Freitag, Februar 13, 2009
Freitag, August 01, 2008
Tell 'em, Sam!
Was stört Sie denn an der heutigen Welt?
Wenn man durch die Straßen geht, sieht man: Dieses Land wird immer bunter. Wenn man aber den Fernseher einschaltet, dann ist Deutschland immer noch weiß. Das muss sich ändern. Deshalb habe ich mir was Neues für das Kürzel BRD ausgedacht: Nicht mehr Bundesrepublik Deutschland, sondern: Bunteres, reiferes Deutschland.
Inwiefern reifer?
Das Problem in Deutschland ist: In Deutschland heißt "nicht deutsch aussehen" auch "nicht deutsch sein". Das kann sich nur ändern, wenn Leute mit Migrationshintergrund in Positionen sind, wo das Land sie überall sieht. Nicht in Positionen wie "das ist mein türkischer Gemüsemann an der Ecke", sondern "ah, der ist Nachrichtensprecher, der hat einen türkischen Migrationshintergrund". Das will ich sehen, wenn ich den Fernseher anschalte.
Die Interviewerin Kübra Yücel konnte es leider nicht lassen, Samy als "Farbigen" zu bezeichnen. Für die weniger aufmerksamen BLACKprint-Leser an dieser Stelle nochmals der Verweis auf die Info von derbraunemob e.V. mediawatch zum Thema "Es gibt keine Farbigen": klick
Sonntag, Juli 27, 2008
Über 600,000 Unterschriften gegen die "Propaganda-Maschine" Fox News
Bei Fox wollte man sich nicht mit dem Protest befassen, lehnte die Annahme und jede inhaltliche Auseinandersetzung ab. Man verglich dann lieber die Organisation MoveOn (Partner von ColorOfChange) mit dem KuKluxKlan...
Hier könnt ihr sehen, welche Kampagnen ColorOfChange bereits durchgeführt hat und euch für Newsletter und Updates anmelden: klick
Donnerstag, Juli 10, 2008
Freitag, Mai 23, 2008
Nas lenkt bei Albumtitel ein
Dazu folgende Ausschnitte aus einem Artikel auf laut.de:
In einem Statement kündigte der New Yorker am Montag an, sein Album im Juli ohne Titel veröffentlichen zu wollen. Das N-Wort gilt besonders in den USA als "moralisch anstößig und gesellschaftlich geschmacklos", wie es beispielsweise Baptistenpfarrer Jesse Jackson ausdrückte.
Dass ein schwarzer Musiker gerade jenes tabuisierte Wort für sein Werk nutzen wollte, wurde von vielen als normativer Rückschritt angesehen. Die Black-Community reagierte mit Ärger, Wut und Unverständnis.
[...]Er verzichte aber aus Respekt vor seinen Mitmenschen auf den umstrittenen Titel: "Leute, die nicht wirklich verstehen, was ich mache, haben Angst." Dies könne er nachvollziehen, zumal er verstehe, dass man ihn auch als "respektlos" verstehen könne. Ältere Schwarze aber auch Nicht-Schwarze könnten den Titel in den falschen Hals bekommen.
Donnerstag, Mai 22, 2008
Terminhinweis Berlin: Woche der Mehrsprachigkeit in Neukölln
Hier ein Ausschnitt aus der Beschreibung:
In Wirtschaft, Wissenschaft und Technik entstehen neue globale „Codes“ und Fachsprachen, oft aus Elementen des Englisch unter Hinzufügung von Elementen anderer Sprachen. Die Vielfalt der Sprachen in heterogenen Gesellschaften ist sowohl aus ökonomischer wie aus kultureller Sicht produktiv.
Im Rahmen der Wochen der Sprache und des Lesens wird von Dienstag, 20.05. – Samstag 24.05 das Thema Mehrsprachigkeit im Zentrum wissenschaftlicher und künstlerischer Veranstaltungen stehen.
