Mittwoch, Januar 09, 2008

Wichtig: Rassismus & Diskriminierungen melden!!!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, sich nach diskriminierenden Erlebnissen weiter mit den Vorfällen auseinanderzusetzen und sie nochmals bis ins kleinste Detail zu erzählen. Außerdem weiß ich, dass man oftmals da, wo man Hilfe sucht, auf Unverständnis und die üblichen Abwehrstrategien wie Schuldumkehr und Gegenagriff trifft bzw. der Rassismus der verantwortlichen Stellen (Polizei, Lehrer, Ärzte usw.) deutlich wird.

Nichtsdestotrotz existiert in der öffentlichen Wahrnehmung, in der Politik und der Wissenschaft nur das, was aufgezeichnet und statistisch greifbar ist. (Wir alle kennen schließlich die Aussagen, nach denen es in bestimmten Regionen oder Institutionen keinen Rassismus gäbe, obwohl wir die andere Realität kennen, die aber in keiner Statistik auftaucht). Es ist daher wahnsinnig wichtig, dass wir alle diskriminierende Erlebnisse melden - wenn möglich auch bei der Polizei, damit die Kriminalitätsstatistiken realistischer werden - zumindest aber auf der folgenden Seite:

Auf www.diskriminierung-melden.de gibt es jetzt die Möglichkeit, Diskriminierungserfahrungen zu melden, ohne dass man die üblichen Reaktionen zu erwarten hat. Momentan ist die Seite in 5 Sprachen verfügbar.
Bitte meldet jeden Vorfall, denn auf diesen Daten basieren schließlich langfristig alle Gegegnstrategien, die Medienberichterstattung und damit auch die öffentliche Meinung.

Den Link unbedingt auch weitergeben!

Terminhinweis Hamburg: Antidiskriminierungspolitik in Hamburg

Der Antidiskriminierungsverband Deutschland und der DGB laden am 15.01. zur Veranstaltung "Antidiskriminierungspolitik in Hamburg":

15.01.2008, 18-20 Uhr:
Ort: Türkische Gemeinde in Hamburg, Hospitalstraße 111 Haus 7, 22767 Hamburg

Programm:

Begrüßung Nihat Ercan, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hamburg

Einleitung: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Hüseyin Yilmaz, DGB Hamburg, Abteilung Migration
Dr. Andreas Hieronymus, Antidiskriminierungsverband Deutschland,
Hamburger Facharbeitskreis Antidiskriminierung

Wie ist die Position der Parteien zur Antidiskriminierungspolitik?

Leif Schrader, FDP
Till Steffen, GAL
Mehmet Yildiz, DIE LINKE
SPD und CDU werden ihre ParteivertreterIinnen noch bekannt geben

Diskussionsrunde mit den Parteivertretungen und Teilnehmern

Moderation: Dr. Andreas Hieronymus

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz trat am 18. August 2006 in Kraft. So wurden die entsprechenden europ�ischen Richtlinien in Deutschland umgesetzt. Mit der Veranstaltung möchten wir mit Ihnen und den Parteivertretungen die Handlungsmöglichkeiten zur Antidiskriminierungspolitik in Hamburg erörtern. Deshalb ist es Zeit mit den Inhalten des Gesetzes in die Offensive zu gehen.

Oury Jalloh - Nach der Protestveranstaltung in Dessau...

...führte die Junge Welt ein Interview mit Moctar Bah von der "Oury Jalloh-Initiative". Interessant, dass die Journalistin permanent von "Schwarzafrikanern" spricht (was meint sie dann? Schwarze Menschen? Eine von über 50 möglichen afrikanischen Nationalitäten? Schwarz und nicht deutsch?)... Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass Moctar sich so geäußert hat. Anyway, haken wir das mal unter "gut gemeint" ab. Den kompletten Artikel gibt es hier

Bedeutende Ausschnitte:

Was muß sich für Schwarzafrikaner in Deutschland als erstes ändern?

Es gibt viele Fälle von Polizeigewalt und Morden an Schwarzen in Deutschland, die aufgeklärt werden müssen. Z. B. hat die Schwester von Dominique Kouamadio auf unserer Konferenz gesprochen – mit Tränen in den Augen. Ihr Bruder wurde am 14. April 2006 in Dortmund von der Polizei erschossen. Anläßlich des Jahrestages wollen wir am 12. April in Dortmund demonstrieren. Die Staatsanwaltschaft hat es damals als Notwehr abgetan, obwohl Dominique unbewaffnet war. Zum Prozeß kam es gar nicht erst. Das nenne ich institutionellen Rassismus.

