provides a new and inspiring interpretation of everyday racism in the form of short stories.

From the question "Where do you come from?" to the N-word to Hair Politics, the book is essential for anyone interested in Black studies, postcolonialism, critical whiteness, gender studies and psychoanalysis"

(Unrast-Verlag, September 2008)
Hier gibt's das Inhaltsverzeichnis: klick

Und hier die Beschreibung auf Deutsch, von der Amazon-Seite:
Plantation Memories erforscht Alltagsrassismus in Form einer Sammlung von Geschichten. Es begreift Rassismus als psychologische Realität. Grada Kilomba zufolge wird Alltagsrassismus als gewaltsamer Schock erlebt, der die Menschen plötzlich in eine koloniale Situation rückt und sie dabei ihrer Verbindung mit der Gesellschaft entreißt. Völlig unerwartet trifft Vergangenheit auf Gegenwart, und die Gegenwart wird erlebt, als wäre sie die furchtbare Vergangenheit, auf die der Titel des Buches verweist. Indem sie postkoloniale Theorie, Psychoanalyse und poetisches Erzählen miteinander verbindet, ermöglicht Kilomba eine neue und inspirierende Interpretation von Alltagsrassismus, Erinnerung, Trauma und Dekolonisierung in der Form von Kurzgeschichten. Das Buch widmet sich einer Reihe von Themen von der Frage »Woher kommst du?« über das N-Wort bis zur politischen Bedeutung des Haars.

Donnerstag, September 18, 2008

Nichts Neues, aber plötzlich öffentlich: Rassistische Polizei

Nachdem vor Kurzem der ehemalige Hamburger Richter Ronald Schill als Rassist geoutet wurde (klick), tauchen nun bei einem Polizei-Direktor sehr ähnliche Vorwürfe auf: klick, klick
Was interessant ist, ist dass der betreffende Georg Kessler nicht etwa suspendiert, sondern an eine Akademie versetzt worden ist, wo er seine menschenverachtenden Überzeugungen auch noch dem Polizei-Nachwuchs verklickern kann. Die Folgen von solchen Menschen in entscheidenden Positionen erleben People of Color permanent in ihrem deutschen Alltag. Dass der Sprecher der Bundespolizei behauptet, die Vorwürfe würden sehr ernst genommen, klingt da nicht sehr überzeugend. Er weist auch darauf hin, dass
"spezielle Schulungen "zur Steigerung der interkulturellen Kompetenz" [gebe]. Dort sollen die Beamten einen sensiblen Umgang mit fremden Kulturen lernen."
(Quelle)
Dass es bei Schwarzen Menschen nicht automatisch um "fremde Kulturen" gehen muss, scheint ihm nicht aufzufallen. Dass jedes Jahr Menschen sterben oder traumatisiert überleben, weil die "speziellen Schulungen" nicht greifen, wohl auch nicht. Wo fängt man da nur an?
Vielleicht bei der in diesem Post zitierten Überzeugung, es gebe bundesweit bei der Polizei kein Problem mit Rechtsextremismus (klick). Mit Rassismus (und Sexismus) gibt es das auf jeden Fall...

Donnerstag, September 11, 2008

Text "Shockingly happy"

Anlässlich des offiziellen Launchings des Black European Women's Councils in Brüssel erschien das Buch "Voices of Black European Women 1", das ab Oktober über folgende Website erhältlich ist: klick
Ich habe mich mit folgendem Text an der Veröffentlichung beteiligt, den ich BLACKprint-Lesern natürlich nicht vorenthalten möchte:

Shockingly happy

A few days ago I shocked a Black female friend. Not intentionally. I simply told her something that apparently was as clear to me as it was suspicious to her: that I wanted and intended to be happy. Happy while living in Germany, I should add. She reacted in a way that suggested this idea was unheard of and seemed quite naïve. She said that yes, some of us might be successful here, but who managed to be happy? She asked whether I could think of even only one Black person who was not only struggling or completely suppressing their problems in Germany. I did not come up with anyone in that moment, but maintained my position: it was and is my goal not only to make my contribution for a better world, but to have fun, joy and love along the way and to take care of my physical and emotional well-being.

Other fellow activists I have met seem to be consciously choosing a life of suffering. I have heard people say “we can have fun as soon as Africa is free” or “Black people in Germany don't have anything to smile about” and have been criticized for conducting some community meetings at (Black owned) restaurants which have then been called
“petty-bourgeois masquerade”. Some say, that they are not negative, but realistic, but even if that were true: what good would it do to be unhappy, would it enable you to change anything for the better?

While I acknowledge (and in many cases know) all the obstacles, the pain, the injustice that we as Black people are confronted with, I am convinced that we need to find sources of happiness in order to survive. And I believe that we all need spaces of comfort and that we should make it as easy as possible for new members to join us. bell hooks considers “choosing 'wellness' (...) an act of political resistance”1 since we, as Black people in white societies, are not supposed to lead happy lives. This is a very radical standpoint. It goes against set structures and also might lead more and more people into choosing to fight the powers, as its representatives are not looking and feeling miserable, but represent a different version of political life, one that is fully attractive.

In my own experience, those activists who stood out, were not those with grim faces and dead eyes, they were individuals who radiated light and had a contagious sense of humor. And I decided that I wanted to be one of those who stay positive. On my activist journey I had so many downfalls, so many situations where I desperately needed that source of happiness, the feeling that makes it all worthwhile, that I can get over the challenge and smile a real smile. And every time I find and make use of these sources, I know that I can go another step.