Dienstag, März 04, 2008
Aktuelles - Links 04.03.2008
- Erykah Badu hat ein neues Album veröffentlicht, in dem sie sich sehr gesellschaftskritisch äußert. Interessant ist, dass der deutsche Journalist Tobias Rapp die Rezension mit dem Titel "Verkiffter Wahnsinn" versieht. Was das Album mit Kiffen zu tun hat, wird zwar nicht wirklich deutlich, aber das scheint dann auch nicht weiter zu stören, denn
"Man muss auch nicht mitmarschieren, zumal es kein Zurück gibt, Badu mag nämlich keine Deserteure ("If you think about turning back / I got a shot gun on ya back"). Braucht man als weißer Europäer ja auch nicht. Doch in ihrer Kompromisslosigkeit wie in ihrem verkifften Wahnsinn ist dies eine wichtige Platte."
Aha, na wenigstens hat er begriffen, dass er weiß und nicht "neutral" ist... [wohl anders als viele der weißen Leser von BLACKprint, die sich in der letzen Umfrage nicht äußern wollten...] - Afro Hesse ist ein Paradebeispiel für das gesellschaftskritische Potential von Kultur, genauer gesagt von Musik, genauer gesagt von HipHop. Ein Mensch, der illegalisiert in diesem Land lebt und deswegen eigentlich unsichtbar ist, veröffentlicht ein Album, damit seine Stimme gehört wird. taz
- Plötzlich gibt es auch in Deutschland "rassistisch motivierte Übergriffe", die nicht fälschlich als rechtsextrem oder fremdenfeindlich bezeichnet werden, wie bei dem Fall des Schwarzen Mannes, der beschimpft und auf ein Gleis gestoßen wurde. Eine erfreuliche Entwicklung nach einem mehr als unerfreulichem (aber leider nicht singulären) Ereignis (Quelle 1, Quelle 2).
- Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Katzhütte haben eine weitere Stellungnahme veröffentlicht, nachdem Vertreter des Landratsamtes und der Gemeindeverwaltung das Gebäude besucht haben, während einem Fernsehteam der Zutritt zur Dokumentation der katastrophalen Zustände verweigert wurde. Hier der Text klick
- Zum Schluss noch der Hinweis auf eine weitere Form des kreativen Protest, den Schwarzes Küchenpersonal in einem Luxus-Restaurant in Paris durchgeführt hat: Ein Streik mit Besetzung des Restaurants, in dem illegalisierte Menschen zum Teil neun Jahre lang zu geringen Löhnen gearbeitet haben und dennoch (bzw. genau deswegen) in einem mehr als prekären Status leben. KLICK
- Und obwohl ich kein Anhänger der Obama-Mania bin und nicht denke, dass mit einem Schwarzen US-Präsidenten alle Probleme gelöst werden (was viele dann natürlich gerne behaupten würden, so wie ich auch schon heute in einer deutschen Zeitung gelesen habe, dass es in den USA keinen offensichtlichen Rassismus mehr geben würde), hier ein schickes Video. Viel Spaß:
Samstag, Februar 16, 2008
Hip Hop positiv
"Hip Hop, das ist ein friedliches Mittel, Kämpfe auszutragen", sagt Manager Reinhard Conen. Ein pädagogisches Ziel der Workshops macht er immer wieder aus: "Rassistische Äußerungen hört man von Jugendlichen, die uns gesehen und erlebt haben, nie wieder!"
