Sonntag, Dezember 30, 2007

Rap-Konsum als kolonialer Akt - bell hooks

Gerade bin ich auf ein Video gestoßen, in dem die wunderbare bell hooks über HipHop spricht und kritische Interpretationen über viel genutzte Begriffe wie "Authentizität" und über die Repräsentation Schwarzer Frauenkörper liefert. Meinungen?


Bücher von bell hooks:
Deutsch:
- Black Looks. Popkultur - Medien - Rassismus
- Sehnsucht und Widerstand
- GEWALT/geschäfte

Original:
- Feminism Is for Everybody: Passionate Politics
- Black Looks: Race and Representation
- We Real Cool: Black Men and Masculinity
- All about Love: New Visions (Bell Hooks Love Trilogy)
- The Will to Change: Men, Masculinity, and Love

Freitag, Dezember 28, 2007

Oury Jalloh - Postkarte, Protest und Konferenz



KEIN VERGESSEN, KEIN VERGEBEN - Eine Stellungnahme der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh http://thevoiceforum.org/node/619
****

Hiermit rufen wir alle Menschen auf, an den Konferenzen in Berlin und Dessau und der Demonstration in Dessau in Gedenken an Oury Jalloh, Laye Konde, Dominique Koumadio und anderen Opfern rassistischer Polizeibrutalität teilzunehmen.

05. JANUAR 2008 - GEDENK-KONFERENZ IN BERLIN FüR DIE OPFER RASSISTISCHER POLIZEIGEWALT; 16 UHR, ORT: MEHRINGHOF, GNEISENAUSTR. 2A; U6/U7 MEHRINGDAMM

06. JANUAR 2008 - BLACK-AFRICA KONFERENZ IN DESSAU; 12 UHR, BEAT CLUB

07. JANUAR 2008 - DEMONSTRATION ZUM 3. JAHRESTAG DES MORDES AN OURY JALLOH IN DESSAU

KEINER WIRD VERGESSEN! FÜR AUFKLÄRUNG, GERECHTIGKEIT, ENTSCHÄDIGUNG!

Essay online

Grada Kilomba The Mask: Remembering Slavery, Understanding Trauma
By Grada Kilomba, writer and psychologist from the West African Islands Sao Tomé e Príncipe, works predominantly as a writer and as a lecturer to the topics: Psychoanalysis, Slavery, Colonialism, Trauma and Memory. http://www.gradakilomba.com/

There is a mask, from which I heard many times during my childhood. The many recountings and the detailed descriptions seemed to warn me that those were not simple facts of the past, but living memories buried in our psyche, ready to be told. Today, I want to re-tell them. I want to speak about that brutal mask of speechlessness.

Whole text

Petition gegen rassistischen Buchtitel und Cover

HIER lässt sich eine Online-Petition unterzeichnen.

Hintergrund:

2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste
„Handbuch des Verhörens” (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa)
unter dem Titel Der Weiße Neger Wumbaba”.

2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band “Der Weiße Neger Wumbaba kehrt zurück” heraus. Die Bücher bestehen aus einer Sammlung von „Verhörern”.Unklar bleibt, warum ausgerechnet „Der Weiße Neger Wumbaba” (ursprünglich „der weiße Nebel wunderbar” aus „Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius) als Coverbild und Titel herhalten muss, daher muss davon ausgegangen werden, dass es hierbei ausschließlich um einen reißerischen Aufhänger geht.

Das N-Wort ist eine Beleidigung, die für die Entmenschlichung, Misshandlung, Herabwürdigung und Diskriminierung Schwarzer Menschen steht. Es kann daher nicht zur Unterhaltung und Belustigung Weißer Menschen benutzt werden, egal ob damit Einzelne direkt, oder eine Gruppe indirekt benannt werden (wie im Falle des weißen N`s). Rassismus ist ein Problem, mit dem sich viele nicht-Weiße Menschen auf unterschiedlichen Ebenen täglich konfrontiert sehen. Das Aufbauen einer rassistischen Marke (Die „Wumbaba”-Figur ist inzwischen auch völlig kontextfrei als Schlüsselanhänger erhältlich) kann und darf nicht mit dem Hinweis auf den „harmlosen Inhalt” des Buches oder gar künstlerische Freiheit gerechtfertigt werden.

Rassismus ist niemals harmlos. Künstlerische Freiheit gilt es verantwortungsbewusst einzusetzen, sie endet da, wo sie andere Freiheiten einschränkt – in diesem Falle die Freiheit, in Öffentlichkeit und Unterhaltungsliteratur nicht mit rassistischer Sprache und entsprechendn Bildern konfrontiert zu werden. Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren.Für 2008 ist nun auch noch ein dritter Band geplant: “Das Vermächtnis des Weißen Negers Wumbaba”.

Wir, die Unterzeichner, fordern den Kunstmann-Verlag daher auf, das dritte Buch mit einem Titel und einem Bild zu versehen, die ohne Rassismus auskommen. Wir fordern überdies eine öffentliche Stellungnahme und Entschuldigung für die Aufmachung der bereits erschienenen „Wumbaba”-Bände und die Einstellung der kommerziellen Nutzung und Vermarktung von rassistischen Bildern durch die Reproduktion der „Wumbaba”-Figur.

Diese Petition wird unterstützt von:

der braune mob e.V. media-watch - Schwarze Deutsche in Medien und Öffentlichkeit

ISD-Bund e.V . - Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

ADEFRA e.V. - Schwarze deutsche Frauen und Schwarze Frauen in Deutschland

Ade Bantu, Musiker, Aktivist und Gründer von Brothers Keepers

Hier Petition unterzeichnen: http://www.gopetition.com/online/15829.html


via blog.derbraunemob.de

Sonntag, November 25, 2007

News & Links 25.11.2007

Nicht nur, weil ich durch neuen Job, neue Stadt und neue Nichte gerade ganz schön eingebunden bin, sondern auch, weil ich dringend eine Pause gebraucht habe, hat man hier lang nichts mehr gehört. Dafür geht es nun mit einer ganzen Ladung von Links und Hinweisen weiter:

  • Leipziger Aktion "Laut gegen Nazis" stößt in der Wirtschaft nicht auf Zuspruch:
    "Der Initiator der Aktion «Laut gegen Nazis», der Hamburger Jörn Menge, berichtete von seinen Versuchen, Wirtschaftsunternehmen mit ins Boot zu bringen. So sollten unter anderem Mittel zur Finanzierung einer Tournee mit Musikern durch solche Orte aufgebracht werden, in denen das Problem des Rechtsextremismus besonders auffällig sei. Von 200 von ihm angesprochenen Unternehmen hätten aber lediglich sieben ihre Unterstützung zugesagt. Mehr als 97 Prozent der angeschriebenen Firmen hätten gar nicht reagiert, ein Marmeladenhersteller habe geantwortet, die Initiative sei in seinem Haus unerwünscht. Jung nannte es notwendig, dass die Wirtschaft sich bei dieser oder ähnlichen Initiativen engagiere. Zunehmend erkenne man, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Nazi-Problematik eine Standortfrage seien."
  • European Black Women's Congress: Es wird im März 2008 ein Follow-up zum ersten Kongress geben, genaue Daten werden demnächst hier veröffentlicht.
  • Möllner Mörder frei: Auch der zweite "Attentäter" aus Mölln wurde mittlerweile aus der Haft entlassen - nicht nur er selbst hat das beantragt,
    "sondern auch die Bundesanwaltschaft. Michael P. habe sich mit seiner Tat auseinandergesetzt, von der rechten Szene abgewandt und gehe bereits einer Arbeit nach, sagte eine Sprecherin des Oberlandesgerichts Schleswig der Süddeutschen Zeitung."
    Allerdings, wenig überraschend:
    "Mehr Nazis, ausgerechnet in Mölln, das stellt auch Axel Michaelis fest. Er arbeitet seit 1992 als städtischer Streetworker. Damals, vor den Brandanschlägen, zählte er etwa 20 rechte Jugendliche in Mölln und noch mal 50 aus der Umgebung, unter ihnen eine Handvoll Skinheads. Eineinhalb Jahre nach den Anschlägen war die Gruppe auf einige wenige geschrumpft, die kurzhaarigen Kerle waren die neuen Hassobjekte in der Stadt. Jahrelang verharrte die rechte Jugend-Szene im Verborgenen. Doch seit einigen Jahren wachse sie wieder, sagt Michaelis. Vergangenen Juni versuchten Rechtsextreme in die Begegnungsstätte einzubrechen. Die Täter rammten vergeblich einen Fahrradständer gegen die Haustüre und hinterließen einige Nazi-Aufkleber. "Und seit einem halben Jahr gehen rechte Jugendliche wieder selbstbewusst durch die Stadt", darunter zwei Skinheads. "Warum, weiß ich nicht", sagt Michaelis."
  • Interview zum Thema
  • Lesetipp: 4-teiliger Report über Islamophobie in Deutschland
  • Bericht: Anti-Repressionsdemo in Rostock am 17.11.
  • Termin: Oury Jalloh-Gedenken am 01.12.2007 in Jena

Sonntag, November 11, 2007

Terminhinweis Hamburg: Treu bis in den Tod" - Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen

Mittwoch, 14.11.2007, 18.00 Uhr
Marianne Bechhaus-Gerst, Universität Köln

Die Lebensgeschichte des "Askari" Mahjub bin Adam Mohamed (alias Mohamed Husen):
Der Sudanese Mahjub bin Adam Mohamed ließ sich 1914 als Söldner der Kolonialtruppe in Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, anwerben. 1930 kam er als Kolonialmigrant nach Deutschland. Er spielte in den dreißiger Jahren kleinere Rollen in mehr als 20 Spielfilmen. Trotz der Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime blieb er im Land. 1941 wurde der Unbequeme zum Schweigen gebracht, indem man ihn ohne Prozess in das KZ Sachsenhausen einwies, wo er drei Jahre später starb.

Moderation: Heiko Möhle, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.

Marianne Bechhaus-Gerst: „Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen. Eine Lebensgeschichte

Veranstaltungsort: Universität Hamburg, Hauptgebäude Flügel Ost, Asien-Afrika-Institut, Raum 221, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg.