Many Black people in Europe are struggling. While the majority of the German sample of a 2007 empirical Study of Black European Identities2 has reported good physical health (70% no or slight problems, another 22% moderate problems), it was almost the other way around in the question of psychological well-being: only 38% reported no or only slight problems, about 38 % report moderate problems and about one quarter of the sample reports quite a lot of, or extremely frequent problems.

I know how discouraging it is for even the strongest of us, to hear that another member of our community has been brutalized by authorities, that another child has been devalued at school, that another person has experienced injustice in the labor market, while looking for an apartment or in their interpersonal and romantic relationships. Not only the personal experience of racism is demoralising, hearing about them from those who experience it, often serves the purpose of “putting us in our place”.

That I am very aware of the statistics, have experienced my share of violence and aggression, is why my Black female friend was so surprised by my statement. She was sure that I knew too much to be able to bear it. But becoming and remaining an activist for me is deeply linked with working on these traumatic experiences and striving for a realisation of happiness. I learned I had to confront my traumatic memories and experiences to get to a point where I could look for constructive solutions. And, yes, to be happy, as this is the only way for me to be effective in all my endeavors. To succeed in motivating and convincing people, to not swallow my words, but speak up and make my point.

Coming together with great energetic Black women who have chosen to resist, to have an impact, is not only a tremendous basis for political participation, it is also – and at times even more so – a source of empowerment on a very deep level. Healing powers become active. I was really pleased with the Vienna Declaration we issued together, especially Recommendation Number 3: “The Black European Women Congress recognizes mental health as a primary issue pertaining to Black communities dealing with racism. Government must provide financial and structural means to allow the establishment of autonomous institutions that provide mental health care for Black people dealing with the effects of racism.”
I am satisfied with the fact that we neither ignored, nor denied the psychological needs that arise by the situation we and our families are living in. That we acknowledged not being super-heroes not affected by anything.

Being part of the Black European Women's Council makes me not only proud, but also more confident to remain in the struggle against gendered racism and its destructive effects, and also to hold on to the conscious decision of being happy while doing so. Audre Lorde has let us know: “There is no such thing as a single-issue struggle because we do not live single-issue lives. (...) We are not perfect, but we are stronger and wiser than the sum of our errors. Black people have been here before us and survived. (...) To learn from their mistakes is not to lessen our debt to them, nor to the hard work of becoming ourselves, and effective.”3

So I'm learning from my predecessors and closing with a few words from the dedication of “Talking Home”, an anthology of women of color in Germany, which have kept me going many times:
“the road is so very long
but never mind
we are already walking”4

Victoria B. Robinson is trying to be shockingly happy in Germany as a writer, poet and activist. She has an M.A. in American Studies and Public Law from the University of Hamburg. She is a member of the Initiative for Black people in Germany, the Black Community Hamburg, a Black mediawatch organisation and an Advisory Board Member of the Black Women in Europe Social Media Group. She has also been blogging about issues affecting Black people for two years (http://BLACK-print.blogspot.com).

1hooks, bell, Sisters of the Yam: black women and self-recovery. Boston, MA: South End Press 1993, p. 14.
2http://www.best.uni-mainz.de/dokumente/DocumentationBlackGerman.pdf, p.16.
3 Lorde, Audre. „The Audre Lorde Compendium. Essays, Speeches and Journals“. London: Pandora, 1996. Sister Outsider, p.185.
4Popoola, Olumide/Sezen, Belden (eds.). Talking Home – Heimat aus unserer eigenen Feder. Frauen of Color in Deutschland. Amsterdam, blue moon press, 1999.

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Dienstag, September 09, 2008

Hamburger Clubbetreiber sind nicht rassistisch...

..."sie beugen nur bestimmten Problemfällen vor", sagt der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte Markus Schreiber, wenn es um die Abweisung von "Ausländern" bei Kiez-Clubs geht. Schon logisch. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um Rassismus, sondern um Ausländisch-Aussehenden-Feindlichkeit. Aber wenn ich Menschen nach inländisch und ausländisch aussehend einteile, wäre das nicht Rassismus? Hm, das wäre ja ne ganz bahnbrechende Idee. Vielleicht diskutiere ich die demnächst mal mit meinem Kaffeekränzchen...

Hier Ausschnitte aus dem Artikel aus dem Abendblatt:
Ein Praxistest des Abendblatts hatte ergeben, dass ein Sohn iranischer Eltern und ein an der Elfenbeinküste geborener Jugendlicher in acht von neun Klubs auf der Reeperbahn von den Türstehern abgewiesen worden waren. Wenige Tage zuvor hatte der Jurist Awol Allo aus Äthiopien ähnliches in Hamburg erlebt und schwere Vorwürfe erhoben.
[...]

Sollten die Klubbetreiber "keine Einsicht" zeigen und weiter ohne Begründung ausländische Jugendliche ablehnen, will sich Schreiber als letztes Mittel einen Konzessionsentzug vorbehalten. Außerdem habe er bereits mit dem Verbraucherschutzamt gesprochen, "um zu sehen, welche Möglichkeiten wir haben".
[...]

Den Betroffenen rät er, sich gegen die Diskriminierung zu wehren. Es gebe auch aus anderen Bereichen - etwa bei Wohnungsvermietungen - praktische Beispiele, wo Ausländer benachteiligt würden. "Wir müssen die Betroffenen stärken", so Steffen. Dies will er unter anderem mit der "Arbeitsstelle Vielfalt" erreichen, die in der Justizbehörde eingerichtet werden und noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen soll. Neben einem Netzwerk von Beratungsangeboten für Menschen, die diskriminiert werden, soll in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeirat auch die Vielfalt in der Stadt gefördert werden. "Wir müssen aus konkreten Diskriminierungsfällen lernen und konstruktiv damit umgehen", so Steffen.