Ganzer Text: klick
Samstag, Februar 09, 2008
Brothers Keepers-Kommentar zum aktuellen Fler-Album
In unseren Augen ist das neue Album von Fler “Fremd im eigenen Land” nur ein weiteres Produkt aus dem Hause Aggro Berlin, das durch gezielte Provokation und ein gut durchdachtes Marketingkonzept die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu lenken versucht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Strategie einmal mehr aufgehen und nicht nur ein dickes “Plus” auf den Bankkonten aller Beteiligten hinterlassen, sondern auch seinen Teil dazu beitragen, den “Deutscha Bad Boy”-Nachwuchs in sich zu bestätigen und zu fördern. Eine zu erwartende Entwicklung, die wir natürlich und vor allem vor dem Hintergrund der nach wie vor aktuellen Diskussion über gewaltbereite Jugendliche verurteilen und an das Verantwortungsbewusstsein des Labels und seiner Künstler appellieren - nicht nur in direktem Bezug auf die Fans, sondern auch hinsichtlich des transportierten Images. Doch allem Anschein nach trüben die blitzenden Eurozeichen den Weitblick aller Verantwortlichen. Wir finden dies sehr schade, liegt in der Popularität des Labels doch sehr viel mehr Potential.Ganzer Text hier: klick
Labels: hiphop
Samstag, Januar 12, 2008
Anlässlich des neuen (angeblichen) Nas-Albums...
Außerdem re-poste ich das Video, das ich hier schon einmal vorgestellt habe:
In dem Zusammenhang möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass man die von den Brothers Keepers initiierte Petition gegen Rassismus und Sexismus im deutschen Hip Hop noch immmer unterzeichnen und damit die Stimme erheben kann: klick
Und hier die Antwort auf die immer wieder auftretende Frage: "Wer darf das N-Wort benutzen und wieso darf ich es nicht?"
Zur Erklärung: Angeblich will der US-Rapper sein neuestes Album mit einer Version des N-Wortes betiteln. Cover und Tracklist sind seit Monaten im Umlauf, es gab angebliche Dementis und anschließend Klarstellungen, aber der Veröffentlichungstermin (11.12.07) ist ohne Release verstrichen. Auch auf der Seite seines Labels ist nichts über den Release zu finden. Was es nun damit auf sich hat, kann ich nicht beurteilen, allerdings kann ich mir vorstellen, welche Auswirkungen das z.B. auch auf den deutschen Sprachgebrauch und unsere Versuche, diese Worte aus dem Allgemeingebrauch zu streichen, hätte.
Freitag, Januar 04, 2008
Fragen an die US-Hip Hop-Industrie
Sehr sehenswerter Independent-Film "HipHop: Beyond Beats and Rhymes" (55 min)
Meinungen, Kommentare?
Sonntag, Dezember 30, 2007
Rap-Konsum als kolonialer Akt - bell hooks
Bücher von bell hooks:
Deutsch:
- Black Looks. Popkultur - Medien - Rassismus
- Sehnsucht und Widerstand
- GEWALT/geschäfte
Original:
- Feminism Is for Everybody: Passionate Politics
- Black Looks: Race and Representation
- We Real Cool: Black Men and Masculinity
- All about Love: New Visions (Bell Hooks Love Trilogy)
- The Will to Change: Men, Masculinity, and Love
Labels: alltag, blacknowledgement, hiphop, kolonialismus
Montag, Oktober 08, 2007
Brothers Keepers sprechen über die Kampagne gegen Aggro
In folgendem Video sind Ausschnitte aus der Pressekonferenz auf der Popkomm mit dem Thema "Hip Hop - Quo vadis?" zu sehen, bei der u.a. die Brothers Keepers Adé Bantu und Torch ebenso wie Noah Sow, die Sängerin Abisara Machold und Murat Güngör sich zu der Kampagne gegen Rassismus und Sexismus im deutschen Hip Hop äußern. Hingehen und anschauen!
