Dienstag, März 20, 2007

Deutsche Polizei und Rechtsradikalismus

Nach dem großen Skandal um die Bewachung von Michel Friedman durch Polizeibeamte, die sich in ihrer Freizeit zum Beispiel in SS-Uniform kleiden, berichtet SPIEGEL online heute über einen weiteren Fall, in dem es um möglichen Antisemitismus von Polizeischülern in Berlin geht.
Soweit gut und lobenswert, nachdenklich macht mich allerdings folgender Teil des Artikels:

"Bundesweit betont die Polizei stets, dass es kein grundsätzliches Problem mit rechtsradikalen Neigungen im Apparat gebe. In der Berliner Polizei liegen Aufsehen erregende Fälle rechtsextremistischer Umtriebe allerdings noch nicht lange zurück. Im Mai 2006 musste ein 32-jähriger Polizeiobermeister sich wegen des Verdachts der Volksverhetzung verantworten. Er wurde suspendiert wie einen Monat zuvor ein Kriminaltechniker des Landeskriminalamts, der offiziell anmutende E-Mails mit einem fiktiven ausländerfeindlichen Fragebogen an Kollegen versandt haben soll.

Auch an der Berliner Polizeischule waren vor sechs Jahren schon einmal Rassismusvorwürfe laut geworden. Ausländische Polizeianwärter hatten sich seinerzeit von deutschen Ausbildern und Mitschülern diskriminiert gefühlt und an die Gewerkschaft gewandt."

Das sind alle Beispiele, die aufgeführt werden. Doch was ist mit den Fällen, in denen Menschen aus rassistischen Gründen Opfer von Polizeigewalt werden? Was ist mit dem Tod von Oury Jalloh (zur Erinnerung: er ist an Händen und Füßen gefesselt in einer Dessauer U-Haft-Zelle verbrannt, die anwesenden Beamten haben den Feueralarm mehrmals ausgeschaltet und im Anschluss behauptet, dass sich der gefesselte Mann - dessen Rippen gebrochen waren, wie sich bei der zweiten Obduktion herausstellte - einfach mal selbst angezündet hat), mit Brechmitteleinsätzen, die zu nahezu 100 % an Schwarzen Menschen durchgeführt werden und wegen derer der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Verstoß Deutschlands gegen das Folterverbot festgestellt hat (The Voice, No-Racism-Net, Web-Suche nach "Achidi John")? Was ist mit Rasterfahndung? Mit den dokumentierten Fällen rassistischer Polizeigewalt?

Es wäre schön, wenn die in dem Artikel aufgeführten Fälle die einzigen wären - es sind offensichtlich jedenfalls die einzigen erwähnenswerten...

Montag, März 19, 2007

Fokus auf Eishockey

Dass sich Rassismus gerne im Stadion zeigt, wo man(n) aus sicherer Entfernung, umgeben von seiner Horde, gerne Dinge schreit (oder wirft), mit denen man - hoffentlich - an anderer Stelle und ohne das vermeintlich entschuldigende Zusammenspiel von Alkohol, Männlichkeit und Erregung über das Spiel, nicht ganz so unbeschadet durchkommen würde, ist beim Fußball mittlerweile aufgefallen. Doch auch aus der Eishockey-Bundesliga gibt es immer wieder sehr unerfreuliche Meldungen.

So gab es einige Aufregung beim Wechsel des neuen Cheftrainers der Hamburg Freezers, der in seinem vorherigen Team deren "Mentalcoach" als "fucking N*****" bezeichnet hat. In den Hamburger Medien (Abendblatt, Hamburg 1) gab es eine kurze Empörung, dann wurde ganz schnell zurückgerudert, Stewart sei natürlich kein Rassist und auch bei den Freezers betrachtete man diesen Ausspruch als "einmalige Entgleisung", obwohl es auch heißt: "Man hört viel über seine Eskapaden, aber als Fachmann ist er unumstritten." (ebenfalls Abendblatt) . Viele Eskapaden und eine einmalige Entgleisung. Naja, interessante Schizophrenie in der Berichterstattung. Doch schon in der Einleitung dieses Artikels wird der Vorfall relativiert:

"Es war ein Satz, ausgesprochen im Wirbel der Emotionen, der ein Thema aufwarf, das in der Deutschen Eishockey-Liga bislang keine Rolle gespielt hatte. "Go home fucking n*****" soll der neue Freezers-Cheftrainer Bill Stewart in seinem letzten Spiel als Coach der Black Wings Linz zum farbigen Mentalcoach Chris Hamilton von den Vienna Capitals gesagt haben."