Dienstag, August 05, 2008

Rassistische Türpolitik - Interview

Im Anschluss an das erste Urteil zu rassistischen Einlasspraxen in Diskotheken (BLACKprint hat berichtet: klick) gibt es jetzt ein aktuelles Interview mit dem Kläger. Ausschnitt:
Yango: Ich hoffe einfach, dass sich die Leute künftig mehr Gedanken machen. Wir haben ein Exempel statuiert. Es ging uns nicht um das Recht, jeden Tag in eine Disco gehen zu können - sondern darum, dass auch kleine Vorfälle berücksichtigt werden müssen. Es ist eine echte Belastung, wenn man sich jeden Tag diskriminiert fühlen muss.

(...)

SPIEGEL ONLINE: Im Gerichtsverfahren wurden Ihnen ein Vergleich und 1000 Euro angeboten. Warum sind Sie nicht darauf eingegangen?

Yango: Mir ging es nicht um die Entschädigung, sondern um Gerechtigkeit. Darum haben wir den Vergleich abgelehnt, zumal der Discobetreiber seine Schuld nicht eingestehen wollte. Wir wollten eine deutliche Entscheidung und ein Grundsatzurteil. Das Geld werde ich für die antirassistische Arbeit spenden.

(...)

SPIEGEL ONLINE: Bisher haben Sie immer darauf bestanden, anonym zu bleiben - aus Angst vor Bedrohungen?

Yango: Ich fürchte mich überhaupt nicht, aber die Diskriminierung von Ausländern ist ein allgemeines Problem. Wenn ich mit dem Namen hier stehe, sieht es aus, als ob es nur mein eigenes Problem wäre. So ist es nicht, viele haben dieses Problem. Darum spielt mein Name eigentlich keine Rolle. Aber schreiben Sie ruhig, dass ich Achu Yango heiße.

Volles Interview: klick

Sonntag, Juli 20, 2008

Kritik an einer Veranstaltung zu Simbabwe...

...von zwei Aktivistinnen, die daran teilgenommen haben. Hier im Volltext:
Black Box Simbabwe oder White Box Buttclub

Zur Abwechslung mal keine Veranstaltungsankündigung, auch kein Wohnungsgesuch, sondern ein Resümee der Veranstaltung „Black Box Simbabwe“, jeudi bouffe vom 10.Juli 2008, im Buttclub. Wir bieten keine abschließende Bewertung der Veranstaltung, sondern die Perspektive von zwei Personen, die an dem Abend anwesend waren.

Im Buttclub-Verteiler angekündigt worden war „die Anwesenheit eines Freunds, der seit mehreren Jahren in Simbabwe lebt und als Gesprächspartner zur Verfügung steht“. Auch wenn aus der Veranstaltungsankündigung nicht hervorgeht, dass hier ein Experte über die aktuelle Situation in Simbabwe sprechen wird, sollte es trotzdem unserer Meinung nach doch gewisse Standards geben, was inhaltliche Kompetenz und kritische Reflektion der eigenen Positioniertheit angeht.

Zunächst einmal waren wir irritiert (warum eigentlich?), als wir feststellten, dass auch bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Black Box Simbabwe“ der Buttclub von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, ein weißer deutscher Raum bleibt. Dass der Buttclub-Verteiler ein primär weißer deutscher Verteiler ist, war uns klar. Dass man aber selbst bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Black Box Simbabwe“ keinen Wert darauf legt, dass auch Schwarze ExpertInnen anwesend sind und SprecherInnenpositionen bekommen, enttäuscht uns.

Als dann von Seiten des eingeladenen Freundes aus Simbabwe angekündigt wurde, dass um das Ganze „authentisch“ (Zitat) zu gestalten, ohne Besteck gegessen wird, war uns klar, dass das Ganze für uns ein unangenehmer Abend wird. Die Bemühung um simbabwische Authentizität gipfelte darin, dass erklärt wurde, dass wir uns auf eine bestimmte Art und Weise in die Schlange zum Essen einreihen sollten.

Nachdem drei Clips, die teilweise das übliche Afrika-Bild vermittelten (Korruption, Chaos, Hunger, Armut und dazu tanzende Menschen), hintereinander gezeigt worden waren und der „eingeladene Freund“ schon zum vierten Clip übergehen wollte, fragte berechtigterweise endlich jemand aus dem Publikum: „Was machst du eigentlich in Simbabwe?“ Diese Frage wurde mit „Ich bin einfach MAP.“ – was so viel heißt wie „Mitreisender ausländischer Partner“ (MAP). Seine Freundin arbeitet in Simbabwe in einer NGO. Soviel zum Thema Reflektion der eigenen Position. Auch die Darstellung der dortigen Klassenverhältnisse fiel ziemlich spärlich aus: Das Viertel, indem er wohnt, beschrieb er auf Nachfrage hin mit „das ist jetzt nicht so überkandidelt“ (was auch immer das heißen mag) und „ich hab weiße Nachbarn und ich hab schwarze Nachbarn“. Glücklicherweise fiel ihm an dieser Stelle das Wort „schwarz“ ein, an anderer Stelle war von „Afroafrikanern“ (???) die Rede.