[Mit Dank an Eric Anders für den Hinweis]
Donnerstag, August 02, 2007
taz über Rassismus und Sexismus im deutschen Rap-Game
Ganz verliebt ins Ghetto-Klischee
(...)Ice-T wusste: Es ist vor allem der weiße, pubertäre Junge aus kleinbürgerlichen bis bürgerlichen Verhältnissen, der ihn in die Charts bringt. Diese Logik herrscht auch in Deutschland. Entscheidend für den kommerziellen Erfolg der Gangsta-Rapper ist der Blick der bürgerlichen Mitte auf das Ghetto. Es ist die Faszination, aus der sicheren Distanz heraus den Kampf im Dschungel der Straße zu konsumieren und damit gleichzeitig gegenüber dem eigenen Elternhaus rebellieren zu können. Gangsta-Rap dient dabei als pubertäre Vorlage zur Provokation gegen die bürgerlichen Normvorstellungen der Eltern. Um als Gangsta-Rapper sichtbar zu werden, müssen Stereotype wie "kriminelle Vergangenheit", "Omnipotenz" und "Gewalt" aufgerufen werden. Diese ästhetischen Codes sind aber häufig rassistisch und sexistisch gefärbt.
(...)
Das hauptstädtische Hiphop-Label Aggro Berlin hat sich auf die Vermarktung dieses Stereotyps spezialisiert. Die hauseigenen Rapper des Labels werden präzise auf die Marktlogik zugeschnitten. Rassistische, nationalistische und sexistische Images dienen dem Label beim Produktaufbau. In der Rap-Szene wird dies als gelungener Marketingcoup gewürdigt. Doch was als vermeintlicher Tabubruch daherkommt, ist nichts anderes als die Reproduktion rückständiger und reaktionärer Bilder über das vermeintliche Migranten-Ghetto. Die Rapper sind dabei Täter und zugleich Opfer dieser Bilder: Ihren Erfolg verdanken sie der Wirkungsmacht rassistischer Stereotype über den krassen Jungen aus dem Ghetto. Allerdings sind sie auch nur vor diesem Hintergrund denkbar.
(...)
Exemplarisch lässt sich diese Entwicklung in Deutschland an den beiden Rappern B-Tight und Massiv verdeutlichen. B-Tight, der eine afrodeutsche Herkunft aufweist, wird von seinem Label Aggro Berlin als krasser "N****" und großer Ficker vermarktet. Seine Ästhetik erinnert dabei stark an die Minstrel-Shows aus den Zeiten der Rassentrennung in den USA: Damals malte sich der weiße Komiker Thomas D. Rice schwarz an, um einem weißen Publikum den "N****" als fröhlichen, singenden und dummen Sklaven vorzuführen. Diese Shows waren erfolgreich, und auch Schwarze spielten diese demütigenden Figuren nach, um Geld zu verdienen. Nun malt sich B-Tight auf seinen Plattencovern schwarz an, um seine Inszenierung als notgeiler, sexbesessener und fröhlicher Partyrocker zu unterstreichen. B-Tight bedient das rassistische Klischee vom Schwarzen, der nur seinem Trieb folgt und mit einem extragroßen Schwanz ausgestattet ist.
(...)
Beide Rapper brechen keine Tabus, sondern bedienen vielmehr eine rassistische Wahrnehmung, in der schon im Voraus festgelegt ist, wie der "N****" oder der "Kanake" zu sein hat. Es sind rückständige Bilder, die ungebrochen in die Unterhaltungsindustrie eingespeist werden. Die Frage ist nur: Was macht dies mit dem pubertären Jungen aus der Mittelschicht, der sie konsumiert? Untersuchungen hierzu fehlen. Es darf aber vermutet werden, dass rassistische und sexistische Stereotype dadurch verfestigt werden.
(...)
Dienstag, Juli 03, 2007
Brothers Keepers Petition gegen Aggro Berlin!
Wanna B Tight? - Then you better get it right!
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Exemplarisch lässt sich diese Gesamtproblematik an der jüngsten Veröffentlichung aus dem Hause Aggro-Berlin/Groove Attack illustrieren: das Album „Neger Neger“ des afrodeutschen Rappers B-Tight (aka Bobby Dick). Seit der Veröffentlichung des Albums kleben überall in deutschen Großstädten Werbe-Sticker mit der Aufschrift „Neger Neger“ – offensichtlich wenig kreative Auswüchse einer Werbekampagne, die Aufmerksamkeit erregen will und dabei keine Grenzen kennt.