Dienstag, Oktober 23, 2007

Ein Hotel bekennt Farbe

Weil's so nett ist, hier der komplette Text ohne weiteren Kommentar:

DRESDEN. Es gibt sie anscheinend noch, die Zivilcourage. Die NPD-Landtagsfraktion in Sachsen bekam zum Wochenende einen Brief mit folgendem Wortlaut:

"NPD Fraktion im Sächsischen Landtag
Herren H. Apfel und A. Delle
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden

Dresden, 18. Oktober 2007

Ihre Zimmerreservierung im Holiday Inn Dresden

Sehr geehrter Herr Apfel,
sehr geehrter Herr Delle,

wir erhielten heute Ihre über www.hotel.de getätigte Reservierung für den 7. November 2007 und sind einigermassen erstaunt, dass Sie ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen.

Da Sie in unserem Hause nicht willkommen sind und ich es auch meinen Mitarbeitern nicht zumuten kann, Sie zu begrüssen und zu bedienen, haben wir hotel.de gebeten, die Buchung zu stornieren.

Sollte dies aus vertraglichen Gründen nicht möglich sein, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Hause durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde. Betrachten Sie dies als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Schäden, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besuchern zugefügt haben.

Eine Kopie dieses Schreibens leiten wir an die Dresdner Presse weiter.

In der Hoffung, daß Sie eine zu Ihnen passende Unterkunft finden und uns Ihr Besuch erspart bleibt verbleiben wir

mit freundlichen Grüssen
MACRANDER HOTELS GmbH & Co. KG

Johannes H. Lohmeyer
Geschäftsführer


[Mit Dank an Sonja für den Hinweis]


Mügeln aus afrodeutscher Perspektive Teil 2

Nach dem ersten Interview mit der Antirassismus-Trainerin Manuela Ritz, gibt es nun in der ZEIT eine Reportage über Manuelas Rückkehr nach Mügeln, wo sie in ihrer alten Schule einen Antirassismus-Workshop durchgeführt hat.
Ausschnitt:
„Diskriminierung funktioniert nur, wenn es eine Mehrheit gibt, die nichts sagt“, sagt Ritz. „Qui tacet, consentire videtur“, lautet daher ein alter Rechtsgrundsatz: „Wer schweigt, scheint zuzustimmen.“

Wenn sie die Übung mit Erwachsenen mache, erzählt Manuela Ritz, höre sie oft den Satz: „Wenn das echt gewesen wäre, nicht nur ein Spiel, hätte ich was gemacht.“ Das, sagt sie, finde sie interessant. „Sie hatten nichts zu verlieren außer ihrem Platz neben den Getränken und den Snacks. Wenn sie sich draußen einmischen, ist die Gefahr echt, dort kann man etwas verlieren. Ich frage mich daher schon, ob man dieser Aussage glauben kann.“

Bis zu 50 Mügelner sollen zugesehen haben, wie 12 andere drohten, die Pizzeria „Piccobello“ zu stürmen und die dort hineingeflüchteten Inder zu verprügeln. Es ist nicht klar, ob sie dafür oder dagegen waren, sie applaudierten den Schlägern wohl nicht, doch taten sie auch nichts, um sie aufzuhalten.

[Mit Dank an Nicola für den Hinweis]

Montag, Oktober 15, 2007

Schönes Ding: Hagenbeck baut Kolonial-Hotel

Die Hagenbeck-Dynastie hat ja so einige schöne Dinge nach Hamburg gebracht (Beispiel) und nun wird diese Tradition auf besonders geschmackvolle Weise fortgesetzt:
Das Hamburger Abendblatt meldet 11.10.2007 unter der Überschrift "Hagenbeck-Hotel im Kolonialstil":
"... 2009 soll die Eröffnung des 159-Zimmer-Hauses gefeiert werden. Das Lindner-Park-Hotel Hagenbeck... soll das 'erste Tierpark-Themen-Hotel der Welt' werden. So wird das Haus, das nur wenige Meter vom Hagenbeck-Haupteingang entfernt liegt, im Kolonialstil gestaltet. Die Stockwerke sollen mit Materialauswahl und Inneneinrichtung die Kontinente Afrika, Asien und Südamerika widerspiegeln. ..." Familien und Geschäftsreisende fänden dabei ein "außergewöhnliches Ambiente in Stadtnähe", so das Abendblatt.

www.abendblatt.de/daten/2007/10/11/803417.html

Der Hamburger Impresario Carl Hagenbeck gilt als der Erfinder der 'Völkerschauen', die er im großen Stil weltweit veranstaltete und die Menschen aus 'fremden' Kulturen in entwürdigender Weise in Tierparks und (Welt)Ausstellungen vor Pappmaché-Kulisse zur Schau stellten. Die Zoo-Besucher imaginierten sich in exotische Welten hinein, die mit dem Alltag der Darsteller nichts zu tun hatten. "Dass ganze Völker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerieten, ist eng verbunden mit der Ausbreitung des Kolonialismus. ... Völkerschauen haben wohl nicht unwesentlich zu einer Verfestigung rassistischer Haltungen beigetragen." Zitat aus wikipedia -> mehr Wie hochsensibel das Thema bis heute ist, zeigt eine neuliche kontroverse Debatte: 2005 sah sich die Direktorin des Augsburger Zoos mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, als dort die Afrika-Schau 'African Village' präsentiert wurde. -> mehr u.a.: www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/682/54628

In diesem Jahr feiert der Tierpark in Hamburg-Stellingen sein 100jähriges Jubiläum. Bisher blieb kritischen Forschern das Hagenbeck-Archiv verschlossen. Noch heute werden im Zoo sog. 'Dschungelnächte' präsentiert unter Einsatz von Mensch und Tier mit "tropischen Klängen, Shows und Exotik". Der Neubau eines Hagenbeck-Hotels im Kolonialstil scheint in fragwürdig ungebrochener Tradition zu stehen.

Der 'Kolonialstil' hat auch anderweitig Hochkonjunktur: ob in zahlreichen Möbelgeschäften oder in der schicken Compagnie Coloniale in Hamburgs City.

[via afrika-hamburg, mit Dank an Romao für den Hinweis]

Dienstag, Oktober 09, 2007

Montag, Oktober 08, 2007

Brothers Keepers sprechen über die Kampagne gegen Aggro

In folgendem Video sind Ausschnitte aus der Pressekonferenz auf der Popkomm mit dem Thema "Hip Hop - Quo vadis?" zu sehen, bei der u.a. die Brothers Keepers Adé Bantu und Torch ebenso wie Noah Sow, die Sängerin Abisara Machold und Murat Güngör sich zu der Kampagne gegen Rassismus und Sexismus im deutschen Hip Hop äußern. Hingehen und anschauen!

[Mit Dank an Eric Anders für den Hinweis]

Kurze Geschichte des Wortes "Nigga" in den USA

Dienstag, Oktober 02, 2007

Mehr über den Black European Women's Congress

Berichterstattung, Fotos und Videos vom Kongress gibt es bei Black Women in Europe

Die Vienna Declaration - Black European Women's Congress

Letzte Woche habe ich als eine von über 80 Schwarzen Frauen aus Europa (dort vertreten: 16 EU-Länder und die Schweiz), am ersten "Black European Women's Congress" teilgenommen. Dort wurde folgende "Vienna Declaration" mit Forderungen und Handlungsempfehlungen an die EU erarbeitet (hier die englische Originalversion, da die deutsche Version leider abweicht):
Declaration of the Black European Women´s Congress
Vienna, 27 – 29th September 2007
We Black European Women from 16 EU Member States, and Switzerland, gathered in Vienna from 27 – 29th September 2007 within the framework of the European Year for Equal Opportunities for All; under the initiative of AFRA – International Center for Black Women’s Perspectives (Austria) and coorganised by Tiye International, (The Netherlands) hereby announce the creation of the Black European Womens Network (BEWNET)

We, Black European Women, insist on the recognition of the crucial role played by Black Women economically, politically, culturally and socially in the European context. We are determined to implement and mainstream Black Women´s Empowerment in Europe as a core policy issue

Our gathering here is an indication of the necessity for the EU to dialog with Black Women’s Organisations EU-wide. The European Year for Intercultural Dialog therefore presents an opportunity to initiate and strengthen partnerships and alliances. We welcome purposeful efforts to engage with the EU in the implementation and in consequence in the securing and exercising of our Rights as full citizens of the EU and EEA

Black European Women Congress 2007 Recommendations to the EU

1. Identity and Empowerment
• Despite the legal framework, forms of multiple discrimination, including gendered racism, continue to exist. The Black European Women Congress recommends the enforcement and implementation of Article 13 to eradicate all forms of discrimination across all member states.

2. Challenges faced by Black youths
• Educational System and Civil Services must incorporate Anti-Racism training and qualification for personnel at all levels and recruit Black professionals. In addition, we recommend to set up legal guidelines for all public and corporate educational institutions to offer anti-racist material, services and curriculum

3. Psychological conflicts affecting black communities especially Black women and children
• The Black European Women Congress recognizes mental health as a primary issue pertaining to Black communities dealing with racism. Government must provide financial and structural means to allow the establishment of autonomous institutions that provide mental health care for Black people dealing with the effects of racism

4. Current Barriers of Black Women to the European Labour Market
• Companies and employers are required to implement Human Resources measures and tools designed to recruit Black personnel reflecting the diversity they express in their mission statements

5. Political Participation
• Development of programs which assure, support and include appropriate political representation and participation of Black women

Saturday, Sep 29, 2007


Freue mich über Meinungen und Kommentare!

Sonntag, September 30, 2007

Nach 5 Monaten: Richtigstellung zu meiner Veröffentlichung

Wie hier angekündigt, wurde im April einer meiner Texte im Journal 360 Grad veröffentlicht. Obwohl ich mir von Anfang an eine Endabnahme meines Textes vorbehalten habe, wurden nach dieser Endabnahme noch Veränderungen vorgenommen, die meinen Text in eine Richtung gelenkt haben, mit der er ursprünglich nichts zu tun hatte. So wurde plötzlich die Frage gestellt, warum sich denn "so wenige" integrieren würden und es wurden Statements zur wirtschaftlichen Nützlichkeit von Immigration eingefügt.