Wer stereotypisierendes Bildmaterial verwendet, muss in der Lage sein, dieses zu kontextualisieren und kritisch zu hinterfragen. Kommentarlos einen Clip nach dem anderen abzuspielen reicht uns nicht. Zu den Videoclips konnte „der eingeladene Freund“ auch nur sagen, dass es ja unterschiedliche Perspektiven gäbe, dass BBC anders berichte als Al-Jazeera und dass das irgendwie alles spekulativ sei und man eigentlich gar nicht wissen könne, was los ist. Diese Haltung zog sich durch den gesamten Abend hindurch; alles ist irgendwie spekulativ, nebulöse poltische Verhältnisse, Opposition – ja, gibt es wohl irgendwie, eine klare Position ist nicht erkennbar, Zeitung wird in England herausgegeben…komisch, komisch…

Könnte es sein, dass einem weißen Deutschen, der sich in Simbabwe aufhält, weil seine Freundin dort bei einer NGO arbeitet, und der wahrscheinlich auch keine der in Simbabwe gesprochenen Sprachen beherrscht, einfach vieles von dem entgeht, was für eine politische Analyse der aktuellen Situation in Simbabwe wichtig wäre?
Zufällig ist es jedenfalls nicht, dass so ein koloniales Afrika-Bild verfestigt wird, welches die dortigen politischen Verhältnisse als tendenziell irrational (v)erklärt und aus der eigenen Unwissenheit auch noch eine Gewissheit macht.
Diese und ähnliche Fragen wären zumindest eine Überlegung wert gewesen. Unser Eindruck war, dass sich niemand – weder der „eingeladene Gast“ noch die „Gastgeber“ - derartige Fragen gestellt hat.

Es geht uns nicht darum, dass man sich akademisch und abgehoben ausdrücken muss, um über ein Thema eine Veranstaltung zu machen. Wir erwarten aber, dass der gleiche inhaltliche Anspruch an Veranstaltungen zum Thema Simbabwe gestellt wird, wie er auch bei „üblichen“ Themen in der deutschen Linken gestellt wird. Es gibt genügend ExpertInnen zu diesem Thema, die man hätte einladen können. Einfach nur MAP zu sein genügt nicht!

Und wir erwarten, dass die eigene Position kritisch reflektiert wird - erst recht, wenn Weiße in einem primär weißen Rahmen eine Veranstaltung zu Simbabwe machen. Hätte vorher eine sinnvolle Auseinandersetzung mit diesen Umständen stattgefunden, wäre es vielleicht nicht zur Verwendung von so Neologismen wie „Afroafrikaner“ gekommen.

Es gab von Seiten weniger Personen im Publikum einige Versuche, doch noch irgendwie eine sinnvolle politische Analyse hinzukriegen, indem etwa nach konkreten Machtverhältnissen, nach Auswirkungen der Landreform, nach unterschiedlichen Interessen, etc. gefragt wurde. Da aber aus der Sicht des „eingeladenen Gastes“ alles in Simbabwe spekulativ und undurchsichtig ist, waren diese Versuche zum Scheitern verurteilt.

Stattdessen gab der „eingeladene Gast“ zwei simbabwische Geldscheine herum (als authentisches Material?), die dann im Publikum herumgereicht wurden. Die meisten fanden das sehr lustig und machten Kommentare wie „Huh, eine halbe Million – das reicht für uns alle!“ oder hielten die Scheine gegen das Licht, um dann festzustellen, dass sie sehr einfach zu fälschen seien. Auf ähnlichem Niveau bewegten sich auch die meisten der Wortbeiträge: Fragen wie „Was ist Mugabe eigentlich für ein Typ – spinnt der oder ist der einfach nur korrupt?“, die dann aus dem Publikum mit „Nee, der ist einfach nur alt“ beantwortet wurden, über Redebeiträge, die anfingen mit „Als ich vor 10 Jahren in Gambia war….“ Oder „Als ich vor 8 Jahren im Senegal war…“ – zusammen mit einem Gastredner, der keinen Durchblick hatte und der Meinung war, dass man dies auch nicht haben könne, ließen das Ganze immer mehr zu einer Veranstaltung werden, der man auch den Titel „politisch angehauchte Reiseerinnerungen deutscher Linker an Afrika“ hätte geben können. Man stelle sich eine Veranstaltung beispielsweise zum Thema „Aufstände in den Banlieus“ vor, auf der dann Leute ihre Redebeiträge mit „Als ich vor 10 Jahren in Litauen war…“ oder „Als ich vor 8 Jahren in Dänemark war…“ beginnen. Die meisten Anwesenden wären zu Recht genervt und würden protestieren. Beim Thema „Simbabwe“ hat sich niemand daran gestört – zumindest hat niemand etwas gesagt.

Dies alles ist Ausdruck allgemeiner rassistischer Verhältnisse, die sich auch in der deutschen Linken widerspiegeln. Umso wichtiger ist die kritische Reflektion dieser Verhältnisse im Vorfeld solch einer Veranstaltung, bei der Wahl der ReferentInnen etc.

Wenn das zu anstrengend ist, dann kündigt doch bitte nächstes Mal solche Veranstaltungen direkt unter dem Titel „Stammtischgespräche mit einem MAP“ an.
Warum haben wir das alles nicht direkt an dem Abend thematisiert?