Sowohl der Albumtitel als auch die Liedtexte (Bsp.: „Wer rammt immer noch sein Penis in dein Loch, sag mir wer ist immer straff? Der Neger Neger!“) und die Werbekampagne sind nicht hinnehmbar. Das Wort „Neger“ (in Folge N-Wort genannt) ist eine rassistische Beleidigung. Wir lehnen die Verwendung des N-Wortes, egal ob als Fremd- oder Selbstbezeichnung, ab – genauso wie jegliches sadistisch-sexistisches Vokabular.
Das N-Wort steht für die Herabwürdigung und Entmenschlichung Schwarzer Menschen. Dies zeigt sich sowohl in der deutschen Geschichte (Sklaverei, Kolonialismus, Genozid, Zwangssterilisierung, Ermordung in Konzentrationslagern) als auch in der deutschen Gegenwart. So sangen die faschistischen Mörder von Alberto Adriano das kolonialrassistische deutsche Kinderlied „Zehn kleine Negerlein“, während sie den mehrfachen Familienvater feige und brutal zu Tode traten. Zudem bedient sich die rechtsextreme Polit-Szene allzu gerne des N-Wortes, wie die jüngsten Aussagen über „arrogante Wohlstandsneger“ des NPD-Fraktionschefs, Holger Apfel, im Sächsischen Landtag zeigen.
Die Auswirkungen rassistischer und sexistischer Gewalt durch Sprache dürfen nicht unterschätzt werden, ihre Verbreitung über Tonträger und Medien lässt sich nicht durch die viel zitierte künstlerische Freiheit rechtfertigen. Es geht hier nicht um formelhafte Political Correctness, sondern um R-E-S-P-E-K-T und um Verantwortung. B-Tight repräsentiert in keiner Weise die Schwarze Community in Deutschland, sondern allein seine eigenen gewinnmaximierenden Interessen und die seines Labels Aggro Berlin. Seine Sprachwahl und Herkunft können und dürfen nicht herangezogen werden, um rassistische Begriffe zu legitimieren. Der Umgang mit Sprache reflektiert und kreiert natürlich das zwischenmenschlichen Klima innerhalb einer Gesellschaft und leistet der nach wie vor ausgeprägten verbalen und physischen Gewaltbereitschaft gegenüber Schwarzen Menschen in Deutschland Vorschub. Schon jetzt singen Jugendliche öffentlich – da sie weder von politischer, pädagogischer oder medialer Seite ausreichend Orientierungshilfen erhalten - Auszüge aus B-Tights Liedern und skandieren den Refrain. Letztlich führt die klischeehafte Selbstdarstellung B-Tights als sexbessener, perverser und hyperpotenter Schwarzer Vergewaltiger und Aufreißer zu einem ungehinderten Konsum frauenfeindlicher und vermeintlich „authentisch Schwarzer“ phallischer Phantasien. Rassismus und Sexismus werden so zur Ware für ein junges Publikum gemacht, das auch für die Bestätigung entsprechender Vorurteile zahlt.
Daher fordern wir:
- von dem Label Aggro Berlin ein Ende der Produktion und Vermarktung rassistischer und sexistischer Images und Inhalte sowie die sofortige Beendigung der Streetmarketing Kampagne zu "Neger Neger" und das Einstampfen noch vorhandener Sticker
- von dem Vertrieb Groove Attack die Einstellung des Vertriebs des B-Tight Albums "Neger Neger"
- von den Musiksendern einen Rotationsstop rassistisch und sexistisch motivierter Videoclips und von Magazinen, Zeitungen und Fanzines das Ende unreflektierter Berichterstattung und ungehemmten Profitschlagens aus Anzeigen, die mit der Beleidigung Schwarzer Menschen und der Herabwürdigung von Frauen werben
- ein Ende des Schweigens in der deutschen HipHop Community und der Musikindustrie, in der das Eintreten für Respekt und gegen Rassismus selbstverständlich sein sollte
Also bitte geht hin und unterzeichnet die Petition, damit diese Zumutung von B-Tight nicht mehr als Legtitimation für die Beschimpfung und Degradierung von Schwarzen Menschen genutzt werden kann!