Ebenso die Fälle von Laye-Alama Condé in Bremen, John Achidi in Hamburg, N’deye Mareame Sarr in Aschaffenburg und andere, in denen die Ermittlungen offiziell abgeschlossen sind. Sie alle müssen neu aufgerollt werden.

(...)

Die Polizei würde abstreiten, daß dies rassistisch ist, und es »verdachtsunabhängige Kontrolle« nennen. Wie wollen Sie im Einzelfall den Nachweis führen?

Das mag schwer sein, aber das Gesamtbild ist eindeutig. Schwarze werden in Deutschland so oft von der Polizei schikaniert und verdächtigt, daß sich viele nicht mal mehr trauen, zur Polizei zu gehen, wenn sie beleidigt oder verprügelt worden sind. Ich kenne einige, die rassistische Übergriffe nicht angezeigt haben, weil sie von der Polizei weitere Übergriffe befürchtet haben. Wir müssen die Öffentlichkeit sensibilisieren, sonst gibt es keine Chance auf Gerechtigkeit für die afrikanischen Opfer des institutionellen Rassismus der Polizei. Außerdem muß endlich die Residenzpflicht für Flüchtlinge abgeschafft werden, die es erst möglich macht, daß sie durch das Verlassen ihres Landkreises gegen Gesetze verstoßen, die für Deutsche gar nicht gelten.

Terminhinweis Heidelberg: Ausstellung Homestory Deutschland

In Heidelberg wird ab Februar (also im Black History Month, zu dem in Hamburg die Vorbereitungen in vollem Gange sind) die Ausstellung "Homestory Deutschland" gezeigt, an der auch ich beteiligt war. Zusätzlich werden in Februar und März einige interessante Events veranstaltet. Also, falls Ihr in der Nähe seid: Nichts wie hin!

Mannheimer Morgen:

Ausstellung: "Homestory Deutschland" zeigt schwarze Biografien aus Geschichte und Gegenwart

Romani Rose eröffnet Multimedia-Schau

"Homestory Deutschland - Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" heißt eine Ausstellung, die vom 2. Februar bis 19. März in Heidelberg zu sehen ist. Gezeigt wird die Multimedia-Schau im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der
Bremeneckgasse 2.

"Seit vielen Jahrhunderten leben Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland, allerdings ist über ihre historische und gegenwärtige Präsenz bislang wenig bekannt", heißt es in einer Mitteilung des Dokumentationszentrums. Während sie in der offiziellen Geschichtsschreibung kaum als eigenständige Gruppe auftauchten, dominierten in der Öffentlichkeit oft stereotype rassistische Klischees, mit denen die Ausstellungs-Organisatoren aufräumen wollen.
So nähert sich die von der Initiative "Schwarze Menschen in Deutschland" angeregte Ausstellung diesem Thema auf vielschichtige Weise: 27 visuell aufbereitete Biografien von in Deutschland lebenden Frauen und Männern afrikanischer Herkunft aus drei Jahrhunderten
vermitteln einen lebendigen Eindruck ihrer Lebenswirklichkeit.

Gestaltet wird die Schau mit bebilderten historischen Zeitleisten, Filmen, Videos und diversen Veröffentlichungen. Alles zusammen soll die Bandbreite ihrer künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Arbeit dokumentieren.

Eröffnet wird "Homestory" am 1. Februar um 19.30 Uhr von Romani Rose (Bild), dem Vorsitzenden des Dokumentationszentrums, und Tahir Della, dem Vorsitzenden der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

Anschließend laden Lebogang Masemola und ihre Band zu einem Konzert ein.

Bis zum 19. März sind zudem viele Konzerte, Vorträge, Lesungen und Filme rund um das Thema geplant. So wird am Donnerstag, 7. Februar, 19.30 Uhr, der Dokumentarfilm "Und wir waren Deutsche: Vom Überleben des Ralph Giordano und Hans Jürgen Massaquoi" gezeigt. Er erzählt von zwei Schulfreunden - einem Juden und einem Afrodeutschen - die den Zweiten Weltkrieg in einem Hamburger Versteck überlebten. Um schwarze Komparsen in deutschen Filmen von 1919 bis 1945 geht es am Samstag, 9. Februar, 18 Uhr in einem Streifen von Dr. Annette von Wangenheim. Eine Lesung mit Noah Sow, der sein Buch "Der alltägliche Rassismus"
vorstellt, folgt am 15. März, 16 Uhr.