Also nur ein Satz und der war auch noch ausgesprochen im Wirbel der Emotionen. Na dann ist ja alles gut...
Sogar das Opfer wurde schließlich zur Rehabilitation Stewarts herangezogen: "Bill ist kein Rassist, wir sind Freunde. Er hat das in der Emotion gesagt. Das entschuldigt zwar die Aussage an sich nicht, aber ich weiß, wie es gemeint war und verzeihe ihm", sagte er. (Abendblatt)

Das Ende vom Lied in diesem Fall:
  • "Rechtliche Konsequenzen, so viel scheint mittlerweile klar, dürften dem Coach nicht blühen. Auch der Linzer Vereinspräsident Wilfrid Wetzl wird von einer Anzeige wegen rassistischer Beleidigung absehen." (1)
  • "So dürfte außer dem Makel der moralischen Verfehlung nichts haften bleiben." (1)
  • "Wir tolerieren Rassismus in keiner Form, wollen aber Bills Vergangenheit nicht beurteilen, weil wir nicht alle Umstände kennen. Wenn er sich so etwas bei uns leistet, gibt es Konsequenzen, aber wir betrachten es als einmalige Entgleisung", sagte er, und kündigte eine besondere Beobachtung für den neuen Coach an. So dürfte außer dem Makel der moralischen Verfehlung nichts haften bleiben." (2)
Damit war die Sache erledigt und wurde nicht weiter thematisiert. Doch heute Morgen die nächste Meldung von den Freezers. Ähnliche Worte, ähnliche mediale Deeskalation und schon wieder kommen die rassistischen Verfehlungen nicht von Fans (zumindest wird darüber nicht berichtet), sondern vom Team:
"Vor der Partie soll Hamburgs Stürmer Marc Beaucage den dunkelhäutigen DEG-Verteidiger Jean-Luc Grand-Pierre mit den Worten "fucking n*****" beleidigt haben." (3)
Wie die Rheinische Post berichtet, gab es keine Entschuldigung oder Kommentierung in irgend einer Form:
"Auf unser Angebot, dass die Sache für uns mit einer persönlichen Entschuldigung aus der Welt ist, wurde nicht eingegangen”, sagte Metro Stars-Manager Lance Nethery nach dem Spiel vor der Umkleide."
Gleichzeitig stellt das Abendblatt vorsorglich schon mal in Frage, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht (in manchen Fällen gilt eben auch bei Springer-Publikationen: im Zweifel für den Angeklagten): "Wenn die Anschuldigungen - ob berechtigt oder nicht - eines beweisen..."
Ob es nach dem Spiel, das passenderweise in der "Color Line Arena" stattfand, Konsequenzen geben wird, bleibt abzuwarten, ist aber unwahrscheinlich.

Nachtrag


Auch die Financial Times Deutschland hat über das Spiel berichtet, sich dabei allerdings etwas weniger in der Wortwahl vergriffen. Dabei hat man sich (wie n-tv, Eurosport, Zeit Online, newsclick) auf eine dpa-Meldung bezogen. Hierbei wurde der rassistische Schmähruf nicht mit abgedruckt (was für alle Schwarzen Leser eine nochmalige Beleidigung darstellen kann), es wurde erwähnt, dass es für den Ausspruch Zeugen gibt und - was das eigentliche Highlight ist - der Adressat der Beleidigung ist hier nicht "farbig" oder "dunkelhäutig" wie im Abendblatt, sondern "afroamerikanisch". Vielen Dank, so einfach kann das sein...

Nachtrag 2 - 21.03.2007

Was der Trainer desjenigen sagt, der seiner Aussage nach rassistisch beleidigt wurde, steht in der SportBild:
"So etwas sehe ich natürlich nicht gerne, aber ich halte mich daraus und konzentriere mich voll auf das Spiel."
Ja genau, der fucking N***** soll sich mal nicht so anstellen, es geht jetzt um den Sport! Unglaublich, so viel Unterstützung aus dem eigenen Team! Und mal wieder ein Beispiel dafür, dass Rassismus relativiert und tabuisiert wird. Schön, dass Wegsehen zumindest dem Trainer hilft!

Freitag, März 16, 2007

Amerikanische Sicht auf europäischen Rassismus

In folgendem Video kann man sehen, wie der europäische Rassismus und dessen Tabuisierung bzw. Leugnung aus US-amerikanischer Sicht eingeschätzt werden:



Rassismus im deutschen Fußball war vor Kurzem Schwerpunktthema der Zeitschrift Rund und auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung hat man einige Texte zusammengetragen.

Wie verbreitet rassistische, homophobe, behindertenfeindliche, islamophobe und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten in unserer Gesellschaft sind (und dies natürlich nicht nur im rechtsextremen Spektrum, sondern auch und gerade in der sog. Mitte der Gesellschaft), zeigt Jahr für Jahr die Bielefelder Studie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, deren Ergebnisse in Deutsche Zustände. Folge 5.veröffentlicht wurden.

Donnerstag, März 15, 2007

Führung: Schwarze Häftlinge im KZ Neuengamme

Diesen Sonntag (18.03.2007) findet in der Gedenkstätte KZ Neuengamme eine Führung mit dem Titel "Schwarze Häftlinge im KZ Neuengamme" statt.

Ein Thema, das in der dominanten Wahrnehmung oft nicht existiert: Schwarze Menschen waren in KZs interniert und Opfer von sog. Rassenhygiene, was z.B. ein systematische
Zwangssterilisationen von afrodeutschen Jugendlichen zur Folge hatte.