Sonntag, Mai 06, 2007
Rückblick: Don Imus
Den Anfang mache ich mit dem Fall des weißen US-amerikanischen Radio-Moderators Don Imus, der die Spielerinnen der College-Basketball-Mannschaft der Rutgers University als "nappy-headed hos" bezeichnet hat. Nach einem großen Aufruhr wurde er von CBS und NBC gefeuert.
Hier die Links zu verschiedenen Phasen der Kontroverse:
- Media Matters 04.04.2007: Der Anfang der Geschichte inklusive des Videos mit Imus' Entgleisungen
- CNN, 10.04.2007: "Rutgers Players describe how Imus' remarks hurt"
- CBS NEWS 12.04.2007: "CBS fires Imus over racial slur"
Jackson called the firing “a victory for public decency. No one should use the public airwaves to transmit racial or sexual degradation."- CNN 14.04.2007: "Newly fired Imus meets with Rutgers players"
Said Sharpton: “He says he wants to be forgiven. I hope he continues in that process. But we cannot afford a precedent established that the airways can commercialize and mainstream sexism and racism."
- Afro-Netizen 18.04.2007: "Who's to blame? Thoughts on Imus & HipHop"
Mittwoch, Mai 02, 2007
Falsche Ehre für Fanta 4
In manchen ignoranten Medienprodukten scheint sich ein Irrglaube zu halten, dem jeder vehement widerspricht, der sich mit der Geschichte des deutschen Hip Hop auseinandergesetzt hat: die Fanta 4 hätten ihn erfunden:
"Anfang der Neunzigerjahre waren es Smudo, And.Ypsilon, Dee Jot Hausmarke alias Michi Beck und Thomas D. die Begründer und, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, die Speerspitze des deutschsprachigen Hip-Hop. Bis dahin kamen Rapper aus Amerika, waren schwarz und erzählten finstere Ghetto-Geschichten."Also, dass die Rapper Schwarz waren und in "Ghettos" in der Bronx lebten, hat Hip Hop als Kultur und Artikulationsform hervorgebracht - dies war die Grundlage von Rap und den Schwester-Disziplinen Graffiti, Breakdance und DJaying. Auch in Deutschland waren es Jugendliche mit Migrationshintergrund, die als erste im Hip Hop/Rap ein Medium fanden, um sich auszudrücken. MC Torch war wohl der erste, der auf einer Jam auf Deutsch gerappt hat und in den 1980er Jahren fing Rap in Deutschland mit afrodeutschen, türkischstämmigen und anderen migrantischen Gruppen und Künstlern an. Dass die Fantastischen Vier die ersten mit einem Major-Deal waren, hängt nun mal wieder damit zusammen, wen die weiße Mainstream-Öffentlichkeit vermarkten bzw. sehen und hören will. Zur Erinnerung an die Pioniere des deutschen Hip Hop hier ein Video von Advanced Chemistry:
Mehr Infos:
- Online-Dossier über deutschen HipHop
- TheBlackBook. Deutschlands Häutungen
- ... represent what. Performativität von Identitäten im HipHop
- Fear of a Kanak Planet. HipHop zwischen Weltkultur und Nazi-Rap. Mit Diskografie
- 25 Jahre HipHop in Deutschland
Dienstag, Mai 01, 2007
Alles neu macht der Mai...