Weil wir den VeranstalterInnen einen Vertrauensbonus gegeben haben, der uns daran gehindert hat, die Veranstaltung sofort zu kritisieren. Weil wir den Gast, der auf uns den Eindruck machte, überfordert zu sein, nicht bloßstellen wollten. Weil es anstrengend ist, die immer gleichen Erfahrungen zu machen, diese zu problematisieren und die üblichen Abwehrreaktionen zu bekommen. Weil wir keine Lust hatten, mal wieder als diejenigen da zu stehen, die eine Veranstaltung sprengen. Und weil wir, wie alle anderen wahrscheinlich auch, einen interessanten Donnerstagabend verbringen wollten, der uns inhaltlich weiterbringt, statt uns an weißen Dominanzstrukturen in der deutschen Linken abzuarbeiten.

Negar Taymoorzadeh und Yordanos Asghedom 18/07/2008
(Kanak Attak)

Urheber- und Nutzungsrechte liegen ausschließlich bei den Autorinnen

Freitag, Juni 27, 2008

Bundesweit erster Prozess wegen rassistischer Türpolitik

Hier die Pressemitteilung der Ombudsstelle Antirassismus an der Universität Oldenburg:
Pressemitteilung zum bundesweit ersten Prozess wegen ethnisierender/rassistischer Nicht-Einlaßpraxen in Diskotheken - Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Am Montag, dem 30. Juni 2008, findet am Amtsgericht Oldenburg in der Elisabethstraße 8, 26135 Oldenburg in Saal 4 ab 11 Uhr 30 der Prozess gegen den Inhaber einer Oldenburger Diskothek statt, der von einem Studenten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verklagt wird, im Jahre 2007 ihn in Bezug auf die zugeschriebene Ethnie oder Rasse diskriminiert zu haben.

Interessierte Studierende, Bürgerinnen und Bürger sowie Journalistinnen und Journalisten können dieses öffentliche Verfahren begleiten.
Es wird also eine öffentliche Sitzung stattfinden, zu der möglichst viele Beobachter erscheinen sollten.


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UPDATE:

Hier die Pressemitteilung des Antidiskriminierungsverbands:
PRESSEMITTEILUNG

Berlin, 29. Juli 2008

Antidiskriminierunsverband Deutschland - advd -

begrüßt bundesweit erstes Prozessurteil nach AGG wegen rassistischer Nicht-Einlasspraxen in Diskotheken

Der advd (Antidiskriminierungsverband Deutschland) begrüßt im Grundsatz das Urteil des Amtsgerichts Oldenburg vom 23. Juli 2008 gegen den Inhaber einer Oldenburger Diskothek. Verklagt wurde dieser von einem Studenten der Universität Oldenburg. Dieser warf dem Discobetreiber vor, ihm im Jahr 2007 wegen rassistischer Zuschreibungen den Einlass verweigert und damit diskriminiert zu haben.
Weiter im Text

Montag, Mai 19, 2008

Quote of the Day!

Zum Geburtstag von Malcolm X nach langer Zeit mal wieder etwas Poetry. Diesmal nicht motivierend, aber dennoch Teil eines emotionalen Aktivisten-Daseins:

Lost home

I thought I had a home
amongst those who are like me
Did my best to empower
provide spaces
that are safe
and give support

But while I tried
to do that for others -
those who are like me
the home vanished
and became
an evil sucker
of spirits and energy

And as the struggle remains
there is only so much
I can take
while giving my all

So I'm leaving
to survive

Montag, Mai 05, 2008

Sich über Rechsextremismus infomieren und darüber diskutieren...

...kann man seit heute auf dem Portal "Netz gegen Nazis". Bei diesem ehrgeizigen Projekt, das u.a. von DIE ZEIT, DFB und dem Deutschen Olympischen Sportbund initiiert wurde, ist ein umfangreiches Lexikon angelegt, in dem man sich über so gut wie alle themenspezifischen Begriffe fundiert informieren kann. Außerdem wird über Organisationsformen, Argumentationsmuster und Erkennungszeichen von Rechtsextremisten augeklärt.
Ziel ist allerdings nicht nur, einen Infopool anzubieten, sondern es sollen in Zusammenarbeit mit den Nutzern der Seite Strategien gegen Rechtsextremismus entwickelt werden.
Hinschauen und Mitmachen!

Donnerstag, Mai 01, 2008

Na also, es geht doch!

Manchmal lässt sich die Wirtschaft also doch von guten Argumenten überzeugen:

Dr. Oetker hatte sowohl in einem Buch als auch im Internet ein Rezept unter dem Namen “Negerbrot” aufgeführt. Auf Aufforderung der ISD wird das Rezept nun umbenannt; in “Knabberschnitten”.

Zitat Dr. Oetker Rezeptdienst Österreich:

“…Wir werden den Rezeptnamen natürlich auch bei der Neuauflage unseres Buches ändern.”

via Blog von der braune mob e.V.

Danke an die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland für Ihren Einsatz und für ein Beispiel dafür, dass es so einfach sein kann, mit rassistischen Traditionen zu brechen und eine Lösung zu finden, die niemanden herabsetzt. Schade, dass sich so viele andere noch immer so schwer tun!