Beide Statements stammen nicht von mir. Ich bin weder der Meinung, dass sich "so wenige" integrieren (oder dies sollten), noch beteilige ich mich an wirtschaftlichen Verwertungsdebatten, die ich für menschenverachtend halte. Außerdem hatte der Text de facto nichts mit Immigration und Integration als solche zu tun, sondern sollte aufspüren, wie absurd mediale Darstellungen zum Thema sind und dass auch komplette Assimilierung an eine deutsche "Leitkultur" nichts nützen, so lange die Bevölkerung rassistisch ist. Diese Argumentation habe ich am Beispiel von den Schwarzen Deutschen ausgeführt, die in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert sind und dennoch permanent mit Ausschlussmechanismen konfrontiert werden.

Lange Rede, kurzer Sinn, hier ist nun MEIN Text (minus der genderneutralen Formulierungen, die in der ursprünglichen Version enthalten, aber dem "jungen" Heft ebenfalls zu abenteuerlich waren): PDF Schwarze deutsche Kräfte

Montag, September 24, 2007

Roots Germania - Filmpremiere!

Filmfest Hamburg, Freitag 28.09. um 19:30 im Grindel 3Cologne Conference, Sa 29.09, ZDF Showcase, 16:30 im Filmhausim TV, ZDF /Das kleine Fernsehspiel, 05.11., um 0:20 UhrDokumentarfilmfest Kassel, 15.11., 17:15, im GloriaDie Kugel ist für Dich, Mo Asumang!“. Mit dieser Textzeile rief die Neonaziband „White Aryan Rebels" in einem Hetzsong zum Mord an der Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Mo Asumang auf. Dieser Schock inspirierte Mo zu einer filmischen Spurensuche, die das ZDF am 05. November in der Reihe ‚Das kleine Fernsehspiel’ zeigt. Auf ihrer Recherchereise versucht Mo Asumang die Ursachen solchen Hasses und die Ausgrenzung von Migranten zu ergründen. Den bösartig gemeinten Rat der Neonazis nimmt Mo Asumang dabei ernst: „Geh dahin, wo du hergekommen bist!". Ist das ihr Geburtsort Kassel? Oder Ghana, woher ihr Vater stammt? Aber dort gilt
sie als Weiße. Doch ein Aufenthalt dort öffnet ihr die Augen für einen ganz neuen Weg, den Rassismus und Germanenkult deutscher Neonazis zu hinterfragen. So wird Mo`s Identitätssuche ganz nebenbei auch eine spirituelle Reise zu afrikanisch und germanischen Ahnen und Kultplätzen. Doch nicht nur das. Mo mischt sich auf einer NPD-Demo unter 3000 Neonazis, bringt Nazikader aus der Fassung, durchforstet braune Websites im Internet, und steigt in die „Himmler Gruft" der Wewelsburg hinab. Eine intensive, aber immer wieder auch ironisch-humorvolle Reise, die nicht nur dazu führt, ein persönliches Trauma abzulegen, das durch Vorurteile, Hass und Furcht zustande kam. Mo wächst den Neonazis dabei über den Kopf.

Buch und Regie: Mo Asumang Kamera: Felix Leiberg Schnitt: Karin Nowarra, Beatrice Babin Musik/Mischung: Johannes Malfatti
Ton/Mischung: Silvio Naumann MA Motion in Koproduktion mit ZDF / Das kleine Fernsehspielin Kooperation mit der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", Potsdam-Babelsberg

Mittwoch, September 12, 2007

Mos Def & Cornel West bei Bill Maher

Zwei der drei Herren aus der Überschrift sind potentielle Ehemänner - wer den richtigen Tipp abgibt, gewinnt ;-)

Sehr interessante Diskussion über Terrorismus, Rassismus, die Situation von Afro-Amerikanern und darum, wie dumm George Bush ist. Außerdem über Jena 6, worüber ich ja schon mehrmals gebloggt habe (hier, hier), aber seht selbst:



via hubby number 3

Mittwoch, September 05, 2007

Community-Beitrag in Kolonialismus-Broschüre

Die GAL (so heißen in Hamburg die Grünen) hat heute eine Broschüre herausgegeben, in der sich verschiedene Autoren mit dem Thema Kolonialismus und dessen Kontinuitäten in Hamburg beschäftigen. Hier der Community-Beitrag:

Ein Jahr später – Die Black Community und das Schimmelmann-Schandmal
VON VICTORIA B. ROBINSON

“Es handelt sich nicht um eine Verherrlichung“, dies erfuhr ein Journalist, als er sich bei der Pressestelle des Bezirksamtes Wandsbek über die Büste von Heinrich Carl Schimmelmann informierte. Zunächst glaubte er, was man ihm sagte und schrieb seinen Artikel über Schwarzen Aktivismus in Deutschland für eine süddeutsche Tageszeitung. Nach der Veröffentlichung entschuldigte er sich bei mir dafür, dass er nicht mehr über Schimmelmann geschrieben habe – er sei schockiert darüber gewesen, dass er bei Ansicht des Denkmals bemerken musste, dass ihn die Pressesprecherin offensichtlich bewusst getäuscht hatte: “Es ist wirklich ein Skandal, denn die Tafel mit den Informationen ist überaus positiv und kein bisschen kritisch, und das Wort Sklaven ist ja nur in einer Klammer enthalten. Die Pressesprecherin des Bezirksamtes hatte mir am Telefon zuvor etwas ganz anderes erzählt”, so schreibt er in seiner E-Mail.

Wie man sich allen logischen Argumenten verschließen und darauf beharren kann, dass kein Problem, keine historische Relativierung und kein Rassismus vorliegen, wenn die Büste des ehemals größten Sklavenhändlers Europas aufgestellt wird, kann auch ich dem Redakteur nicht erklären. Alles, was ich von den Verantwortlichen an “Argumenten” zu hören bekommen habe, sind abstruse Aussagen wie “ein Denkmal ist keine Ehrung”, “die Büste hat ja auch einen arroganten Gesichtsausdruck”, oder man hätte mit der Aufstellung einen kritischen Diskurs anregen wollen.
Kritisch?
Die Tafel am Denkmal spricht eine andere Sprache, würdigt die kaufmännischen Fähigkeiten des Mannes, der sein eigenes Brandzeichen anfertigen ließ, das mehr als 1000 afrikanischen Menschen unter unvorstellbaren Qualen in ihre geschundene Haut gebrannt wurde. Ein Herz umgibt das Schimmelmann-”S”. Ein Herz, das offensichtlich nur für Profite schlug und nicht von Gedanken an Schmerz, Folter, Mord, Entführung und unendliche Grausamkeit, für die dieser Mann zehntausendfach verantwortlich war, abgelenkt wurde.
Damals war es eben so. Und der ehrwürdige Herr hat ja so viel Gutes getan mit dem Geld, das er durch diese unmenschliche Ausbeutung erworben hat. Seinen Adelstitel kaufte er ebenso von dem schmutzigen Geld wie sein Ansehen als Wohltäter. Ein Wohltäter, der übrigens auch eingeborene Hamburger Waisenkinder als billige Arbeitskräfte missbrauchte. Aber was machen schon die vielen Tausend zerstörten Leben, wenn man sich als Held inszenieren kann?

Und heute? Heute geht es offensichtlich weiterhin nicht darum, was Schwarze Menschen empfinden. Damals landeten sie als Ware neben Kattun und Gewehren, Zuckerrohr und Baumwolle auf Güterlisten, heute sagt man uns, wir sollten uns nicht aufregen, wenn wir unter der Bezeichnung “Sklaven” neben eben diesen Gütern in Klammern auf einer Gedenktafel landen. Als Basis für den wunderbaren Reichtum, den ein Herr Schimmelmann nach Wandsbek gebracht hat. Würde eine Tafel, die einen NS-Mediziner für die bahnbrechenden medizinischen Erkenntnisse ehrt, die er durch Versuche an Juden und anderen “Nicht-Ariern” unter Zwang durchführte, ähnlich unkritisch aufgestellt und erhalten?
Die Vorstellung ist ebenso absurd und menschenverachtend wie die Erinnerung an die hochoffizielle, feierliche Einweihung der Schimmelmann-Büste durch die Hamburger Kultursenatorin und deren anschließende Rechtfertigung in den Medien.
Der Nachrichtenwert? Nach nun einem Jahr kaum noch existent. Unsere Anfragen, Proteste, offenen Briefe? Unbeachtet und unbeantwortet. Unsere Strafanzeigen gegen die Kultursenatorin und den mittlerweile zum Staatsrat beförderten ehemaligen Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs? Abgeschmettert.
Bloß keine Aufregung. Wenn man nur lange genug auf der Rechtmäßigkeit beharrt, werden sich die Wogen schon glätten. So scheinen die CDU-Abgeordneten zu denken, die ihre absolute Mehrheit in Wandsbek dazu nutzten, einstimmig für den Erhalt von Büste und Tafel zu stimmen. Dies, nachdem deren Fraktionsvorsitzender in der Wandsbeker Bezirksversammlung, Graage, nur wenige Wochen zuvor selbst beantragt hatte, Tafel und Denkmal zu verhüllen und in einem Ausschuss das weitere Vorgehen zu besprechen. Bei Graage war angekommen, dass es gegen jedes Verständnis von Menschlichkeit verstößt, die Empfindungen von – schwarzen wie weißen – empörten Bürgern zu ignorieren und kritiklos einen Menschen zu ehren, dessen grausame Taten auch heute noch Schmerz bei den Nachkommen von Betroffenen auslösen. Wenige Wochen später, rechtzeitig zur Bezirksversammlung, war Graage offensichtlich wieder auf Spur gebracht worden und sah sich noch nicht einmal mehr in der Lage, den protestierenden Anwesenden in die Augen zu sehen oder seinen plötzlichen Sinneswandel zu erklären. Ebenso wie der Rest seiner Fraktion, die sich christlich nennt, aber mit Nächstenliebe nichts zu tun hat und damals wie heute nur einen Gott zu kennen scheint: den Profit auf Kosten derer, denen man die Anerkennung ihrer Menschlichkeit verweigert.

Die Black Community fordert weiterhin – gemeinsam mit vielen anderen empörten Bürgerinnen und Bürgern, Organisationen und Initiativen – das Entfernen des Denkmals aus dem öffentlichen Raum, eine öffentliche Entschuldigung sowie eine Auseinandersetzung mit der Beteiligung Hamburgs an der Versklavung von Afrikanern, der Kolonisierung des afrikanischen Kontinents und der Folgen, die der afrikanische Kontinent und Angehörige der afrikanischen Diaspora bis heute zu bewältigen haben.