- Masai-Walking: Neue Sportart gefällig? Dafür hat man sich einen ganz besonderen neuen Trend ausgedacht: "Ausgeführt wird diese Walkingtechnik in einem speziellen MBT-Schuh. In diesem Schuh geht man barfuss wie auf Moos oder auf einem Sandstrand. Durch abwechslungsreiche Übungen mit verschiedenen Hilfsmitteln (z.B. Seile) macht Masai Walking auch noch Riesenspaß und fördert die Kraft, Koordination und die Ausdauer."
- Popstars-Syndrom: Da verschwinden mal wieder ein paar Sternchen in der Versenkung und der Popstars-Produzent hat folgende Erklärung: "Hinzu kommt auch noch, dass die drei Mädchen nicht unbedingt der Prototyp der blonden Deutschen sind”, erklärte Roost-Macias." So weit, so gut und ein Argument, über das man einmal nachdenken könnte. Doch der Autor widerlegt sofort: "Ein komisches, fast schon Rassismus unterstellendes Argument (...)"
Interessant, wie der Kardinalfehler immer wieder ist, Rassismus zu unterstellen und nicht, dass er existiert (ob das nun in diesem Fall eine Rolle spielt, mag ich nicht zu beurteilen, aber es ist ein schönes Beispiel dafür, wie diese Argumente sofort vom Tisch gefegt werden)
- "Regierung stellt sich blind und taub": Nichts Neues, aber dafür mal auf den Punkt und hochoffiziell: für die Bundesregierung sei Rechtsextremismus offenbar nur dann ein Problem, wenn er dem Image Deutschlands im Ausland schade. Man scheine nach der Maxime zu handeln: "Je weniger die faschistische Gefahr in der Öffentlichkeit bekannt wird, desto besser. Darum wird verharmlost, wo es nur geht."
- Hip Hop Summit Action Network: Rund um Russell Simmons werden HipHop-Artists, Produzenten und Medien dazu aufgefordert, die frauenfeindlichen und rassistischen Begriffe "ho", "bitch" und "ni***" zu unterlassen bzw. zu beepen oder auszublenden. Bin ja mal auf die Umsetzung gespannt. Und natürlich auch darauf, ob solche Messages sich auch auf den europäischen Hip Hop auswirken, wo die gleichen Worte ja mal einfach unreflektiert übernommen werden.
- Falsche Ehre für Fanta 4: Die Fantas sagen zwar selten "Ho" (wobei ich mich an ein Lied erinnere, das mit "1 und 1, Kondom nehm ich keins" beginnt und nicht gerade frauenfreundlich weitergeht, aber das nur nebenbei), aber in manchen ignoranten Medienprodukten scheint sich ein Irrglaube zu halten, dem jeder vehement widerspricht, der sich mit der Geschichte des deutschen Hip Hop auseinandergesetzt hat: die Fanta 4 hätten ihn erfunden: "Anfang der Neunzigerjahre waren es Smudo, And.Ypsilon, Dee Jot Hausmarke alias Michi Beck und Thomas D. die Begründer und, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, die Speerspitze des deutschsprachigen Hip-Hop. Bis dahin kamen Rapper aus Amerika, waren schwarz und erzählten finstere Ghetto-Geschichten."