Montag, April 21, 2008

Deutschlands wahres Gesicht: Rassistische Leser-Kommentare

Angela.ka hat sich entschieden, sich mit den "interessanten" Kommentaren, die Leser diverser Zeitungen und Blogs rund um den "Fall Kelly" hinterlassen haben, auseinanderzusetzen.
Hier ein paar Ausschnitte, den ganzen Eintrag gibt es nach dem KLICK
ja ja – wenn es auch nicht überraschend kommt, ist es doch immer wieder erschreckend, wie tief der gute alte rassismus INMITTEN unserer gesellschaft verankert ist – und eben nicht nur „ein problem" irgendwo am rechten rand (was übrigens nicht geographisch gemeint ist). sobald öffentlich über rassismus berichtet wird, werden erst einmal sämtliche abwehrstrategien ausgepackt, die sich bereits in der vergangenheit erfolgreich bewährt haben (berichterstattung inbegriffen). selbst wenn ein mensch stirbt oder ins koma fällt, ist er am ende der scheinheiligen diskussion selber dran schuld. aus selbstverteidigung wird dann schnell angriff… warum nur musste er/sie so dermaßen provozieren, dass es überhaupt so weit kommen musste? und außerdem habe er/sie sowieso ein drogenproblem, ist bereits anderweitig „aufgefallen" oder „sieht auch nicht gerade vertrauenserweckend aus". bei letzterem frage ich mich im übrigen, warum? weil ja allgemein bekannt ist, dass schwarze lügen und betrügen???

welche aussagekraft derartiges unreflektiertes gerede in bezug auf den rassismus, um den es ja eigentlich geht, hat, bleibt idR offen und unhinterfragt – ist ja auch nicht weiter wichtig, hauptsache es wurde mal gesagt, um den „subjektiven erfahrungsbericht" seitens der/des betroffenen zu relativieren und natürlich um sich selbst zu beweisen, dass es rassismus in deutschland in wirklichkeit ja gar nicht gibt. [...] es ist also eine masche, sich als rassismusopfer zu inszenieren? oder anders ausgedrückt: „ich habe auch schon einen job nicht bekommen, obwohl ich qualifiziert war!" ihr rosa schweinebacken, die ihr so etwas verbreitet, ihr kotzt mich an! woher wollt ihr wissen, wie sich rassismus anfühlt … und da brauch mir jetzt auch keiner mit „ich war auch schon mal in afrika und wurde schief angeguckt" kommen.

[...] tja… und an diejenigen gerichtet, die immer noch meinen, sie müssten begriffe wie „rasse" oder „rassisch" verwenden… ihr habt euch selbst geoutet… wohl in biologie nicht aufgepasst!? tatsache ist, dass es KEINE menschenrassen gibt. die vermeintlich identifizierten unterschiede sind nur oberflächlich und biologisch/genetisch nicht nur nicht relevant, sondern auch absolut unhaltbar.

Freitag, April 11, 2008

Steht der erste AGG-Präzedenzfall bevor?

Den aufmerksamen BLACKprint-Besuchern ist Natasha Kelly als Herausgeberin von "X - Magazin für AfroKultur" geläufig, nun wird sich ihr Bekanntheitsgrad weiter steigern. Wie der Stern Online berichtet, wurde ihr Mietvertrag aus rassistischen Gründen gekündigt, der Vermieter gab "Herkunft und Hautfarbe" sogar offiziell als Kündigungsgrund an.
Auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) kann sie den Vermieter nun wegen Diskriminierung verklagen und damit einen Präzendenzfall schaffen.

BLACKprint drückt Daumen und wünscht viel Durchhaltevermögen!

Mittwoch, April 09, 2008

Betroffene sind mal wieder "nicht objektiv"

Pressemitteilung des The VOICE Refugee Forums:
Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt schliesst die Flüchtlings-Selbsthilfeorganisation, The VOICE Refugee Forum von Beratungsgesprächen bzgl. der problematischen Zustände in der „Gemeinschaftsunterkunft“ für Flüchtlinge im Thüringischem Katzhütte aus.
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Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt schliesst die Flüchtlings-Selbsthilfeorganisation, The VOICE Refugee Forum von Beratungsgeprächen aus.

Saalfeld 09.04.2008, gegen: 10.30:

Im aktuell bekannten Fall der problematischen Zustände in der „Gemeinschaftsunterkunft“ für Flüchtlinge im Thüringischem Katzhütte fand am heutigen Mittwoch den 09.04.2008 ein informelles Gespräch im Buro der zuständigen landrätin Marion Philipp statt.

Auf der Tagesordnung standen algemeine Asylrechtliche aspekte der Unterbringung von Asylbewerben in Deutschland. Offiziel geladen waren Vetreter vom Fluchtlingsrat Thüringen/Erfurt sowie von Refugio Thüringen/Jena.

Nach Konsultationen mit den gennanten Organisationen wollte auch ein Vertreter der betroffenen Flüchtlings-selbsthilfeorganisation The VOICE Refugee Forum Jena an den Beratungen teilnehmen. Auf Grund der Kurzfristigkeit dieser Konsultationen war der ebenfalls beteiligte Dezernent für Soziales und Jugend Jörg Fischer am vorabend der Gespräche nicht mehr erreichbar. Herr Fischer betonte vor Beginn der Gespräche, dass nur geladene Personnen an diesen Offizielen Termin teilnehmen dürften. Im weiterem unterstellte Herr Fischer dass die Objektivität bzw. Sachlichkeit der Beratungen durch die Teinahme eines Vertreters der betroffenen Seite in Frage gestellt wäre!!

Die geladenen Vertreter von Flüchtlingsrat und Refugio protestierten gegen diesen Ausschluss.

Der Ausschluss der Flüchtlinge von Gesprächen über Probleme, die sie selbst betreffen zeigt einmal mehr die Verwaltungsmentalität der Zuständigen Behörde. Den Flüchtlingen wird dass Mitspracherecht verweigert und Entscheidungen werden über ihre Köpfe hinweg getroffen.

The VOICE Refugee Forum und die Karawane für die Rechte der Flüchtlingen und MigrantInnen protestieren ausdrucklich gegen diese Verweigerungshaltung des Salfelder Landratamtes gegenüber einer einvernehmlichen Vorgehensweise zur Lösung der offensichtlich bestehenden Probleme.