Dienstag, September 04, 2007

Mügeln aus afrodeutscher Perspektive

Die afrodeutsche Antirassismus-Trainerin Manuela Ritz ist in Mügeln aufgewachsen. Nun wurde sie von der Zeit Online zum Thema Rassismus interviewt. Hier einige Ausschnitte:

ZEIT online: Gibt es Rassismus in Mügeln?

Ritz: Es gibt Rassismus in Deutschland. Schon der Umgang mit den Worten zeigt das Problem. Wenn man von Rechtsradikalismus spricht, kann man sich zurücklehnen und sagen, es geht nur um fünfzig Leute, die wahnsinnig sind. Wenn man dagegen von Rassismus spricht, muss sich jeder selbst anschauen, muss nachdenken, mit welchen Vorurteilen er durch die Gegend läuft. Dass das Wort so vermieden wird, liegt daran, dass es dabei um alle geht. Das ist der Kern des Problems. Tendenziell auch bei jenen, die sich gar nicht für rassistisch halten, trotzdem aber Bilder und Sprüche im Kopf haben, die in diese Richtung gehen.

(...)

Was mir zeigt, dass sich die Einstellung in diesem Land nicht geändert hat, egal in welcher Stadt. Es wird immer noch so getan, als wäre deutsch gleich weiß. Und wer asiatisch oder indisch aussieht, gehört nicht hier her. Und wird wegen seines Aussehens kriminalisiert. Das ist makaber, wenn man bedenkt, das zum Beispiel Schwarze seit dem 15. oder 16. Jahrhundert hier leben.

(...)

ZEIT online: Viele Mügelner sagen, sie seien nicht rassistisch, sie würden ja auch beim türkischen Dönerstand und dem vietnamesischen Blumenladen einkaufen.

Ritz: Meine Mutter hat mich nach dem Vorfall angerufen und sagte als ersten Satz wörtlich: Wir werden berühmt. Das fand ich sehr erschreckend. Aber es ist auch bezeichnend. Sie erleben ihren Rassismus ja nicht selbst. Sie haben nur dabei gestanden. Abbekommen haben es die Inder, die da um ihr Leben rannten. Und manche beklagen jetzt sogar, dass Mügeln in Misskredit gezogen wird. Das ist makaber, sich selbst in den Fokus zu stellen, sich zu bemitleiden, dass „es“ passiert ist.

(...)

Irgendwann sind die Journalisten wieder weg und dann geht alles wieder seinen geregelten Gang. Da schließt sich für mich auch der Kreis. Das ist möglich, wenn man sagt, es waren nur ein paar Rechtsradikale. Dann kann man schnell zur Tagesordnung übergehen. Wenn man das darüber liegende Thema Rassismus ansprechen würde, ging das so schnell nicht. Dann müsste man sich damit auseinandersetzen und zugeben, bei uns gibt es Rassismus, wir sind vielleicht selbst rassistisch.

Es geht um eine Auseinandersetzung mit mir selbst. Ich muss für mich selbst klären, ob ich rassistisches Gedankengut habe und wie ich es loswerden kann. Darum geht es auch bei den Workshops, die ich leite: den Menschen zu zeigen, was alles in ihnen ist. Dann können sie entscheiden, was sie damit tun wollen. Wenn man nicht hinschauen will, kann man nichts gegen Rassismus tun. Man muss sich den Dingen stellen, die man selber denkt.

ZEIT online: Nach solchen Vorfällen wird schnell mehr Zivilcourage gefordert. Hilft es, couragierter zu sein?

Ritz: Ich frage mich, wieso es immer Zuschauer geben muss, wenn ein paar Leute zuschlagen. Wenn ich allein Zuschauerin wäre von fünfzehn Männern, würde ich auf Zivilcourage pfeifen. Aber wenn das Verhältnis so ist, wie es in Mügeln war, wundere ich mich, warum niemand etwas tut. Für mich beantwortet es die Frage, ob es in Deutschland Rassismus gibt: Das Zuschauen und Nichtstun ist ein stilles Bekenntnis, dass es ok ist, was dort passiert. Man macht nichts, um deutlich zu machen, das ist nicht in Ordnung.

Montag, September 03, 2007

Weniger Politisches: Musik-Tipp

Heute erscheint das Album einer der sympathischsten Reggae-Combos Deutschlands, also seht Euch das Video an und besorgt Euch das Album (wenn sogar ich als digital-Hörer mich entscheide, mir ne CD anzuschaffen, heißt das was!!!):

Mittwoch, August 29, 2007

Der SPIEGEL kann's auch realistisch

Nach der vielen Kritik muss ich Spiegel Online heute einmal loben. Unter der Überschrift "Mügeln als Symptom: Im Land der Wirklichkeitsverweigerer" setzt man sich tatsächlich einmal kritisch u.a. damit auseinander, dass man in Deutschland stets bemüht ist, Rassismus zu ignorieren oder kleinzureden, anstatt sich tatsächlich damit auseinanderzusetzen. Hier einige Auszüge aus dem Artikel:

Daraus Sympathien für die Täter abzuleiten, wäre verkehrt. Es ist schlimmer: Die immer wieder gleichen Reaktionen zeugen vor allem davon, wie gründlich in Deutschland die Wirklichkeit vernichtet wurde - zugunsten einer virtuellen Realität, die darauf basiert, dass man sich auf sie verständigt hat.

Wie das passieren konnte, ist relativ einfach zu erklären. Da waren erst einmal zwei Diktaturen, die aufeinander folgten. Dort, wo der Übergang von der einen zu der anderen fließend stattgefunden hat, sind die Folgen besonders krass und anschaulich. Einer Volksgemeinschaft, der man einen Völkermord als "Endlösung" irgendeiner Frage verkaufen konnte, konnte man auch den Bau einer Grenzanlage, die dazu bestimmt war, die eigene Bevölkerung einzusperren, als "antifaschistischen Schutzwall" auftischen, der Angreifer und Agenten abhalten sollte.

(...)

War zu Kaisers Zeiten "Ruhe die erste Bürgerpflicht", so sehen es heute Politiker und Berichterstatter als ihre Pflicht an, zu große Unruhe zu vermeiden. Deswegen ist von "mutmaßlichen Terroristen" die Rede, wenn irgendwo ein vollbesetzter Bus in die Luft fliegt - theoretisch könnte ja auch ein geplatzter Reifen an dem Unglück schuld sein -, deswegen wird sauber zwischen "kriminellen" und "politisch motivierten" Gewalttaten unterschieden, wenn Menschen entführt und ermordet werden.

(...)

Nationalsozialismus, konzeptionell gesehen

Unter solchen Umständen muss man schon froh sein, dass dem rechtskräftig verurteilten Kindermörder Magnus Gäfgen die Erlaubnis verweigert wurde, eine Stiftung zugunsten missbrauchter Kinder zu gründen. Er hat es ja "gut gemeint", und wer es gut meint, der kann schon mal übers Ziel hinausschießen. Eine erschreckend große Anzahl von Deutschen ist davon überzeugt, dass der Nationalsozialismus eine gute Idee war, die nur schlecht ausgeführt wurde, im Fall der DDR ist diese Zahl noch größer.

So kommt die Wirklichkeit unter die Räder des Wunschdenkens. Dabei wird nicht nur die Vergangenheit aufgehübscht, sondern auch die Zukunft rosa eingefärbt.

(...)

Mügeln mag geografisch in der Etappe liegen, mental aber liegt es im Zentrum des Zeitgeistes, auf gleicher Augenhöhe mit dem Rest der Republik. Die Abschaffung der Wirklichkeit ist keine Frage des Standortes. Zumindest in dieser Beziehung gibt es am Standort Deutschland schon lange weder ein Nord-Süd- noch ein Ost-West-Gefälle.

Montag, August 27, 2007

Forderungskatalog für faire UNICEF-Werbung

via derbraunemob

Liebe Freunde,

Wir sind uns einig: Die UNICEF Kampagne “Schulen für Afrika”, in der weiße Kinder mit Schmutz/Make-Up/Schuhcreme beschmiert wurden, um “Kinder in Afrika” darzustellen, hätte nicht passieren dürfen. Was tut UNICEF nun im einzelnen, um dies wieder gut zu machen?

Wir haben einen Forderungskatalog erstellt, der der Öffentlichkeit demonstrieren kann, dass es nicht das “Recht” deutscher Organisationen ist, Menschen nach Belieben auch herabsetzend darzustellen. Auch können zukünftige ähnliche Fehltritte vermieden werden, wenn unseren Forderungen nachgekommen wird.

Um diesem Anliegen Gehör zu verschaffen, haben wir eine Pressemeldung veröffentlicht, und diese Forderungen an UNICEF geschickt.

Sie können diese Forderungen unterstützen indem Sie an UNICEF schreiben und das Kommittee der United nations (”it’s your world”), denen UNICEF untersteht.

schulen@unicef.de,

information@unicefusa.org

3rdcommittee@un.org

Dafür können Sie gerne unseren Brief verwenden. Bitte senden Sie freundlicherweise eine Kopie an info@derbraunemob.de damit wir einen Überblick über den Umfang der Proteste bekommen.

(diese Erklärung finden Sie in englischer Sprache auf der Seite)

Mit freundlichen Grüßen,

info@
derbraunemob.de

**************************

Frau Heide Simonis, Alexandra-Friederike Prinzessin zu Schoenaich-Carolath, und UNICEF-Mitarbeiter,

In der UNICEF Kampagne “Schulen für Afrika” wurden Weiße Kinder mit Schmutz/Make-Up/Schuhcreme beschmiert, um “Kinder in Afrika” darzustellen. Sicher sind Sie mit uns einer Meinung, dass dies nicht hätte passieren dürfen. Auch UNICEF-MitarbeiterInnen, zahlreiche Bürgerrechts-Organisationen sowie protestierende Zivilpersonen aus vielen Ländern haben dies erkannt und ihrem Protest bereits Ausdruck verliehen.

