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Donnerstag, November 20, 2008

"Afrodeutsch" auf Sat.1


Gerade lande ich beim Zappen bei der Serie "Plötzlich Papa" auf Sat.1. Und was sagt der plötzliche Papa über sein Schwarzes Baby? "Afrodeutsch heißt das!" Wow.
Und noch was: Man erzählte mir, dass in der ersten Folge der Serie die verstorbene Mutter des afrodeutschen Kindes die große Liebe des Protagonisten war. Nicht etwa die Geliebte. Und dass sie fließend Deutsch sprach. Und dass es keine idiotische Opfergeschichte darüber gab, warum diese Frau Schwarz und in Deutschland ist und fließend Deutsch spricht.
Hab ich die Revolution verschlafen?

[Übrigens kein Persil-Schein für die Serie, ich hab sie weder selbst komplett verfolgt, noch weiß ich von jemandem, der sie vollständig analysiert hat. Aber immerhin...]

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Nachträgliche Einschätzung vom 28.11.2008: klick

Montag, September 08, 2008

Protest gegen die Verwendung des "Rasse"-Begriffs in Gesetzen

Schon im Entstehungsprozess des AGG protestierten viele Personen und Organisationen (u.a. auch Vertreter der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland) gegen die Verwendung des Begriffes "Rasse", der ja als biologische Gegebenheit bei Menschen schon lange widerlegt und als Konstrukt enttarnt ist. Nun empfiehlt auch das Deutsche Institut für Menschenrechte, Formulierungen wie "Rasse" und "rassische Zugehörigkeit" aus Grundgesetz und AGG zu streichen.

Hier der Volltext der Pressemitteilung:
Berlin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte empfiehlt den Parlamenten und Regierungen auf Bundes- und Landesebene, in Zukunft auf die Verwendung des Begriffs "Rasse" zu verzichten. Dies soll bereits bestehende Bemühungen im Kampf gegen Rassismus unterstützen. Die Empfehlung beinhaltet eine Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und des deutschen Grundgesetzes.

Der Begriff "Rasse" ist historisch extrem belastet und enthält rassistische Implikationen. Theorien und gedankliche Konstrukte, die Menschen in unterschiedliche "Rassen" einteilen, waren und sind schon immer rassistisch. Sie schreiben Menschen pauschal bestimmte Eigenschaften zu und gipfeln in der Annahme höher- und minderwertiger "Rassen". Dennoch wird bis heute in rechtlichen Bestimmungen, die eigentlich der Bekämpfung rassistischer Diskriminierung dienen, der Ausdruck "Rasse" verwendet. In einigen anderen europäischen Ländern ist es bereits üblich, in Gesetzestexten von dem Begriff Abstand zu nehmen. In Deutschland ist dieser Schritt längst überfällig.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte spricht sich daher dafür aus, den Terminus "Rasse" nicht länger in Gesetzestexten, Verordnungen oder Erlassen zu benutzen. Vor allem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sollte geändert werden, so dass der Begriff nicht mehr im Gesetz steht. Der Schutz vor rassistischen Diskriminierungen darf dadurch nicht eingeengt werden. Artikel 3 des Grundgesetzes, der fundamentale Gleichheitsgrundsatz des deutschen Verfassungsrechts, sollte ebenfalls dahingehend geändert werden, dass der Begriff nicht mehr verwendet wird. Zudem sollte sich Deutschland gegen einen weiteren Gebrauch des Ausdrucks "Rasse" in internationalen Dokumenten einsetzen.
pdf des zugehörigen Policy Papers: klick

Freitag, August 01, 2008

Tell 'em, Sam!

Der Hamburger Rapper Samy Deluxe im Interview mit der taz (auf die ich immer schlechter zu sprechen bin, die bauen ja permanent Bockmist, wie auch auf anderen Blogs und hier zu lesen ist: klick, klick):
Was stört Sie denn an der heutigen Welt?

Wenn man durch die Straßen geht, sieht man: Dieses Land wird immer bunter. Wenn man aber den Fernseher einschaltet, dann ist Deutschland immer noch weiß. Das muss sich ändern. Deshalb habe ich mir was Neues für das Kürzel BRD ausgedacht: Nicht mehr Bundesrepublik Deutschland, sondern: Bunteres, reiferes Deutschland.