Was es dazu von mir zu sagen und zeigen gibt, seht ihr hier
Dienstag, April 03, 2007
"JFK in Schwarz": Was weiße Redakteure über Obama sagen
"Und Afroamerikaner konnten besonders grausam mit ihresgleichen umgehen. Nur ein Beispiel aus längst überwunden geglaubten Zeiten: Hollywood, Oscar-Verleihung, 1940. Hattie McDaniel erhielt die erste afroamerikanische Trophäe in der Kategorie "beste Nebendarstellerin". Sie spielte das resolute Hausmädchen Mammy im Bürgerkriegsepos "Vom Winde verweht". Eine tragische Geschichte: Nicht nur, dass McDaniel an der Premiere des Films nicht teilnehmen durfte, weil sie schwarz war, nein, auch von Teilen der Bürgerrechtsbewegungen wurde sie bis zu ihrem Tod 1952 angefeindet. Der Vorwurf: Verherrlichung der Sklaverei."Was es mit der Darstellung von Schwarzen bzw. der Versklavung in diesem Film auf sich hatte, wie durch die Rolle einmal mehr das Stereotyp der "Mammy" tradiert wurde, darum geht es Thilo Knott nicht. Auch nicht darum, dass es der Community in ihrer Kritik möglicherweise nicht um die Darstellerin als Person ging, sondern darum, in welchen eingeschränkten Bereichen es Schwarzen Menschen möglich war (und ist) in einer rassistischen, weißen Mehrheitsgesellschaft erfolgreich zu werden. Wir alle haben die Wahl, das Spiel mitzuspielen, um dann für unsere Performanz der Vorurteile "belohnt" zu werden, oder dafür zu kämpfen, als Individuen wahrgenommen zu werden - und als Menschen noch dazu! Dies ist eine Frage, mit der sich in Deutschland zum Beispiel der Verein "Schwarze Filmschaffende in Deutschland" beschäftigt.
Doch Thilo Knott hat noch mehr Weißheiten auf Lager, so zum Beispiel Folgendes über einen Muhammad Ali-Kampf:
"Ali wollte Patterson demoralisieren - und schrie ihn während des Kampfes immer und immer wieder an: "Komm schon, weißer Amerikaner!" Ali war sozusagen der erste Rapper auf dem Weg der Emanzipation der Schwarzen."Aha, weil er seinen Gegner als weißen Amerikaner beschimpft hat, ist er ein Rapper. Interessanter Zusammenhang bzw. ein interessantes Verständnis von HipHop. Wenn ich also "blöder weißer Autor!" schreie, bin ich schon zur Rapperin geworden. Und ich dachte immer, da gehöre ein bisschen mehr dazu...
Der folgende Absatz zeigt dann das gesamte Ausmaß seiner Ignoranz: Er bemüht sich, den von Malcolm X oft verwendeten "House vs. Field Negroe"-Vergleich ins Spiel zu bringen und schafft es noch nicht mal, die in seinem Kopf präsenten N-Worte korrekt zu schreiben (deshalb ausnahmsweise mal ausgeschrieben):
"Vielleicht schuf dieser Weltmeisterschaftkampf die Gegenüberstellung, die auch heute, selbst in der Obama-Kontroverse, noch nachwirkt: unangepasster (schwarzer) "Niggar" gegen angepassten (weißen) "Niggar". Auch heute noch? Gut 40 Jahre später? Klar, sollte man meinen, diese Antipoden afroamerikanischen Bewusstseins seien überwunden. Keineswegs.""Antipoden afroamerikanischen Bewusstseins", die "überwunden" werden müssen. Was für ein Glück, dass er uns aufklärt! Auch eine deutsche Version mit N-Wort folgt noch.
Schließlich konstatiert er zwischen den erfolgreichen und den andern Schwarzen einen "Riss zwischen ihnen, den leistungsorientierten Optimisten afrikanischer Einwanderer, und den anderen, den afroamerikanischen Teilen der Verweigerungshaltung". Aha, leistungsorientierte Optimisten gegen sich verweigernde (wahrscheinlich auch noch faule, primitive und sexbesessene nebst allen anderen Kolonial-Klischees, die uns sonst noch einfallen würden), äh, sagen wir doch einfach mal, N***r. Sind doch alle selbst schuld, wenn aus ihnen nichts wird!
Wollen Sie uns das sagen, Herr Knott?
Und bei der Emanzipation geht es natürlich nicht um die Befreiung von Rassismus, sondern um Folgendes:
"Zumindest ein Teil der Afroamerikaner hat sich emanzipiert von der vormals natürlichen Verbindung zwischen Hautfarbe und (politisch-gesellschaftlicher) Identität."Na, wenn diese Erkenntnis "zumindest" bei einem Teil angekommen ist, besteht ja noch eine Chance. Vielen Dank für die Lektion, Herr Knott!