Da aus einem Antwortbrief von UNICEF Deutschland leider ersichtlich ist, dass dort in der Tat noch nicht eingesehen wird, weshalb diese Kampagne die Würde sehr vieler Menschen verletzt, ist die Situation weiterhin unbefriedigend: die Anzeigen waren ganzseitig in Tageszeitungen veröffentlicht worden, und damit wurden pauschale Klischees sowie rassistische Bilder der deutschen Öffentlichkeit als akzeptabel und humanitär präsentiert.

Was tut UNICEF nun im einzelnen, um dies wieder gut zu machen?

Da UNICEF eine Organisation der UN ist, hat der “Fall” durchaus politische Tragweite: in wieweit darf eine UN-Organisation Menschen herabwürdigen und als unterlegen/irrelevant betrachten und behandeln, ohne dass dies Folgen für die Organisation selbst hat? Zahlreiche Menschen haben protestiert.

Wir fordern daher

- die Schaltung von Anzeigen in Größe und Umfang der original-Anzeigen, in denselben Zeitungen (Gegendarstellung), die darüber informieren, dass die vermittelten Bilder falsch und schädlich waren, im Wortlaut wie unten

- ein edukatives Treffen der Vorsitzenden der UNICEF-Diversity Abteilungen zumindest der USA und England mit den für diese Kampagne Verantwortlichen deutschen UNICEF-MitarbeiterInnen

- das künftige INSTITUTIONELLE Einbeziehen von ausgebildeten Diversity- und Antidiskriminierungs-Sachverständigen sowie VertreterInnen derjenigen Gruppe, der geholfen/gespendet werden soll, in alle Werbekampagnen von UNICEF Deutschland

- Nachricht darüber, wann und wie unseren Forderungen nachgegangen wurde.

Da Sie ja ausschließlich humanitäre Ziele haben, sind Sie mit uns sicher einer Meinung, dass eine solches Handeln durchweg positiv betrachtet werden wird, und dem erreichen Ihrer Ziele -gleichen Chancen für ALLE Kinder- förderlich ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Vorstand der braune mob e.V.
media-watch - schwarze deutsche in medien und öffentlichkeit
i.A.
Noah Sow
Jean-Alexander Ntivyihabwa
Patricia Eckermann

Cc:

Division for Social Policy and Development
Department of Economic and Social Affairs,
United Nations, DC2-1320,
New York, NY 10017, USA
Fax: 1 212 963 3062

***********************

Textvorschlag für die geforderte Gegendarstellung:

öffentliche Entschuldigung

UNICEF Deutschland veröffentlichte kürzlich eine Anzeigenkampagne namens “Schulen für Afrika”. Das Ziel dieser Kampagne war es, darauf aufmerksam zu machen, dass es in einigen afrikanischen Ländern leider noch immer Kinder gibt, die keinen Zugang zu elementarer Schulbildung haben.

Trotz unserer aufrichtig guten Absichten, auf die Notlage dieser Kinder aufmerksam zu machen, war unsere Kampagne falsch konzipiert, da sie verschiedene schädigende und negative Klischeevorstellungen bestätigte, die wir von Afrika haben.

In einer Reihe von vier Bildern wurde jeweils ein Weißes deutsches Kind abgebildet, dessen Gesicht braun beschmiert war, neben Statements, die pauschale Verallgemeinerungen über die fehlende Bildung “afrikanischer” Kinder transportierten.

Durch nachträgliche Einsicht erkennen wir heute, dass es eine schwere Fehlentscheidung war, die Gesichter der Kinder anzumalen um “Afrikaner” darzustellen. Schwarz zu sein ist weder “schmutzig” noch sollte es mit “Make-Up” verglichen werden.

Wir entschuldigen uns vorbehaltlos für den herabsetzenden Charakter dieser Kampagne.

Donnerstag, August 23, 2007

Fußball: Endlich mal Konsequenzen für rassistische Beleidigungen

Es scheint sich langsam mal die nötige Ernsthaftigkeit einzustellen, wenn es um die rassistischen Beleidigungen von Spielern geht. Laut Spiegel Online wurde Weidenfeller für seine an Asamoah gerichteten Sprüche für drei Spiele gesperrt und muss €10.000 Strafe zahlen. Auch, wenn es - für mich nicht gerade nachvollziehbare - Entlastungsgründe gab, die einen Punktabzug für seine Mannschaft verhinderten, ist das endlich mal ein deutliches Zeichen dafür, dass so ein menschenverachtender Dreck zumindest in der 1. Bundesliga nicht mehr weiter geduldet und ignoriert wird.

Es bleibt zu hoffen, dass demnächst auch gegen Fans bzw. deren Mannschaften eingeschritten wird, die rassistische und antisemitische Äußerungen für eine geeignete Unterstützung ihrer Teams halten.

Mittwoch, August 22, 2007

Unbewusster Rassismus

Nachdem ich vor einer Weile das Buch Blink! Die Macht des Moments gelesen hatte, in dem es um unbewusste Entscheidungen geht, die wir Menschen aufgrund unserer Prägung beinahe automatisch treffen, habe ich mich mehrmals an Tests bei Project Implicit der Harvard University beteiligt. So habe ich z.B. herausgefunden, ob ich Japan oder die USA bevorzuge, Bill oder Hillary Clinton besser finde oder zu Pro-Choice oder Pro-Life tendiere. Nun geriet ich an einen Test, bei dem es um die Verbindung von Schwarzen und weißen Menschen mit positiven und negativen Konzepten ging. Wie mein Ergebnis war, verrate ich jetzt mal nicht, aber hier Screenshots der für mich relativ schockierenden grafischen Zusammenfassung der Gesamtergebnisse:






Dienstag, August 21, 2007

Quote of the Day!

“If you are neutral in situations of injustice, you have chosen the side of the oppressor. If an elephant has its foot on the tail of a mouse and you say that you are neutral, the mouse will not appreciate your neutrality.

Bishop Desmond Tutu, Spiritual Leader and Novelist

Quelle

Freitag, August 17, 2007

Kann mir jemand die Kampagne erklären?!


Dies ist das Motiv einer Kampagne für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften. Nun versteh ich nicht:
  • Warum ist auf dem Plakat ein Hetero-Paar (bzw. zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts)?
  • Warum ist davor ein Schwarzes Mädchen - und in dieser seltsamen Pose mit Finger im Mund?!
  • Welche Assoziationen sollen mit dem Zusammenspiel von 2 weißen "Eltern", einem Schwarzen Kind und dem roten Wort "ABGELEHNT" hervorgerufen werden?
Ist da draußen jemand schlauer als ich???

Donnerstag, August 16, 2007

Film über "Jena 6"

weitere Infos und eine Petition in meinem Post vom 20.07.


Freitag, August 10, 2007

Schimmelmann-News: Farbanschlag



Ein weiteres Mal wurde die Büste von Schimmelmann symbolisch mit dem Blut seiner Opfer in Verbindung gebracht (=Unbekannte haben die Büste mit roter Lackfarbe übergossen).



"Vermutlich in der Nacht von Samstag 4.8. auf Sonntag 5.8.2007 ist der schwarzbronzene Kopf des Sklavenhändlers Heinrich Carl Schimmelmann (1724-1782) wieder mit roter Lackfarbe übergossen worden. Die Büste, die vom damaligen Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs neu in Auftrag gegeben war, wurde im September 2006 im Puvogelgarten errichtet. Zahlreiche Proteste begleiten das Denkmal bis heute. Im November 2006 wurde es Ziel eines ersten Farbanschlags. Die Forderung, das Abbild des Menschenschinders aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, scheiterte bisher am Votum der regierenden CDU in der Bezirksversammlung Wandsbek."
Bilder (und Zitat) mit freundlicher Genehmigung von Wandsbektransformance, Fotos by Jokinen

Donnerstag, August 02, 2007

taz über Rassismus und Sexismus im deutschen Rap-Game

Ausschnitte eines Artikels von Murat Güngör, der heute in der taz erschienen ist - N-Worte wurden natürlich von mir entfernt:
Ganz verliebt ins Ghetto-Klischee

(...)

Ice-T wusste: Es ist vor allem der weiße, pubertäre Junge aus kleinbürgerlichen bis bürgerlichen Verhältnissen, der ihn in die Charts bringt. Diese Logik herrscht auch in Deutschland. Entscheidend für den kommerziellen Erfolg der Gangsta-Rapper ist der Blick der bürgerlichen Mitte auf das Ghetto. Es ist die Faszination, aus der sicheren Distanz heraus den Kampf im Dschungel der Straße zu konsumieren und damit gleichzeitig gegenüber dem eigenen Elternhaus rebellieren zu können. Gangsta-Rap dient dabei als pubertäre Vorlage zur Provokation gegen die bürgerlichen Normvorstellungen der Eltern. Um als Gangsta-Rapper sichtbar zu werden, müssen Stereotype wie "kriminelle Vergangenheit", "Omnipotenz" und "Gewalt" aufgerufen werden. Diese ästhetischen Codes sind aber häufig rassistisch und sexistisch gefärbt.

(...)

Das hauptstädtische Hiphop-Label Aggro Berlin hat sich auf die Vermarktung dieses Stereotyps spezialisiert. Die hauseigenen Rapper des Labels werden präzise auf die Marktlogik zugeschnitten. Rassistische, nationalistische und sexistische Images dienen dem Label beim Produktaufbau. In der Rap-Szene wird dies als gelungener Marketingcoup gewürdigt. Doch was als vermeintlicher Tabubruch daherkommt, ist nichts anderes als die Reproduktion rückständiger und reaktionärer Bilder über das vermeintliche Migranten-Ghetto. Die Rapper sind dabei Täter und zugleich Opfer dieser Bilder: Ihren Erfolg verdanken sie der Wirkungsmacht rassistischer Stereotype über den krassen Jungen aus dem Ghetto. Allerdings sind sie auch nur vor diesem Hintergrund denkbar.

(...)