Inwiefern reifer?

Das Problem in Deutschland ist: In Deutschland heißt "nicht deutsch aussehen" auch "nicht deutsch sein". Das kann sich nur ändern, wenn Leute mit Migrationshintergrund in Positionen sind, wo das Land sie überall sieht. Nicht in Positionen wie "das ist mein türkischer Gemüsemann an der Ecke", sondern "ah, der ist Nachrichtensprecher, der hat einen türkischen Migrationshintergrund". Das will ich sehen, wenn ich den Fernseher anschalte.

Die Interviewerin Kübra Yücel konnte es leider nicht lassen, Samy als "Farbigen" zu bezeichnen. Für die weniger aufmerksamen BLACKprint-Leser an dieser Stelle nochmals der Verweis auf die Info von derbraunemob e.V. mediawatch zum Thema "Es gibt keine Farbigen": klick

Donnerstag, Juni 05, 2008

Die taz wird von Tag zu Tag "lustiger"

Ende letzten Monats gab es bei der taz unter der Rubrik "Die Wahrheit" einen Text, der so unterirdisch (im Sinne von rassistisch, beleidigend und unfassbar) war, dass ich mich entschieden habe, hier nicht darüber zu schreiben, weil ich das niemandem zumuten wollte.

Doch der linke und total witzige Rassismus bei der taz scheint System zu haben und daher nun doch einen Hinweis wert zu sein. SPIEGEL Online (und ja, auch der wurde in diesem Blog schon mehrmals als Negativ-Beispiel angeführt) berichtet heute über eine neue taz-Entgleisung und zu meiner Überraschung wurden tatsächlich Schwarze Menschen in Deutschland dazu befragt. Und dann sogar als Afrodeutsche bezeichnet. Ganz ohne Anführungszeichen. Wow! Ich bin begeistert!
Die taz zeigte das Weiße Haus als "Onkel Barracks Hütte." Dazu sagt Yonis Ayeh, einer der Vorstände der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland e.V. Folgendes:

Der "taz"-Titel sei "sehr problematisch", findet Yonis Ayeh, der im Vorsitz der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) sitzt und die Interessen der rund 500.000 Afrodeutschen vertritt. "Die Zeitung vergleicht Obama mit Onkel Tom, einem unterwürfigem Sklaven", sagt Ayeh, "ich bin sicher, dass sich Obama selbst nicht so sieht."

Der Begriff verbreite ein Bild von Schwarzen als unterwürfig und ungebildet "und das ist einfach nicht wahr", sagt Ayeh. Dass ausgerechnet eine linksliberale Zeitung eine solche Überschrift bringt, habe ihn jedoch nicht überrascht. "In der linken Szene gibt es einen heftigen Rassismus", sagt er, "und die 'taz' trägt dazu bei, wenn sie sich solche Pannen leistet."

Was die taz zu der internationalen Kritik sagt?
Ich bin sicher, dass 99 Prozent unserer Leser das richtig verstehen. Die anderen haben Pech gehabt. Man kann es nicht allen recht machen.
Zu "den anderen", denen die Pech haben, gehöre offensichtlich ich. Und die taz gehört offensichtlich neben Nazi-Foren und rechtsextremen Schmierblättern zu Lektüren, die man sich für die Momente vorenthalten sollte, in denen man sich ganz dringend übergeben möchte.

Und für ganz Hartgesottene hier ein Link zu der "Wahrheit" der taz von vorletzter Woche: klick

Nachtrag 14.08 Uhr:
Auch hier greift man sich an die Stirn: "Rassistischer Durchknaller" und hat hübsche Reaktionen zusammengestellt

Freitag, Mai 23, 2008

Nas lenkt bei Albumtitel ein

Im Januar hat BLACKprint bereits über das geplante Nas-Album mit einem völlig inakzeptablen Albumtitel berichtet (KLICK) und nun heißt es, dass Nas eingelenkt hat und sein neues Album ohne Titel erscheinen wird.
Dazu folgende Ausschnitte aus einem Artikel auf laut.de:

In einem Statement kündigte der New Yorker am Montag an, sein Album im Juli ohne Titel veröffentlichen zu wollen. Das N-Wort gilt besonders in den USA als "moralisch anstößig und gesellschaftlich geschmacklos", wie es beispielsweise Baptistenpfarrer Jesse Jackson ausdrückte.