Freitag, Januar 04, 2008

Warum besucht Ihr BLACKprint?

Dieser Blog existiert nun schon seit mehr als 16 Monaten, in denen sich die Zahl der Besucher beständig gesteigert hat. Danke dafür!

Allerdings finde ich es manchmal wirklich bedenklich, mit welchen Suchbegriffen die Nutzer von Suchmaschinen bei BLACKprint landen.

Die absoluten Top-Suchbegriffe bewegen sich im Spektrum des Begriffes "Folter", z.B.:
  • Folterinstrumente
  • Elektroden Brustwarzen
  • Folter Bilder
  • Frauen Brustwarzen od Klitoris Elektroden
  • Video Folter Genitalien
Insgesamt waren mehrere Hundert Leute mit diesen oder ähnlichen Suchbegriffen auf meiner Seite. Schade, dass davon auszugehen ist, dass diese Besucher nicht unbedingt daran interessiert waren, die Welt zu einem faireren Ort zu machen oder gegen Rassismus vorzugehen.

Aber es geht noch besser, sprich, noch sexueller, vermischt mit einem Schuss Rassismus und Fetischismus. Hier eine kleine Auswahl von Suchbegriffen:

  • Afrikanische Fi**er [alternativ "Schwarze Fi**er" - Sternchen sind wie immer von mir]
  • Afrikanische Bitches
  • Sexuelles Leben Sklaven Amerika
  • Black Girl Hamburg
  • Nubier Penis
  • Dessauer Bitches
  • Blowjob mit zwei Schwarze Frauen
  • usw. - die Schlimmsten hab ich übrigens nicht gepostet
Ansonsten gab es z.B. die folgenden seltsamen Suchbegriffe:
  • Marmeladenhersteller Deutschland
  • Obduktion Women Videos
  • "Elisabethstr. 14" Sex
  • darf ein Christ Oralsex praktizieren
  • Blowjob von einer 15-Jährigen
Bei mir drängt sich natürlich die Frage auf, was gerade die Herren der Schöpfung so treiben und was ihnen im wahren Leben so fehlt, aber letztlich freue ich mich doch, dass auch der oder die ein oder andere bei BLACKprint landen, die sich tatsächlich informieren möchten:
  • Black Power in Deutschland
  • Black History Month
  • Elvis Rassist
  • Farbiger rassistisch? [ja, noch immer, auf die Frage antworte ich immer wieder gerne]
  • Rap gegen Rassismus
  • Afro-Kultur
  • Afrodeutsche Kampagne
  • Hagenbeck Völkerschauen
  • Atlantischer Dreieckshandel
  • Schimmelmann Sklavenhandel
  • Schwarze in NS-Zeit
  • Versklavung der Afrikaner in Amerikaner
  • Rassistische Polizei in Deutschland
  • Schimmelmann Plantagen
  • Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann Rassismus
  • Rassenhygiene
  • Zwangssterilisation in NS-Zeit
Und jetzt frage ich mich: Warum bist DU hier? Beteiligst Du Dich an Petitionen? Informierst Du Dich über Termine? Hältst Du Dich auf dem Laufenden? Recherchierst Du für eine Hausarbeit oder eine Studie? Und was könnte BLACKprint besser machen?

Fragen an die US-Hip Hop-Industrie


Sehr sehenswerter Independent-Film "HipHop: Beyond Beats and Rhymes" (55 min)

Meinungen, Kommentare?

Dienstag, Januar 01, 2008

Jahresrückblick Afrikanischer Diaspora / Black Austria

Das Jahr 2007 in den Black Communities im deutschsprachigen Raum war gekennzeichnet von zwei historischen Ereignissen, dem ersten Black European Women´s Congress und der Wahl des ersten Schwarzen Abgeordneter in einem deutschsprachigen Parlament in der Schweiz.
Im Bereich Rassismus hat sich die Situation von Schwarzen Menschen nicht verbessert. Berichte von NGOs sowie der EU bleiben hartnäckig: Schwarze Menschen sind am meisten von Rassismen betroffen. Die polizeiliche Brutalität hat sich im Vergleich zu 2006 in Österreich und die Schweiz verbessert. In Deutschland nicht. Hier eine chronologische Zusammenfassung.