Exemplarisch lässt sich diese Entwicklung in Deutschland an den beiden Rappern B-Tight und Massiv verdeutlichen. B-Tight, der eine afrodeutsche Herkunft aufweist, wird von seinem Label Aggro Berlin als krasser "N****" und großer Ficker vermarktet. Seine Ästhetik erinnert dabei stark an die Minstrel-Shows aus den Zeiten der Rassentrennung in den USA: Damals malte sich der weiße Komiker Thomas D. Rice schwarz an, um einem weißen Publikum den "N****" als fröhlichen, singenden und dummen Sklaven vorzuführen. Diese Shows waren erfolgreich, und auch Schwarze spielten diese demütigenden Figuren nach, um Geld zu verdienen. Nun malt sich B-Tight auf seinen Plattencovern schwarz an, um seine Inszenierung als notgeiler, sexbesessener und fröhlicher Partyrocker zu unterstreichen. B-Tight bedient das rassistische Klischee vom Schwarzen, der nur seinem Trieb folgt und mit einem extragroßen Schwanz ausgestattet ist.

(...)

Beide Rapper brechen keine Tabus, sondern bedienen vielmehr eine rassistische Wahrnehmung, in der schon im Voraus festgelegt ist, wie der "N****" oder der "Kanake" zu sein hat. Es sind rückständige Bilder, die ungebrochen in die Unterhaltungsindustrie eingespeist werden. Die Frage ist nur: Was macht dies mit dem pubertären Jungen aus der Mittelschicht, der sie konsumiert? Untersuchungen hierzu fehlen. Es darf aber vermutet werden, dass rassistische und sexistische Stereotype dadurch verfestigt werden.

(...)

Dienstag, Juli 31, 2007

Nicht nur Rapper wehren sich gegen N-Worte!

Ich hätte ja kaum gedacht, dass ich mich mal mit den ehemaligen Kiez-Luden verschwestern würde, aber ich freue mich sehr darüber, dass auch Karl-Heinz Schwensen sich erfolgreich gegen rassistische Benennungen wehrt. Ob er sich schon an der Brothers Keepers-Petition beteiligt hat?

Spiegel Online:
Karl-Heinz "Kalle" Schwensen, früher einer der Großen auf dem Hamburger Kiez, mag seinen alten Spitznamen nicht mehr. Er lässt inzwischen manche Blogger und Medien abmahnen, die den alten Namen noch verwenden. Den Spitznamen, der auch im Song "Dein Herz schlägt schneller" der Hamburger Band "Fünf Sterne Deluxe" fällt, in deren Musikvideo Schwensen 1998 auftrat. Heute findet er, der Spitzname sei "rassistisch, diskriminierend, abwertend und daher ansehensmindernd". Die Aktion traf nicht nur die "Taz", die den Spitznamen aus ihrem Online-Archiv löschen musste, auch mehrere Blogger erhielten eine entsprechende Abmahnung und eine Kostennote über 899,40 Euro.
Weiter so!

Montag, Juli 30, 2007

Tipp: Black Power in Stuttgarter Zeitung

Heute erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Artikel mit folgendem Titel: "Beim Bundestreffen von Schwarzen in Hamburg: Der Wunsch nach etwas Black Power in Deutschland."
Interviewt wurden Tahir Della, Vorsitzender von ISD e.V. und ich. Leider ist der Artikel nicht online erhältlich, daher nur dieser kurze Hinweis.



Montag, Juli 23, 2007

Hagenbecks Völkerschauen

Bin gerade auf einen Artikel anlässlich des hundersten Geburtstages von Hagenbecks Tierpark gestoßen. Hier einige Auszüge:

1874 zeigte Hagenbeck Lappländer mit einer Rentierherde; 1877 vermarktete er eine Schau mit Nubiern aus dem Sudan; 1878 stellte er Inuit im Berliner Zoo aus. "Wildes Afrika" 1889 und "Menschenrassen des Nil" 1914 lauteten einige der Titel, mit denen Hagenbeck Werbung für seine Völkerschauen machte. Sein Assistent, der Zoologe Alexander Sokolowsky, behauptete, seinem Chef wäre es um Aufklärung und Verständnis für andere Völker gegangen, sagte aber zugleich deutlich, dass die Völkerschauen den kolonialen Gedanken in Deutschland fördern sollten.

Tatsächlich überschnitten sich die Präsentationen Hagenbecks mit dem Selbstverständnis der Kolonialherren Europas: Ein Schauspiel zeigte zum Beispiel arabische Sklavenhändler, die ein Dorf im Sudan überfallen, um Sklaven zu jagen; Hagenbecks Tierfänger verjagen die Araber und feiern mit den Schwarzafrikanern ein Freundschaftsfest. Das war klassische Kolonialideologie; denn die Imperialisten begründeten die "Schutzherrschaft" über Afrika unter anderem damit, dem Sklavenhandel der Araber Einhalt zu gebieten. Dass der Profit beim europäischen Händler und nicht bei den Afrikanern vor Ort blieb, erschien in dieser Propaganda als humanistischer Akt.

Hagenbecks Assistent, Alexander Sokolowsky, war Schüler des "deutschen Darwin", Ernst Haeckel. Haeckel hatte einen biologistischen Rassismus konstruiert, nach dem die Unterschiede zwischen "Natur- und Kulturvölkern" so groß wären wie die zwischen verschiedenen Tierarten. Die "gebildeten Europäer", die "Kulturmenschheit" hätten nach Sokolowsky das Recht, die "primitiven Völker" zu studieren. Anthropologen wie Rudolf Virchow besuchten die Völkerschauen und vermaßen die ausgestellten Menschen, Kaiser Wilhelm II. ließ sich Menschen aus Afrika im Tierpark vorführen.
(...)
Eben dieser Panoramablick und die Aussicht auf ein gutes Geschäft kennzeichneten Hagenbecks Präsentationen: Er war ein cleverer Geschäftemacher, der Assoziationen, Zeitgeistströmungen und Erwartungen eines deutschen Massenpublikums als lebende Bilderwelten inszenierte. Wie wenig diese Erwartungen der Wirklichkeit der präsentierten Menschen entsprachen, wurde deutlich, als eine Gruppe Bella-Coola, Indigene von der amerikanischen Nordwestküste, 1889 auftrat. Diese Bella-Coola trugen ihre reale Kleidung - keine Bisonfelle, Kriegsbemalung oder Federschmuck. Besucher entrüsteten sich: "Das sind keine echten Indianer". Werbeplakate reduzierten die dargestellten Menschen auf Stereotype wie eben "wildes Afrika". Diese optisch inszenierten Klischees wurden so arrangiert und inszeniert, dass die schon vorhandenen Imaginationen des Publikums den Schein der Authentizität bekamen. Die Bilderwelten der Völkerschauen knüpften an verzerrte Vorstellungen an und entwarfen sie wiederum von neuem.
Carl Hagenbeck brachte sein Selbstverständnis auf den Punkt: "Wo seid ihr geblieben, ihr Söhne der Prärien, die ihr euch meiner Führung in das Land der Weißen anvertrautet, die euch anstaunten wie Wundertiere?" Er betrachtete sich als überlegenen -weißen- Führer, der die "Exoten" in sein Land brachte, wo das -weiße- Publikum sie wie Tiermenschen aus einer Fabelwelt betrachtete und die europäische Überlegenheit gewahrt blieb. Die Völkerschauen waren romantisierende Variationen des Kolonialrassismus, eben nicht in der vernichtenden Konsequenz, sondern als Paternalismus, als Darstellung tolerierender Arroganz, in der der "Wohltäter" Carl Hagenbeck seine hütende Hand über "Naturmenschen" und Wildtiere hielt und ihnen Schutz in seinem Reservat, seinem Park, gewährte.
(...)

Der Exotismus, die tolerierende Arroganz, der die Anderen ästhetisiert und zur Unterhaltung einsetzt, das Salz in der Suppe der eigenen Sehnsüchte nach Abenteuer und Entfaltung, kann durchaus Rassismus sein, auch wenn der Fremde vermeintlich positiv erscheint. Zu einer kritischen Auseinandersetzung zum Beispiel mit der Situation der indigenen Opfer des Völkermordes in Amerika waren die Völkerschauen nicht geeignet. Nordamerikanische Indigene mit dem Stereotyp der Bisons jagenden Präriekulturen waren zwar im deutschen Klischee - auch durch Karl May- positiver besetzt als in den USA, die Begeisterung für sie als Symbol für den "authentischen Freiheitskämpfer, der seine Scholle verteidigt" blieb aber Wunschvorstellungen verhaftet: Diese Wunschvorstellungen resultierten auch aus den Existenzängsten der Kleinbürger und ihrer unreflektierten Kritik an der Monopolisierung der Großindustrie.

Hagenbeck verbildlichte den Herrschaftsanspruch des weißen Mannes, in dessen Obhut exotische Tiere und als Exoten präsentierte Menschen gezähmt lebten. Und in dieser Tier- und Menschenschau lag Hagenbecks Fähigkeit darin, dass er die zur Schau gestellten Kulturen ebenso kannte wie die Fantasien des Publikums und so den Schein des Echten vermittelte. Er war eine Identifikationsfigur für viele, die unter der Enge im Wilhelminischen Staat und der Entfremdung ihrer Lebenswelt im Industriekapitalismus litten, denn er schien die aufgeführten Abenteuer selbst erlebt zu haben. Das Freiheitsversprechen seines Exotismus - Länder zu bereisen, die aufregender als die erlebte Wirklichkeit wären - wirkte in der Starre der deutschen Klassengesellschaft wie ein Magnet.

Ein "African Village" im Zoo Augsburg 2005 löste internationale Proteste aus: Schwarze Deutsche, Ethnologen und Menschenrechtler fühlten sich an eine "koloniale Völkerschau" erinnert. Auslöser des Protestes war die Direktorin Barbara Jantschke, die sinngemäß auf eine besorgte Nachfrage geantwortet hatte: "Zum Zoo gehört die Exotik". Damit sagte Frau Jantschke, dass Menschen aus Afrika, sich als Exotik präsentieren lassen. Die Kritiker hatten recht: Das "African Village" war ganz eindeutig ein kommerzielles Projekt mit "Afrika" als Lockmittel, ohne einen reflektierten Zugang oder Pädagogik zur Realität und Geschichte afrikanischer Gesellschaften zuzulassen. Die Veranstaltung war nicht geeignet, Afrikaner als gleichwertig zu empfinden, indem zum Beispiel Professoren aus Tansania über dortigen Naturschutz referiert hätten. [*******A]frikaner, die Zöpfe flochten oder "typisch afrikanische Musik" spielten, waren Teil einer Ausstellung mit Tieren und Pflanzen. Auf das sarkastische Angebot eines brasilianischen Bürgers, sie hätten auch einen Zoo, wo die Direktorin doch typisch bayrische Tätigkeiten wie Kühe melken vorführen könnte, reagierte Frau Jantschke allerdings nicht. Auch der Zoo Hannover vermittelt mit der Dschungelbuch-Ästhetik eines "Dschungelpalastes" und "Kaffeegenuss am Sambesi" die falsche Authentizität eines Erlebnisses in neokolonialer Tradition.

