Mittwoch, April 02, 2008

Pfarrersfamilie flüchtet resigniert aus Ostdeutschland

Hier einige Ausschnitte aus einem Artikel der FR:
Familie flüchtet vor Rassismus [...]
VON MARKUS DECKER
Im Jahr 2000 zog das Ehepaar Neuschäfer aus dem Rheinland in die thüringische Kleinstadt Rudolstadt, die für sich selbst damit wirbt, "heimliche Geliebte Schillers" zu sein. 2007 - man muss es so sagen - haben das Paar und die inzwischen fünf Kinder die Flucht ergriffen: von Deutschland Ost nach Deutschland West.

[...] Miriam Neuschäfer sagt, sie sei in der Öffentlichkeit grundsätzlich geduzt worden. In manchen Geschäften habe man sie nicht bedient. ",Sowas hat man früher zwangssterilisiert!' - das haben mir die Leute ins Gesicht gesagt."

[...] Rudolstadts parteiloser Bürgermeister Jörg Reichl sagt dazu: "Mir sind außergewöhnliche Vorkommnisse nicht bekannt. Es wird manches übertrieben. Hier herrscht keine Ausländerfeindlichkeit."

[...] Zuletzt hatte der Gottesmann auch noch Ärger mit der Kirchenleitung. Neuschäfer hatte in der Kirchenzeitung Glaube und Heimat einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich mit der Hetzjagd auf Inder im sächsischen Mügeln befasst.

Darin verweist er auf die Erfahrungen seiner Familie und schreibt: "Eine ebenso unheimliche wie unterschwellige Feindlichkeit gegenüber Fremdem, Unheimlichem und Anderem gibt es bei uns in Ostdeutschland sowohl bei ,den' Rechten als auch bei ,den' Linken. Auch im Raum der Kirche sind nicht automatisch alle gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!" Die Kirchenleitung habe ihn daraufhin aufgefordert, solche Beiträge nicht nochmal zu veröffentlichen, sagt Neuschäfer. Einen Monat später verließ die Familie Rudolstadt.

[...] Das Fazit des Pfarrers ist kurz: Wenn die Ostdeutschen das fremdenfeindliche Erbe der DDR nicht aufarbeiteten, werde das Problem nicht zu lösen sein. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), stellt zu dem Fall fest: "Dass Menschen sich - zugespitzt formuliert - im eigenen Land auf die Flucht machen müssen, kennt man eigentlich nur aus nicht-demokratischen Ländern. Es sollte im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein, ohne Angst verschieden sein zu können."

[...] "Einzelne haben uns Mut gemacht", sagt Reiner Andreas Neuschäfer. "Aber wir sind nicht prädestiniert dafür zu kämpfen. Wir können unsere Familie nicht zum Opfer machen."

Ganzer Text: klick

Auch, wenn ich es bedenklich finde, dass die FR die rassistischen Beschimpfungen nicht nur veröffentlicht, sondern auch noch zum Titel des Artikels macht (den hab ich hier natürlich nicht wiederholt) und auch, wenn es natürlich nicht nur förderlich ist, über People of Color nur im Zusammenhang mit rassistischer Gewalt zu berichten, ist eine mediale Beachtung dieser Vorfälle trotzdem unendlich wichtig, damit langsam wenigstens ein Stückchen von dieser unerträglichen Realität im öffentlichen Bewusstsein ankommt.

Was allerdings gar nicht förderlich ist, ist folgende Bildunterschrift unter dem Familienfoto:
"Pfarrer Reiner Andreas Neuschäfer und seine Familie sind augenscheinlich Opfer der Fremdenfeindlichkeit geworden, weil Frau und Kinder eine dunklere Hautfarbe haben. (privat)"
Nein, liebe Autoren, die Leute sind NICHT Opfer geworden, "weil sie eine dunklere Hautfarbe haben", sondern weil die Leute Rassisten sind. So einfach ist das!

Kommentare:

Torrance Stephens bka All-Mi-T hat gesagt…

i remember that day also, i was in memphis 40 on 40. nice blog hope u dont mind me stopn through, chk meout one day, and if u like what u read feel free to add me to yourblog roll and i willb back

Anonym hat gesagt…

die Frankfurter Rundschau hat nun unter FRblog einen Blog eingerichtet, in dem Leser den Vorfall diskutieren können. Bezeichnenderweise für die absolute Hirnrissigkeit des verantwortlichen Redakteurs ist der Titel...

http://www.frblog.de/nigger

Victory-a X hat gesagt…

da fehlen mir jetzt wirklich die worte. danke für den hinweis.