Dass ein schwarzer Musiker gerade jenes tabuisierte Wort für sein Werk nutzen wollte, wurde von vielen als normativer Rückschritt angesehen. Die Black-Community reagierte mit Ärger, Wut und Unverständnis.

[...]

Er verzichte aber aus Respekt vor seinen Mitmenschen auf den umstrittenen Titel: "Leute, die nicht wirklich verstehen, was ich mache, haben Angst." Dies könne er nachvollziehen, zumal er verstehe, dass man ihn auch als "respektlos" verstehen könne. Ältere Schwarze aber auch Nicht-Schwarze könnten den Titel in den falschen Hals bekommen.

Mal sehen, welche Klischees und Gangsta-Märchen er uns trotzdem um die Ohren haut...

Donnerstag, Mai 22, 2008

Terminhinweis Berlin: Woche der Mehrsprachigkeit in Neukölln

Ab dem 22.05. findet in Berlin die "Woche der Mehrsprachigkeiten" mit wunderbaren Dozenten wie dem Linguisten Kofi Yakpo (a.k.a. "Der Linguist" von Advanced Chemistry) statt.

Hier ein Ausschnitt aus der Beschreibung:

In Wirtschaft, Wissenschaft und Technik entstehen neue globale „Codes“ und Fachsprachen, oft aus Elementen des Englisch unter Hinzufügung von Elementen anderer Sprachen. Die Vielfalt der Sprachen in heterogenen Gesellschaften ist sowohl aus ökonomischer wie aus kultureller Sicht produktiv.

Im Rahmen der Wochen der Sprache und des Lesens wird von Dienstag, 20.05. – Samstag 24.05 das Thema Mehrsprachigkeit im Zentrum wissenschaftlicher und künstlerischer Veranstaltungen stehen.
In dem Rahmen wird es auch multilingualen HipHop und eine Lesung der Berliner abok-Ensembles geben. Und hier gibt's das komplette Programm: klick

Donnerstag, Mai 01, 2008

Na also, es geht doch!

Manchmal lässt sich die Wirtschaft also doch von guten Argumenten überzeugen:

Dr. Oetker hatte sowohl in einem Buch als auch im Internet ein Rezept unter dem Namen “Negerbrot” aufgeführt. Auf Aufforderung der ISD wird das Rezept nun umbenannt; in “Knabberschnitten”.

Zitat Dr. Oetker Rezeptdienst Österreich:

“…Wir werden den Rezeptnamen natürlich auch bei der Neuauflage unseres Buches ändern.”

via Blog von der braune mob e.V.

Danke an die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland für Ihren Einsatz und für ein Beispiel dafür, dass es so einfach sein kann, mit rassistischen Traditionen zu brechen und eine Lösung zu finden, die niemanden herabsetzt. Schade, dass sich so viele andere noch immer so schwer tun!

Montag, April 21, 2008

Deutschlands wahres Gesicht: Rassistische Leser-Kommentare

Angela.ka hat sich entschieden, sich mit den "interessanten" Kommentaren, die Leser diverser Zeitungen und Blogs rund um den "Fall Kelly" hinterlassen haben, auseinanderzusetzen.
Hier ein paar Ausschnitte, den ganzen Eintrag gibt es nach dem KLICK
ja ja – wenn es auch nicht überraschend kommt, ist es doch immer wieder erschreckend, wie tief der gute alte rassismus INMITTEN unserer gesellschaft verankert ist – und eben nicht nur „ein problem" irgendwo am rechten rand (was übrigens nicht geographisch gemeint ist). sobald öffentlich über rassismus berichtet wird, werden erst einmal sämtliche abwehrstrategien ausgepackt, die sich bereits in der vergangenheit erfolgreich bewährt haben (berichterstattung inbegriffen). selbst wenn ein mensch stirbt oder ins koma fällt, ist er am ende der scheinheiligen diskussion selber dran schuld. aus selbstverteidigung wird dann schnell angriff… warum nur musste er/sie so dermaßen provozieren, dass es überhaupt so weit kommen musste? und außerdem habe er/sie sowieso ein drogenproblem, ist bereits anderweitig „aufgefallen" oder „sieht auch nicht gerade vertrauenserweckend aus". bei letzterem frage ich mich im übrigen, warum? weil ja allgemein bekannt ist, dass schwarze lügen und betrügen???