Näheres dazu z.B. in folgenden Büchern bzw. Links:
- Zeitzeugen-Interviews auf Cybernomads
- Text von Nicola Lauré al-Samarai

Bücherauswahl:
- Hitler's Black Victims: The Historical Experiences of Afro-Germans, European Blacks, Africans, and African Americans in the Nazi Era: The Historical Experience ... (Crosscurrents in African American History)
- Eine afro-deutsche Geschichte. Zur Lebenssituation von Afrikanern und Afro-Deutschen in Deutschland von 1884 bis 1950
- re/visionen
- TheBlackBook. Deutschlands Häutungen

Dates und Links zum Oury Jalloh-Prozess

Mobilisation events in March 2007


15./03/ with Mit Mouctar Bah in Oldenburg
16./03 with Mit Mouctar Bah in Munich Bah, http://carava.net/
http://carava.net/
Wir sind alle Oury Jalloh!
Infoabend der Karawane München am Freitag, den 16. März 2007 um 19.oo Uhr
im EineWeltHaus. Mit Mouctar Bah von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh.

18/03 Osaren Igbinoba in Weimar
21/03 with The VOICE in Erfurt
22/03 with African Community Thueringen
23/03 with Gaston Ebua in Magdenburg
Please contact the The VOICE Refugee Forum for the Update on mobilisation
events thevoiceforum@emdash.org

Dt/Eng) Oury Jalloh: Aufruf zur Beobachtung des Prozesses - Mobilisation -
info events in March 2007

Deutsch:
Oury Jalloh: Aufruf zur Beobachtung des Prozesses // Beginn: Am 27. bis
30. Marz 2007 in Dessau
beteiligt euch an den ständigen Aktionen, Veranstaltungen und Kundgebungen.
Break the silence!
http://thevoiceforum.org
http://thecaravan.org
http://oury-jalloh.so36.net
http://carava.net/

English:
Break the silence!
Come to Dessau on March 27th - 30th and April 19th-20th of 2007
Observe the trial and participate in the permanent vigils, events and
rallies during this time
http://thevoiceforum.org/node/451
http://thecaravan.org
http://oury-jalloh.so36.net
http://carava.net/



http://thevoiceforum.org/BLACK_COMMUNITY_DEMANDS
******
Oury Jalloh initiatives internet websites and links 2007
http://oury-jalloh.so36.net
http://www.thevoiceforum.org
http://thecaravan.org
http://no-racism.net/rubrik/293/
http://www.attac.de/halle/oury
http://www.plataforma-berlin.de
http://www.isdonline.de
http://www.umbruch-bildarchiv.de
http://www.attac.de/halle
Fotos, Presse und Videos.
hhttp://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/010406oury_jalloh.html
http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/070107oury_jalloh.html


Die afrikanische Gemeinschaft in Deutschland formiert sich gegen
Polizeigewalt
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24437/1.html
http://www.umbruch-bildarchiv.de/video/gedenken/070107oury_jalloh_dsl.wmv
http://www.umbruch-bildarchiv.de/video/gedenken/070107cornelius_yufanyi.wmv
http://www.thevoiceforum.org


Gedenken an Oury Jalloh
http://209.85.135.104/search?q=cache:WM1wJdcVRDoJ:www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/oury_jalloh.html+oury+jalloh+dessau+%2B+foto+video&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=1
http://www.agentur-ahron.de/bild_db/categories.php?cat_id=88&page=1<

http://www.attac.de/halle/oury/Oury/Aktuelles/Aktuelles.html
http://www.mdr.de/nachrichten/4076064.html
http://www.mdr.de/sachsen-anhalt-heute/3979983.html
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=670&sid=126
http://youtube.com/profile?user=Blackdefense83
http://youtube.com/watch?v=8M_oqoi-nvg
www.unesco.de/804.html
http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/010406oury_jalloh.html
http://oury-jalloh.blogspot.com

Dienstag, März 13, 2007

Black Business bei XING!

Nach einigen Diskussionen mit den Leuten von XING/OpenBC, die zunächst nicht verstehen wollten, warum es dort eine Gruppe für Black Professionals braucht, habe ich nun doch eine Gruppe namens "Afro-Community" eingerichtet. Die Inhalte der Gruppe/Foren sind nur für Mitglieder zugänglich und jedes Mitglied muss erst vom Moderator freigeschaltet werden (momentan bin ich das, hoffe aber noch auf mindestens eine/n engagierte/n Co-Moderator/in).

Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Gruppe ein reger Ort des Austausches für Black Professionals werden würde, von denen sich auf dieser Plattform schon sehr viele tummeln, aber nicht unbedingt austauschen. Meldet euch doch bei XING an und gestaltet die Gruppe mit - findet vielleicht einen Job oder Business-Partner und nehmt teil an Austausch, Treffen und einem neuen Level von länderübergreifender Vernetzung der Afro-Diaspora!

Mittwoch, 14.03.: "Tod in der Zelle"

Im Oury Jalloh-Soli Café zeigt the stubborn brotha diese Woche um 18 Uhr die Dokumentation "Tod in der Zelle". Wer den Fall noch nicht kennt oder sich nicht eingehend mit der Thematik befasst hat, sollte sich auf jeden Fall in die B5 begeben und sich den Film ansehen. Ich werde jedenfalls da sein...