Wir fordern die Durchsetzung der Förderungen der betroffenen Flüchtlingen in Katzhütte, die Schließung des Katzhütte “Baracken” und eine dezentralisierte Unterbringung von Flüchtlingen in regulären Wohnungen.

Danke.

In Solidarität

Mehr zum Thema der Unterbringung in Katzhütte:

Presse / Katzhütte: Starke Kundgebung und Unterschriftensammlung in Saalfeld http://thevoiceforum.org/node/738


Kommentar von VOICE Jena zur regionalen Berichterstattung in Freies Wort von Thomas Mwayemudza Ndindah

http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenfw/art2437,784797
http://www.freies-wort.de/_/forum/index.html?mode=po_view&th_id=712&page=1
http://thecaravan.org/node/1511

-Radio
Proteste im Flüchtlingslager Katzhütte
http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=21577

Katzhütte: mdr.de report on the isolation camp in the Thüringer Wald.
Katzhütte Germany: Wir wollen in normalen Häusern wohnen II Wir wollen in normalen Häusern wohnen und nicht in Baracken!
http://www.youtube.com/watch?v=VkeHN9lI3e4&feature=related

Tom’s link to photo album on sevenload:
http://de.sevenload.com/mitglieder/funthomaz
http://de.sevenload.com/alben/8xQP8v6
with pictures on Katzhütte including Saalfeld protest, as well as videos on Katzhütte, Oury Jalloh, Police scandal Sachsen-Anhalt and Black Community Thomas Mwayemudza Ndindah

Fotoalbum - Kundgebung in Saalfeld/Katzhuette_31_Maerz08
http://fotoalbum.web.de/


MDR - Katzhütte: Wir wollen in normalen Häusern wohnen PART I & PART II Part 1 -MDR TV zu Katzhütte vom 04. März 2008!
Ärger um Asylbewerberheim. In Katzhütte im Thüringer Wald leben Asylbewerber in einem ehemaligen Kinder-Ferienlager - unter Bedingungen, die kein Deutscher hinnehmen würde 04.03.2008
http://www.youtube.com/watch?v=t9x6pwq4xB4&feature=related
http://thevoiceforum.org/


Mittwoch, April 02, 2008

Pfarrersfamilie flüchtet resigniert aus Ostdeutschland

Hier einige Ausschnitte aus einem Artikel der FR:
Familie flüchtet vor Rassismus [...]
VON MARKUS DECKER
Im Jahr 2000 zog das Ehepaar Neuschäfer aus dem Rheinland in die thüringische Kleinstadt Rudolstadt, die für sich selbst damit wirbt, "heimliche Geliebte Schillers" zu sein. 2007 - man muss es so sagen - haben das Paar und die inzwischen fünf Kinder die Flucht ergriffen: von Deutschland Ost nach Deutschland West.

[...] Miriam Neuschäfer sagt, sie sei in der Öffentlichkeit grundsätzlich geduzt worden. In manchen Geschäften habe man sie nicht bedient. ",Sowas hat man früher zwangssterilisiert!' - das haben mir die Leute ins Gesicht gesagt."

[...] Rudolstadts parteiloser Bürgermeister Jörg Reichl sagt dazu: "Mir sind außergewöhnliche Vorkommnisse nicht bekannt. Es wird manches übertrieben. Hier herrscht keine Ausländerfeindlichkeit."

[...] Zuletzt hatte der Gottesmann auch noch Ärger mit der Kirchenleitung. Neuschäfer hatte in der Kirchenzeitung Glaube und Heimat einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich mit der Hetzjagd auf Inder im sächsischen Mügeln befasst.

Darin verweist er auf die Erfahrungen seiner Familie und schreibt: "Eine ebenso unheimliche wie unterschwellige Feindlichkeit gegenüber Fremdem, Unheimlichem und Anderem gibt es bei uns in Ostdeutschland sowohl bei ,den' Rechten als auch bei ,den' Linken. Auch im Raum der Kirche sind nicht automatisch alle gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!" Die Kirchenleitung habe ihn daraufhin aufgefordert, solche Beiträge nicht nochmal zu veröffentlichen, sagt Neuschäfer. Einen Monat später verließ die Familie Rudolstadt.

[...] Das Fazit des Pfarrers ist kurz: Wenn die Ostdeutschen das fremdenfeindliche Erbe der DDR nicht aufarbeiteten, werde das Problem nicht zu lösen sein. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), stellt zu dem Fall fest: "Dass Menschen sich - zugespitzt formuliert - im eigenen Land auf die Flucht machen müssen, kennt man eigentlich nur aus nicht-demokratischen Ländern. Es sollte im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein, ohne Angst verschieden sein zu können."

[...] "Einzelne haben uns Mut gemacht", sagt Reiner Andreas Neuschäfer. "Aber wir sind nicht prädestiniert dafür zu kämpfen. Wir können unsere Familie nicht zum Opfer machen."

Ganzer Text: klick

Auch, wenn ich es bedenklich finde, dass die FR die rassistischen Beschimpfungen nicht nur veröffentlicht, sondern auch noch zum Titel des Artikels macht (den hab ich hier natürlich nicht wiederholt) und auch, wenn es natürlich nicht nur förderlich ist, über People of Color nur im Zusammenhang mit rassistischer Gewalt zu berichten, ist eine mediale Beachtung dieser Vorfälle trotzdem unendlich wichtig, damit langsam wenigstens ein Stückchen von dieser unerträglichen Realität im öffentlichen Bewusstsein ankommt.