welche aussagekraft derartiges unreflektiertes gerede in bezug auf den rassismus, um den es ja eigentlich geht, hat, bleibt idR offen und unhinterfragt – ist ja auch nicht weiter wichtig, hauptsache es wurde mal gesagt, um den „subjektiven erfahrungsbericht" seitens der/des betroffenen zu relativieren und natürlich um sich selbst zu beweisen, dass es rassismus in deutschland in wirklichkeit ja gar nicht gibt. [...] es ist also eine masche, sich als rassismusopfer zu inszenieren? oder anders ausgedrückt: „ich habe auch schon einen job nicht bekommen, obwohl ich qualifiziert war!" ihr rosa schweinebacken, die ihr so etwas verbreitet, ihr kotzt mich an! woher wollt ihr wissen, wie sich rassismus anfühlt … und da brauch mir jetzt auch keiner mit „ich war auch schon mal in afrika und wurde schief angeguckt" kommen.

[...] tja… und an diejenigen gerichtet, die immer noch meinen, sie müssten begriffe wie „rasse" oder „rassisch" verwenden… ihr habt euch selbst geoutet… wohl in biologie nicht aufgepasst!? tatsache ist, dass es KEINE menschenrassen gibt. die vermeintlich identifizierten unterschiede sind nur oberflächlich und biologisch/genetisch nicht nur nicht relevant, sondern auch absolut unhaltbar.

Sonntag, April 13, 2008

Infobrief für Journalisten & Multiplikatoren: Es gibt keine "Farbigen"

Die mediawatch-Initiative der braune mob e.V. hat aktuell einen neuen Infobrief für Journalisten herausgegeben, in dem erklärt wird, warum "Farbige" keine diskriminierungsfreie, faire oder auch nur treffend beschreibende Bezeichnung ist. Hier ein paar Ausschnitte, das vollständige PDF verbirgt sich hinter diesem KLICK:

Dieses sprachliche Relikt aus der Kolonialzeit wurde in Deutschland in den fünfziger Jahren als Ersatzbegriff für das heute als eindeutig rassistisch erkannte „N-Wort“ geläufig, und wird aus Unwissenheit heute noch oft in Medien dafür benutzt, schwarze Menschen im Laufe der Berichterstattung mit einem Adjektiv zu belegen, das speziell das vermeintlich „andere“, „fremde“ beschreiben soll.
[...]
Um dennoch Orientierungshilfe zu geben, weisen wir darauf hin, dass sowohl der Dachverband "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland", als auch zahlreiche weitere Organisationen, Medienorgane und PublizistInnen sich in dem Punkt einig sind: es gibt keine „Farbigen“.
[...]
Einstufungen und Kategorisierungen nach „rassischen Merkmalen“ (denn darum geht es dabei letztlich; denn anders als „Schwarz“ und „weiß, die soziokulturelle Realitäten bezeichnen, bezieht sich „farbig“ auf eine „biologische“ Einstufung) seitens der Medien sind nicht nur wahllos, sondern haben gefährliche Folgen; nicht zuletzt das Signal, ein konstruierter Phänotyp sei ein Persönlichkeitsmerkmal - eine Verwechlsung, die weiße Menschen hierzulande nicht treffen kann, die aber weitreichende Folgen für die Tradierung von Alltagsrassismus in der Gesellschaft hat.