Freitag, Juli 20, 2007

Petition von "Color of Change"


Last fall in Jena, Louisiana, the day after two Black high school students sat beneath the "white tree" on their campus, nooses were hung from the tree. When the superintendent dismissed the nooses as a "prank," more Black students sat under the tree in protest. The District Attorney then came to the school accompanied by the town's police and demanded that the students end their protest, telling them, "I can be your best friend or your worst enemy... I can take away your lives with a stroke of my pen."1

A series of white-on-black incidents of violence followed, and the DA did nothing. But when a white student was beaten up in a schoolyard fight, the DA responded by charging six black students with attempted murder and conspiracy to commit murder.

It's a story that reads like one from the Jim Crow era, when judges, lawyers and all-white juries used the justice system to keep blacks in "their place"--but it's happening today. The families of these young men are fighting back, but the odds are stacked against them. Together, we can make sure their story is told, that this becomes an issue for the Governor of Louisiana, and that justice is provided for the Jena 6. It starts now. Please add your voice:

http://www.colorofchange.org/jena/?id=2497-147814

The noose-hanging incident and the DA's visit to the school set the stage for everything that followed. Racial tension escalated over the next couple of months, and on November 30, the main academic building of Jena High School was burned down in an unsolved fire. Later the same weekend, a black student was beaten up by white students at a party. The next day, black students at a convenience store were threatened by a young white man with a shotgun. They wrestled the gun from him and ran away. While no charges were filed against the white man, the students were arrested for the theft of the gun.2

That Monday at school, a white student, who had been a vocal supporter of the students who hung the nooses, taunted the black student who was beaten up at the off-campus party and allegedly called several black students "nigger." After lunch, he was knocked down, punched and kicked by black students. He was taken to the hospital but was released and was well enough to go to a social event that evening.3

Six Black Jena High students, Robert Bailey (17), Theo Shaw (17), Carwin Jones (18), Bryant Purvis (17), Mychal Bell (16) and an unidentified minor, were expelled from school, arrested and charged with second-degree attempted murder. Bail was set so high -- between $70,000 and $138,000 -- that the boys were left in prison for months as families went deep into debt to release them.4

The first trial ended last month, and Mychal Bell, who has been in prison since December, was convicted of aggravated battery and conspiracy to commit aggravated battery (both felonies) by an all-white jury in a trial where his public defender called no witnesses. During his trial, Mychal's parents were ordered not to speak to the media and the court prohibited protests from taking place near the courtroom or where the judge could see them.

Mychal is scheduled to be sentenced on July 31st, and could go to jail for 22 years.5 Theo Shaw's trial is next. He will finally make bail this week.

The Jena Six are lucky to have parents and loved ones who are fighting tooth and nail to free them. They have been threatened but they are standing strong. We know that if the families have to go it alone, their sons will be a long time coming home. They will lose precious years to Jena's outrageous attempt to maintain a racist status quo. But if we act now, we can make a difference.

Please add your voice to the voices of these families in Jena, and help bring Mychal, Theo, Robert, Carwin, and Bryant home. By clicking below, you can demand that Louisiana Governor Kathleen Blanco get involved to make sure that justice is served for Mychal Bell, and that DA Reed Walters drop the charges against the 5 boys who have not yet gone to trial.

http://www.colorofchange.org/jena/?id=2497-147814

References:

1. "Injustice in Jena as Nooses Hang From the ‘White Tree,'" truthout, July 3, 2007
http://www.truthout.org/docs_2006/070307B.shtml

2. "Racial demons rear heads," Chicago Tribune, May 20, 2007
http://tinyurl.com/yvh7t5

3. See reference #1.

4. See reference #1.

5. "'Jena Six' defendant convicted," Town Talk, June 29, 2007
http://tinyurl.com/ysxtgg

Other resources:

NPR: Searching for Justice in Jena 6 Case (streaming audio)
http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=11756302

Democracy Now! - The case of the Jena Six ...
http://www.democracynow.org/article.pl?sid=07/07/10/1413220

Too Sense: Free The Jena Six Now
http://halfricanrevolution.blogspot.com/2007/07/free-jena-six-now.html

While Seated: Jena Six
http://www.whileseated.org/photo/003244.shtml

Nooses, attacks and jail for black students in Jena Louisiana
http://www.dailykos.com/story/2007/6/28/144445/384

Justice In Jena, by Jordan Flaherty
http://www.zmag.org/content/print_article.cfm?itemID=12783&sectionID=30

The Perpetrator becomes the Prosecutor (and other related entries)
http://friendsofjustice.wordpress.com/blog/

'Stealth racism' stalks deep South
http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/this_world/6685441.stm

Donnerstag, Juli 19, 2007

Fernsehtipp: Phönix Freitag früh

Dokumentarfilm: "Der Tod in der Zelle - Warum starb Oury Jalloh?" Sendetermin: morgen, Fr. 20. Juli 2007, von 9:00 bis 9:45 Uhr auf dem Fernsehkanal "Phoenix".
Link: http://www.phoenix.de/tod_in_der_zelle/2007/07/19/0/70291.1.htm

Schweigen...

...tu ich momentan nur hier, ansonsten arbeite ich an einem Event, über das sich alle, die es betrifft, bei der XING-Gruppe "Afro-Community" in einem geschlossenen Kreis informieren können und an einigen Projekten, über die es in wenigen Wochen auch hier viel zu hören geben wird.
Danke für die vielen Besuche, selbst wenn hier mal nicht so viel passiert!

PS: Ab sofort ist BLACKprint offizieller Partner von derbraunemob, wo zukünftig auch einige meiner Beiträge im Blog erscheinen werden.

Dienstag, Juli 03, 2007

Brothers Keepers Petition gegen Aggro Berlin!

Zur Erklärung braucht es nicht viele eigene Worte, auf BrothersKeepers findet Ihr unter Anderem folgende:

Wanna B Tight? - Then you better get it right!

Brothers Keepers

Exemplarisch lässt sich diese Gesamtproblematik an der jüngsten Veröffentlichung aus dem Hause Aggro-Berlin/Groove Attack illustrieren: das Album „Neger Neger“ des afrodeutschen Rappers B-Tight (aka Bobby Dick). Seit der Veröffentlichung des Albums kleben überall in deutschen Großstädten Werbe-Sticker mit der Aufschrift „Neger Neger“ – offensichtlich wenig kreative Auswüchse einer Werbekampagne, die Aufmerksamkeit erregen will und dabei keine Grenzen kennt.

Sowohl der Albumtitel als auch die Liedtexte (Bsp.: „Wer rammt immer noch sein Penis in dein Loch, sag mir wer ist immer straff? Der Neger Neger!“) und die Werbekampagne sind nicht hinnehmbar. Das Wort „Neger“ (in Folge N-Wort genannt) ist eine rassistische Beleidigung. Wir lehnen die Verwendung des N-Wortes, egal ob als Fremd- oder Selbstbezeichnung, ab – genauso wie jegliches sadistisch-sexistisches Vokabular.

Das N-Wort steht für die Herabwürdigung und Entmenschlichung Schwarzer Menschen. Dies zeigt sich sowohl in der deutschen Geschichte (Sklaverei, Kolonialismus, Genozid, Zwangssterilisierung, Ermordung in Konzentrationslagern) als auch in der deutschen Gegenwart. So sangen die faschistischen Mörder von Alberto Adriano das kolonialrassistische deutsche Kinderlied „Zehn kleine Negerlein“, während sie den mehrfachen Familienvater feige und brutal zu Tode traten. Zudem bedient sich die rechtsextreme Polit-Szene allzu gerne des N-Wortes, wie die jüngsten Aussagen über „arrogante Wohlstandsneger“ des NPD-Fraktionschefs, Holger Apfel, im Sächsischen Landtag zeigen.

Die Auswirkungen rassistischer und sexistischer Gewalt durch Sprache dürfen nicht unterschätzt werden, ihre Verbreitung über Tonträger und Medien lässt sich nicht durch die viel zitierte künstlerische Freiheit rechtfertigen. Es geht hier nicht um formelhafte Political Correctness, sondern um R-E-S-P-E-K-T und um Verantwortung. B-Tight repräsentiert in keiner Weise die Schwarze Community in Deutschland, sondern allein seine eigenen gewinnmaximierenden Interessen und die seines Labels Aggro Berlin. Seine Sprachwahl und Herkunft können und dürfen nicht herangezogen werden, um rassistische Begriffe zu legitimieren. Der Umgang mit Sprache reflektiert und kreiert natürlich das zwischenmenschlichen Klima innerhalb einer Gesellschaft und leistet der nach wie vor ausgeprägten verbalen und physischen Gewaltbereitschaft gegenüber Schwarzen Menschen in Deutschland Vorschub. Schon jetzt singen Jugendliche öffentlich – da sie weder von politischer, pädagogischer oder medialer Seite ausreichend Orientierungshilfen erhalten - Auszüge aus B-Tights Liedern und skandieren den Refrain. Letztlich führt die klischeehafte Selbstdarstellung B-Tights als sexbessener, perverser und hyperpotenter Schwarzer Vergewaltiger und Aufreißer zu einem ungehinderten Konsum frauenfeindlicher und vermeintlich „authentisch Schwarzer“ phallischer Phantasien. Rassismus und Sexismus werden so zur Ware für ein junges Publikum gemacht, das auch für die Bestätigung entsprechender Vorurteile zahlt.