Was allerdings gar nicht förderlich ist, ist folgende Bildunterschrift unter dem Familienfoto:
"Pfarrer Reiner Andreas Neuschäfer und seine Familie sind augenscheinlich Opfer der Fremdenfeindlichkeit geworden, weil Frau und Kinder eine dunklere Hautfarbe haben. (privat)"
Nein, liebe Autoren, die Leute sind NICHT Opfer geworden, "weil sie eine dunklere Hautfarbe haben", sondern weil die Leute Rassisten sind. So einfach ist das!

Donnerstag, März 27, 2008

Wo der Nazi-Nachwuchs herkommt

via daserste.de
Nazi-Schulungen für Kinder - Bundesregierung schaut tatenlos zu

Sie lassen Kinder aufmarschieren und fürs Vaterland strammstehen. Sie fanatisieren 7-Jährige und schulen sie in "Heimattreue" und Hass gegen die Demokratie. Sie drillen Jugendliche und bilden sie zum Kampf aus. Die "Heimattreue Deutsche Jugend" ist die wichtigste Nachwuchsorganisation der Neonazis – und der Staat lässt sie gewähren. Ein Verbotsverfahren ist offenbar in weiter Ferne. Dabei weisen Experten schon lange darauf hin, dass viele Gründe für ein hartes Durchgreifen vorliegen. Doch das Innenministerium lässt die rechtsextreme Truppe weiter Kinder ausbilden, viele Justizbehörden geben sich machtlos. Kein Wunder, dass das Auftreten der HDJ offensiver und dreister wird.
Weiter

Kein Rassismus in den USA? Wie wär's mit diesem Justiz-Beispiel

via colorofchange.org

The so-called "war on drugs" has created a national disaster: 1 in 9 young Black men in America are now behind bars.1 It's not because they commit more crime but largely because of unfair sentencing rules that treat 5 grams of crack cocaine, the kind found in poor Black communities, the same as 500 grams of powder cocaine2, the kind found in White and wealthier communities.

These sentencing laws are destroying communities across the country and have done almost nothing to reduce the level of drug use and crime.

Senator Joe Biden is one of the original creators of these laws and is now trying to fix the problem.3 But some of his colleagues on the Senate Judiciary Committee are standing in the way. Join us in telling them to stand with Joe Biden and undo this disaster once and for all:

http://colorofchange.org/crackpowder

At every step in the criminal justice system, Black people are at a disadvantage -- we are more likely to be arrested, charged, and convicted, but less likely to have access to good legal representation, and get out of prison on parole.4 While there's no denying that the presence of crack has a hugely negative impact in Black communities across the country, it's clear that the overly harsh crack sentencing laws have done more to feed the broken system than improve our communities.

You have to be convicted of moving roughly $500,000 worth of cocaine to trigger a 5-year sentence.5 For crack? About $500 worth.6 These laws punish the lowest-level dealers, while providing a loophole that helps those running the trade escape harsh sentences.

Recently, attention has turned to these ill-conceived policies as prisons burst at the seams with non-violent drug offenders. The U.S. Sentencing Commission, which provides sentencing guidelines for judges, has petitioned Congress numerous times to change the sentencing laws.7 Senator Biden was actually one of the original architects of the disparity, but now he's working to undo the damage with a new bill in Congress (Senate bill 1711). The new law will completely eliminate the sentencing disparity and end the mandatory minimum for crack possession, while increasing funding for drug treatment programs and providing additional resources for investigating and prosecuting major cocaine kingpins.8

But of course, there are foes of this plan. Others want to see the disparity reduced to 20-to-1 or 10-to-1, but not eliminated. As Bill Piper of the Drug Policy Alliance recently said, that "would be like amending the Constitution's three-fifths clause to make African-Americans fourth-fifths citizens or desegregating 60 percent of public establishments instead of all of them."9 Senators on the Judiciary Committee need to hear that there is strong support for a full elimination of the disparity.

We can take this opportunity to join the Sentencing Commission and countless other advocates in calling on Congress to change this unjust law. Please join us:

http://colorofchange.org/crackpowder/

Thank You and Peace,

-- James, Van, Gabriel, Clarissa, Mervyn, Andre, and the rest of the ColorOfChange.org team
March 26th, 2008

References:

1. "1 in 100 U.S. Adults Behind Bars, New Study Says," New York Times, 02-28-08
http://www.nytimes.com/2008/02/28/us/28cnd-prison.html

2. "Crack/Cocaine Sentencing Disparity," Drug Policy Alliance
http://www.drugpolicy.org/drugwar/mandatorymin/crackpowder.cfm

3. "Legislative Proposals for Reform of the Crack/Cocaine Disparity," Drug Policy Alliance, 09-07-07
http://www.drugpolicy.org/library/factsheets/raceandthedr/crack_cocaine.cfm

4. "Annotated Bibliography: Racial Disparities in the Criminal Justice System," Sentencing Project
http://tinyurl.com/297waj

5. "Cocaine Price/Purity Analysis of STRIDE Data," Drug Enforcement Agency
http://www.dea.gov/concern/cocaine_prices_purity.html

6. "Cocaine Addiction," Dual Diagnosis Treatment Center
http://www.dual-diagnosis-treatment-center.com/cocaine-addiction.html

7. "BIDEN Calls for an End to Crack/Powder Cocaine Sentencing Disparity," Biden for Senate, 02-13-08
http://tinyurl.com/2bb959

8. See reference 3.

9. "Congress to Hold Historic Hearing