Die deutsche Unwissenheit im sprachlich gleichberechtigten Umgang mit ethnischen Minderheiten wird dann besonders augenfällig, wenn „farbig“ als Bezeichnung für Schwarze AmerikanerInnen verwendet wird: Vor allem im Hinblick darauf, dass das englische Aequivalent, "coloured(s)", seit langer Zeit von AfroamerikanerInnen entschieden zurückgewiesen wird, diese Tatsache weithin bekannt ist, und die deutschen Beiträge darüber zumeist sogar den Anspruch haben, Deutschen ein Stück amerikanische Kultur oder Rassismusdebatte nahezubringen, ist es unabdingbar, sich bei diesem Thema zumindest genau so gut zu informieren wie bei allen anderen Themen, in denen Bezeichnungen eine Rolle spielen. In England, den USA und Frankreich ist es nicht denkbar, dass seriöse Berichterstattung das Äquivalent der Vokabel „farbig“ verwenden würde.
[...]

Mittwoch, März 19, 2008

Lüneburger wollen rassistischen Straßennamen behalten

via afrika-hamburg.de aus dem Hamburger Abendblatt:

Carl Peters hielt Schwarze für minderwertig
Straße nach Rassist benannt

Eine Umbenennung wurde nach dem Krieg übersehen. Die Anwohner der Carl-Peters-Straße wollen keinen neuen Namen, weil das Geld kostet.

Von Carolin George

Lüneburg - Er war Rassist, ließ Afrikaner hängen und wurde letztlich unehrenhaft aus
dem deutschen Reichsdienst entlassen: der Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika Carl Peters, geboren 1856 in Neuhaus, heute Landkreis Lüneburg. Im Lüneburger Stadtteil Goseburg ist noch heute eine Straße nach ihm benannt. Die Stadtverwaltung will das ändern, stößt aber auf Widerstand bei den Anwohnern.

"Vor Jahren untersuchte eine wissenschaftliche Kommission sämtliche Lüneburger Straßennamen nach möglichen Überbleibseln aus dem Dritten Reich, die nicht bereits direkt nach dem Krieg korrigiert wurden", sagt Daniel Steinmeier aus dem Pressereferat der Stadt. "Entdeckt wurde einzig die Carl-Peters-Straße." Die hatten die Nationalsozialisten laut dem Bürgervereinsvorsitzenden Rüdiger Schulz 1937 "bei Nacht und Nebel und ohne Ratsbeschluss benannt", denn Carl Peters wurde von den Nazis quasi als Urvater nationalsozialistischer Ideen wiederentdeckt.

Laut Internet-Lexikon Wikipedia hatte Peters in der "Kolonialpolitischen Correspondenz" die sogenannten "nicht-weißen Rassen" als minderwertig bezeichnet, als einzige Existenzberechtigung habe er ihnen ein Dasein als Arbeitskräfte unter der Herrschaft weißer Bauern zugebilligt. Seine Entlassung 1897 war mit der unwürdigen Behandlung der Eingeborenen begründet. Rüdiger Schulz: "Man nannte ihn Hänge-Peters, weil er Schwarze nach seinem Belieben hat hängen lassen."

Als Vorsitzender des Bürgervereins spricht Schulz sich für eine Umbenennung der Straße aus, weiß aber auch: "Das wird auf massiven Widerstand der Anwohner stoßen. Die müssten schließlich sämtliche Angaben, Briefpapier und Visitenkarten ändern." Daniel Steinmeier: "Wir haben eine Anwohnerbefragung durchgeführt, und die Mehrheit war dagegen. Wir arbeiten daher weiter an einer Problemlösung."

Zu viel Wind um die Sache wähnt Hans-Peter Breidenbach, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Lüneburg, die in der Carl-Peters-Straße zahlreiche Wohnungen vermietet. "Das ist ein Name, der auf einem Schild steht. Weiter wird das nicht zur Kenntnis genommen. 99,5 Prozent wissen nicht, wer das war, niemand identifiziert sich damit." Eine Umbenennung wäre bürokratischer Aufwand und würde nichts bewirken.

Ein möglicher Kompromiss wäre eine kleine Tafel am Straßenschild mit Informationen über Peters. Entscheiden über den Straßennamen muss der Stadtrat.

Samstag, Januar 12, 2008

Anlässlich des neuen (angeblichen) Nas-Albums...