Daher fordern wir:

  • von dem Label Aggro Berlin ein Ende der Produktion und Vermarktung rassistischer und sexistischer Images und Inhalte sowie die sofortige Beendigung der Streetmarketing Kampagne zu "Neger Neger" und das Einstampfen noch vorhandener Sticker
  • von dem Vertrieb Groove Attack die Einstellung des Vertriebs des B-Tight Albums "Neger Neger"
  • von den Musiksendern einen Rotationsstop rassistisch und sexistisch motivierter Videoclips und von Magazinen, Zeitungen und Fanzines das Ende unreflektierter Berichterstattung und ungehemmten Profitschlagens aus Anzeigen, die mit der Beleidigung Schwarzer Menschen und der Herabwürdigung von Frauen werben
  • ein Ende des Schweigens in der deutschen HipHop Community und der Musikindustrie, in der das Eintreten für Respekt und gegen Rassismus selbstverständlich sein sollte

Also bitte geht hin und unterzeichnet die Petition, damit diese Zumutung von B-Tight nicht mehr als Legtitimation für die Beschimpfung und Degradierung von Schwarzen Menschen genutzt werden kann!

Donnerstag, Juni 28, 2007

Was ich mich schon immer gefragt hab / MDR

Bei dem ein oder anderen öffentlich-rechtlichen Sender (bzw. einer Landesrundfunkanstalt der ARD) scheint man davon auszugehen, dass Deutschland noch nicht oder nicht mehr vollständig ist und im Osten nicht mit dem Osten, sondern mit "der Mitte Deutschlands" endet. Oder warum heißt die ostdeutsche Sendeanstalt MDR = Mitteldeutscher Rundfunk?

Laut Wikipedia wird der Begriff "Mitteldeutschland" u.a. im folgenden Kontext genutzt:
In nationalkonservativen und rechtsextremen Kreisen sowie von deutschen Vertriebenenverbänden wird „Mitteldeutschland“ häufig benutzt, um die Ansicht oder rechtliche Überzeugung auszudrücken, dass auch die inzwischen zu Polen und Russland gehörenden Gebiete des ehemaligen Deutschen Reichs weiterhin zu Deutschland gehören.
Hat jemand dazu sinnvolle Erklärungsversuche ("der MDR nannte sich auch "mitteldeutsch", bevor er 1934 zum "Reichssender Leipzig" wurde", gilt nicht...)?

Dienstag, Juni 26, 2007

Schwarze NS-Opfer

Ich wurde soeben auf eine Dokumentation aufmerksam gemacht, in der Serge Bilé einige Lebensläufe von Schwarzen Menschen verfolgt, die während der NS-Zeit in Konzentrationslagern verschwanden. Ein kurzes Interview mit dem Filmemacher ist hier zu sehen.

Außerdem hat Bilé ein Buch zum Thema verfasst: Das schwarze Blut meiner Brüder. Vergessene Opfer des Nationalsozialismus
Ein weiteres Buch, das sich mit dem Thema "Schwarze Menschen in der NS-Zeit" in einer autobiografischen Form beschäftigt, ist folgendes: Mach nicht so traurige Augen, weil du ein Negerlein bist. Meine Jugend im Dritten Reich (Sachbuch), über dessen Titel ich natürlich nicht besonders erfreut bin.

Da ich in letzter Zeit häufiger zu NS-Themen befragt wurde, hier noch zwei weitere Buchtipps:

- Hitler's Black Victims: The Historical Experiences of Afro-Germans, European Blacks, Africans, and African Americans in the Nazi Era: The Historical Experience ... (Crosscurrents in African American History)

-Race After Hitler. Black Occupation Children in "Postwar Germany" and America: Black Occupation Children in "Postwar Germany "and America (beschäftigt sich dann eher mit dem rassistischen Erbe aus der Nazi-Zeit)


Mittwoch, Juni 20, 2007

Ach was?! Artikel aus der FTD

Auf dem rechten Auge blind
von Stephan Zimprich (Hamburg)

Eine Studie der Grünen hat die politische Einstellung von Bürgern im ländlichen Raum untersucht. Das Ergebnis: Rassismus und Antisemitismus sind nicht nur bei ausgewiesenen Neonazis zu finden, sondern reichen bis weit in der Mitte der Gesellschaft - ohne dass es jemand merkt.Nicht nur Skinheads zeigen in Deutschland rechtsextreme Einstellungen
Nicht nur Skinheads zeigen in Deutschland rechtsextreme Einstellungen
Ist die Nazi-Ideologie in Deutschland weiter verbreitet als gedacht? Diese Frage wirft eine aktuelle Studie der Grünen auf, die am Mittwoch in Berlin präsentiert wurde. In der Studie wurden zwei Kommunen, eine in Ostdeutschland, eine in Bayern, auf das Vorhandensein nationalsozialistischer Einstellungen in der Bevölkerung untersucht. Das Ergebnis: Für die nationalsozialistische Ideologie typische Haltungen wie Rassismus, Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und Sozialdarwinismus sind in beiden Fällen weit verbreitet - ohne dass die jeweils Betroffenen sich selbst als "Nazi" oder "rechtsextrem" bezeichnen würden oder von ihren Mitbürgern entsprechend wahrgenommen würden.

Der Grund dafür liegt der Studie zufolge in einer weit verbreiteten Fehlwahrnehmung: Nazi sein kann nur, wer offen rechtsextrem ist. Alle anderen befinden sich im politischen Normalbereich und können deshalb per Definition keine Nazis sein. Die tatsächliche Einstellung spielt in dieser "Extremismuskonzeption" keine Rolle - wer sich nicht offen einer entsprechenden Subkultur zuordnet, ist eben kein Nazi.

Die Befunde gleichen sich in Ost und West. Lokale Initiativen gegen Neonazis haben der Studie zufolge in den betroffenen Gemeinden nur dann die Unterstützung der Gemeinde, wenn der Bürgermeister selbst sich an der Spitze engagiert hat. Schon diese Beobachtung allein werten die Autoren der Studie als Demokratiedefizit. Die Kommunalverwaltungen kooperierten in beiden untersuchten Gemeinden allerdings nicht aus Überzeugung: "In beiden sollte die Zusammenarbeit auch dazu dienen, die Auseinandersetzungen über die richtige Strategie aus der Öffentlichkeit zu holen", schreiben die Autoren. Eine offenen Disput könne die Gesellschaft in den Kommunen nicht ertragen.

In den vergangenen Jahren war es vor allem im Osten häufig zu Übergriffen gekommen. Kurz vor der Fußballweltmeisterschaft warnte der frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye gar vor "No-Go-Areas" in den neuen Bundesländern, die vor allem dunkelhäutige Menschen meiden sollten. Kritik gab es immer wieder an der abwiegelnden Reaktion der Politik wie auch am zurückhaltenden Vorgehen der Behörden gegen die Neonazis. So schritt die Polizei nicht ein, als auf einer Feier in Pretzien das "Tagebuch der Anne Frank" verbrannt wurde. Auch im jüngsten Fall, einem Überfall auf Mitglieder einer Theatergruppe in Halberstadt, ließ die Polizei die Täter zunächst laufen und intensivierte erst nach massiver Kritik ihre Ermittlungsarbeit.

In der Beschränkung der Wahrnehmung auf die offene Neonazi-Szene liegt den Autoren zufolge eines der wesentlichen Probleme. In der Öffentlichkeit existieren Neonazis heute vor allem als Randgruppe oder Jugendsubkultur. An diesen abgrenzbaren Gruppen würde sich abgearbeitet, statt den Schwerpunkt auf die inhaltlichen Einstellungen der Bürger zu legen.

komplett geklaut bei FTD

Dienstag, Juni 19, 2007

Tag der Freiheit!

Today is the 142nd anniversary of Juneteenth, the annual celebration of Black freedom.

Even though the Emancipation Proclamation declared the official end of slavery on January 1, 1863, most enslaved Africans in America did not find out until much later. Among the last to find out were slaves in Galveston, Texas, who did not learn of their freedom until Union soldiers marched into town on June 19, 1865.

Upon hearing the news, Black people celebrated by laughing, crying, praying, and dancing in the streets for days.

Although Juneteenth is only officially recognized as a holiday in the state of Texas, people throughout the country use the day to honor the Black freedom struggle.

Let us use this day to reflect upon and give thanks for the freedoms that we have. Also, let us renew our commitment to fight against the various forms of unfreedom that undermine all of our prosperity.

May the ancestors be pleased with us.

geklaut bei Marc Lamont Hill

Sonntag, Juni 17, 2007

X - Das Magazin für AfroKultur

Toll, dass gerade so viele Afro-Projekte ausgebrütet werden - ein Küken ist soeben geschlüpft (und über die anderen, die in den nächsten Monaten folgen, wird BLACKprint ebenfalls berichten!):

Endlich! Der Vorläufer von X Das Magazin für AfroKultur, die Sonderedition zum Afrika Festival in Osnabrück, ist da. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Autoren und Wissenschaftlern ist an der Schnittstelle zwischen Afrika und Deutschland ein 96-seitiges Magazin entstanden, welches beispielhaft zeigt, dass Deutschland weitaus mehr zu bieten hat als Musikantenstadl, Lederhosen oder Eisbein mit Sauerkraut.

X, Deutschlands erstes Printmagazin für AfroKultur, fungiert als mediale Plattform von und für Afros und AfroKultur-Interessierte. Auf der Basis einer ethnisch-kulturellen Bedeutungsgeschichte wird rassistische Hautfarben-Kategorisierung überwunden, ohne dabei den entsprechenden Bedeutungsgehalt für und Einfluss auf Afros in Deutschland zu ignorieren. Somit ist X Ausdruck einer Kultur, die auch in Deutschland gewachsen und somit als Teilkultur der deutschen Kultur zu verstehen ist – ein einzigartig authentisches Magazin mit einer unverwechselbaren Zielgruppenansprache.

Mit seiner Sonderedition trägt X nicht nur zu einer ausführlichen Dokumentation der zahlreichen Veranstaltungen auf dem Osnabrücker Afrika Festival bei, sondern geht noch einen Schritt weiter: Die Geschichten, Reportagen, Essays und Interviews des Magazins reflektieren die vielfältigen Lebensrealitäten von Afros in Deutschland und artikulieren gleichzeitig deutsches Selbstverständnis.

Die Sonderedition von X Das Magazin für AfroKultur ist bei verschiedenen Veranstaltungen des Festivals, im Touristenbüro der Stadt Osnabrück, im Aktionszentrum Dritte Welt, der Lagerhalle oder unter fabulamedia.com erhältlich.