...möchte ich an dieser Stelle kurz den Def Poetry-Beitrag von Julian Curry vorstellen:



Außerdem re-poste ich das Video, das ich hier schon einmal vorgestellt habe:



In dem Zusammenhang möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass man die von den Brothers Keepers initiierte Petition gegen Rassismus und Sexismus im deutschen Hip Hop noch immmer unterzeichnen und damit die Stimme erheben kann: klick

Und hier die Antwort auf die immer wieder auftretende Frage: "Wer darf das N-Wort benutzen und wieso darf ich es nicht?"



Zur Erklärung: Angeblich will der US-Rapper sein neuestes Album mit einer Version des N-Wortes betiteln. Cover und Tracklist sind seit Monaten im Umlauf, es gab angebliche Dementis und anschließend Klarstellungen, aber der Veröffentlichungstermin (11.12.07) ist ohne Release verstrichen. Auch auf der Seite seines Labels ist nichts über den Release zu finden. Was es nun damit auf sich hat, kann ich nicht beurteilen, allerdings kann ich mir vorstellen, welche Auswirkungen das z.B. auch auf den deutschen Sprachgebrauch und unsere Versuche, diese Worte aus dem Allgemeingebrauch zu streichen, hätte.

Mittwoch, Januar 09, 2008

Oury Jalloh - Nach der Protestveranstaltung in Dessau...

...führte die Junge Welt ein Interview mit Moctar Bah von der "Oury Jalloh-Initiative". Interessant, dass die Journalistin permanent von "Schwarzafrikanern" spricht (was meint sie dann? Schwarze Menschen? Eine von über 50 möglichen afrikanischen Nationalitäten? Schwarz und nicht deutsch?)... Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass Moctar sich so geäußert hat. Anyway, haken wir das mal unter "gut gemeint" ab. Den kompletten Artikel gibt es hier

Bedeutende Ausschnitte:

Was muß sich für Schwarzafrikaner in Deutschland als erstes ändern?

Es gibt viele Fälle von Polizeigewalt und Morden an Schwarzen in Deutschland, die aufgeklärt werden müssen. Z. B. hat die Schwester von Dominique Kouamadio auf unserer Konferenz gesprochen – mit Tränen in den Augen. Ihr Bruder wurde am 14. April 2006 in Dortmund von der Polizei erschossen. Anläßlich des Jahrestages wollen wir am 12. April in Dortmund demonstrieren. Die Staatsanwaltschaft hat es damals als Notwehr abgetan, obwohl Dominique unbewaffnet war. Zum Prozeß kam es gar nicht erst. Das nenne ich institutionellen Rassismus.

Ebenso die Fälle von Laye-Alama Condé in Bremen, John Achidi in Hamburg, N’deye Mareame Sarr in Aschaffenburg und andere, in denen die Ermittlungen offiziell abgeschlossen sind. Sie alle müssen neu aufgerollt werden.

(...)

Die Polizei würde abstreiten, daß dies rassistisch ist, und es »verdachtsunabhängige Kontrolle« nennen. Wie wollen Sie im Einzelfall den Nachweis führen?

Das mag schwer sein, aber das Gesamtbild ist eindeutig. Schwarze werden in Deutschland so oft von der Polizei schikaniert und verdächtigt, daß sich viele nicht mal mehr trauen, zur Polizei zu gehen, wenn sie beleidigt oder verprügelt worden sind. Ich kenne einige, die rassistische Übergriffe nicht angezeigt haben, weil sie von der Polizei weitere Übergriffe befürchtet haben. Wir müssen die Öffentlichkeit sensibilisieren, sonst gibt es keine Chance auf Gerechtigkeit für die afrikanischen Opfer des institutionellen Rassismus der Polizei. Außerdem muß endlich die Residenzpflicht für Flüchtlinge abgeschafft werden, die es erst möglich macht, daß sie durch das Verlassen ihres Landkreises gegen Gesetze verstoßen, die für Deutsche gar nicht gelten.

Freitag, Dezember 28, 2007

Petition gegen rassistischen Buchtitel und Cover

HIER lässt sich eine Online-Petition unterzeichnen.

Hintergrund:

2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste
„Handbuch des Verhörens” (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa)
unter dem Titel Der Weiße Neger Wumbaba”.

2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band “Der Weiße Neger Wumbaba kehrt zurück” heraus. Die Bücher bestehen aus einer Sammlung von „Verhörern”.Unklar bleibt, warum ausgerechnet „Der Weiße Neger Wumbaba” (ursprünglich „der weiße Nebel wunderbar” aus „Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius) als Coverbild und Titel herhalten muss, daher muss davon ausgegangen werden, dass es hierbei ausschließlich um einen reißerischen Aufhänger geht.

Das N-Wort ist eine Beleidigung, die für die Entmenschlichung, Misshandlung, Herabwürdigung und Diskriminierung Schwarzer Menschen steht. Es kann daher nicht zur Unterhaltung und Belustigung Weißer Menschen benutzt werden, egal ob damit Einzelne direkt, oder eine Gruppe indirekt benannt werden (wie im Falle des weißen N`s). Rassismus ist ein Problem, mit dem sich viele nicht-Weiße Menschen auf unterschiedlichen Ebenen täglich konfrontiert sehen. Das Aufbauen einer rassistischen Marke (Die „Wumbaba”-Figur ist inzwischen auch völlig kontextfrei als Schlüsselanhänger erhältlich) kann und darf nicht mit dem Hinweis auf den „harmlosen Inhalt” des Buches oder gar künstlerische Freiheit gerechtfertigt werden.

Rassismus ist niemals harmlos. Künstlerische Freiheit gilt es verantwortungsbewusst einzusetzen, sie endet da, wo sie andere Freiheiten einschränkt – in diesem Falle die Freiheit, in Öffentlichkeit und Unterhaltungsliteratur nicht mit rassistischer Sprache und entsprechendn Bildern konfrontiert zu werden. Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren.Für 2008 ist nun auch noch ein dritter Band geplant: “Das Vermächtnis des Weißen Negers Wumbaba”.

Wir, die Unterzeichner, fordern den Kunstmann-Verlag daher auf, das dritte Buch mit einem Titel und einem Bild zu versehen, die ohne Rassismus auskommen. Wir fordern überdies eine öffentliche Stellungnahme und Entschuldigung für die Aufmachung der bereits erschienenen „Wumbaba”-Bände und die Einstellung der kommerziellen Nutzung und Vermarktung von rassistischen Bildern durch die Reproduktion der „Wumbaba”-Figur.

Diese Petition wird unterstützt von:

der braune mob e.V. media-watch - Schwarze Deutsche in Medien und Öffentlichkeit

ISD-Bund e.V . - Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

ADEFRA e.V. - Schwarze deutsche Frauen und Schwarze Frauen in Deutschland

Ade Bantu, Musiker, Aktivist und Gründer von Brothers Keepers

Hier Petition unterzeichnen: http://www.gopetition.com/online/15829.html


via blog.derbraunemob.de

Dienstag, Juli 31, 2007

Nicht nur Rapper wehren sich gegen N-Worte!

Ich hätte ja kaum gedacht, dass ich mich mal mit den ehemaligen Kiez-Luden verschwestern würde, aber ich freue mich sehr darüber, dass auch Karl-Heinz Schwensen sich erfolgreich gegen rassistische Benennungen wehrt. Ob er sich schon an der Brothers Keepers-Petition beteiligt hat?

Spiegel Online:
Karl-Heinz "Kalle" Schwensen, früher einer der Großen auf dem Hamburger Kiez, mag seinen alten Spitznamen nicht mehr. Er lässt inzwischen manche Blogger und Medien abmahnen, die den alten Namen noch verwenden. Den Spitznamen, der auch im Song "Dein Herz schlägt schneller" der Hamburger Band "Fünf Sterne Deluxe" fällt, in deren Musikvideo Schwensen 1998 auftrat. Heute findet er, der Spitzname sei "rassistisch, diskriminierend, abwertend und daher ansehensmindernd". Die Aktion traf nicht nur die "Taz", die den Spitznamen aus ihrem Online-Archiv löschen musste, auch mehrere Blogger erhielten eine entsprechende Abmahnung und eine Kostennote über 899,40 Euro.
Weiter so!