Mittwoch, März 28, 2007

Montag, März 26, 2007

Links of the Day 03/26/ Links des Tages 26.03.

- Tod auf der Flucht: Wie sich bei der Flucht aus Somalia heute ähnliche Dinge (Ermordung, Vergewaltigung, Folter) abspielen, wie bei der "Middle Passage" vor einigen Jahrhunderten. Eine erschreckende Kontinuität, in der Afrikaner wie Gegenstände behandelt werden, die man nutzen und derer man sich dann auch wieder entledigen kann. Ob sich momentan auch Haie in der Nähe von Schlepper-Schiffen aufhalten, wie es früher der Fall war, wenn Schiffe mit versklavten Menschen die Meere überquerten?

- "Hitlers forgotten victims": Als Nachtrag zu dem Neuengamme-Post, hier ein weiterer Artikel zum Thema. Entgegen der relativierenden Darstellung von Rosa Fava, die die Führung in der Gedenkstätte Neuengamme durchgeführt hat, steht hier unter anderem:

"Hitler slaughtered between 10,000 and 25,000 black people, a fraction of the number of Jews killed, but undoubtedly an important part of history.
Black Germans were subjected to medical experiments, mass sterilisation drives and thrown in concentration camps."

Außerdem wird die KZ-Episode dort mit Kolonialismus und heutiger Weigerung zur Auseinandersetzung kontextualisiert.

-"Britain confronts legacy of slave trade": Entgegen der deutschen (Beispiel: Schimmelmann) Haltung, scheint man sich in GB langsam mit der "Uncomfortable Truth" auseinanderzusetzen. Dazu werden Gelder von der Regierung und 20 Mio von dem "Heritage Lottery Fund" eingesetzt.
"Along with spotlighting the past, the campaign also hopes to draw attention to new forms of slavery, whether in remote parts of Africa, Latin America and the Middle East or closer to home where immigrant women are forced into prostitution."

- "Ms Dynamite in Search of Nanny Maroon": Die Rapperin Ms Dynamite hat an einer TV-Dokumentation über Aufstände unter versklavten Menschen mitgewirkt. Im Interview sagt sie:

"I'm not making excuses but the fact that so many, or the majority, of black people in England are born straight into poverty, to me is a direct result of slavery and I do feel that something should be done.
If you look at London and all the amazing buildings, the banks, it's all built on slavery. We wouldn't have what we've got if it wasn't for this - so let's give a bit back."

- "Das ist Afrika": Der Tagesspiegel-Autor Kai Müller hat erkannt, wie und zum Teil auch aus welchen Gründen Afrika wie zuletzt in "Der letzte König von Schottland" beständig als grauenvoller, primitiver und geradezu verfluchter Ort dargestellt wird. Leider zieht er daraus keine Schlüsse und tappt selbst in die Falle der dauernden Perpetuierung dieser Stereotype. Außerdem kann er es sich nicht ersparen, permament von "Schwarzafrika", dem "Schwarzen Kontinent" zu sprechen. Da kommt eben der Weißeuropäer durch...

- Und zum Schluss ein kurzer Clip über "Womb Raider" Angelina Jolie. Passt auf eure Kids auf!


Donnerstag, März 22, 2007

Links of the Day / Links des Tages

- "Nur ein dummer Spruch, kein Rassismus": eines der vielen Beispiele dafür, wie rassistische Verhaltensweisen und Aussprüche auch vor Gericht relativiert werden und der Fokus ganz schnell auf dem Täter und seinen Beweggründen liegt, während der Adressat und dessen Gefühle nicht weiter von Belang sind.

- "Rassismus nimmt neue Formen an": Zum Tag gegen Rassismus (21.03.) tatsächlich ein guter Artikel, der Dinge, die wir permanent sagen, tatsächlich klar und kritisch anspricht. Ja, es gibt Rassismus in Deutschland, ja, er wird tabuisiert und dadurch verfestigt, ja, in Deutschland verweigert man sich einer Auseinandersetzung und der Erstellung eines Aktionsplanes und nein, Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sind nicht das gleiche! ja, Möglichkeiten des Empowerments für Menschen, die Opfer von Rassismus werden, müssen geschaffen werden. Danke!

- "Black Immigrants collect most college degrees": In den USA wurden Asian-Americans in den letzten Jahren als "Model Minority" betrachtet, weil prozentual so viele von ihnen u.a. akademische Abschlüsse erwerben. Nun hat eine "Gruppe " alle anderen (inklusive der weißen) eingeholt: Immigranten vom afrikanischen Kontinent!

- FOX ATTACKKKS: Initiative, die sich gegen die einseitige - oder nennen wir das Kind mal beim Namen - rassistische Berichterstattung bei Fox News gegenüber Schwarzen und explizit gegen Barack Obama wendet. Mit Petition auf der Seite. Hingehen!
Hier einer der Clips, mit dem sie versuchen, auf die Mechanismen aufmerksam zu machen:

Ist die Hip Hop-Szene tatsächlich homophob?



Gefunden bei Marc Lamont Hill

Mittwoch, März 21, 2007

Schimmelmann-Attika

Unter dem wunderbaren Motto "Africa meets Europe" lud das Bezirksamt Wandsbek am Montag den Bürgermeister von Dar es Salaam (Tansania) ein und wollte der Presse beim Fototermin Afrikaner und Wandsbeker vor der Attika des alten Versklavers Schimmelmann anbieten.

Mitglieder der Black Community waren vor Ort und haben daran erinnert, dass das Zusammentreffen von Afrika und Wandsbek noch immer nicht im Ansatz auf Augenhöhe stattfindet.
Hier ein Bild und demnächst der Link zum Video:

Dienstag, März 20, 2007

Deutsche Polizei und Rechtsradikalismus

Nach dem großen Skandal um die Bewachung von Michel Friedman durch Polizeibeamte, die sich in ihrer Freizeit zum Beispiel in SS-Uniform kleiden, berichtet SPIEGEL online heute über einen weiteren Fall, in dem es um möglichen Antisemitismus von Polizeischülern in Berlin geht.
Soweit gut und lobenswert, nachdenklich macht mich allerdings folgender Teil des Artikels:

"Bundesweit betont die Polizei stets, dass es kein grundsätzliches Problem mit rechtsradikalen Neigungen im Apparat gebe. In der Berliner Polizei liegen Aufsehen erregende Fälle rechtsextremistischer Umtriebe allerdings noch nicht lange zurück. Im Mai 2006 musste ein 32-jähriger Polizeiobermeister sich wegen des Verdachts der Volksverhetzung verantworten. Er wurde suspendiert wie einen Monat zuvor ein Kriminaltechniker des Landeskriminalamts, der offiziell anmutende E-Mails mit einem fiktiven ausländerfeindlichen Fragebogen an Kollegen versandt haben soll.

Auch an der Berliner Polizeischule waren vor sechs Jahren schon einmal Rassismusvorwürfe laut geworden. Ausländische Polizeianwärter hatten sich seinerzeit von deutschen Ausbildern und Mitschülern diskriminiert gefühlt und an die Gewerkschaft gewandt."

Das sind alle Beispiele, die aufgeführt werden. Doch was ist mit den Fällen, in denen Menschen aus rassistischen Gründen Opfer von Polizeigewalt werden? Was ist mit dem Tod von Oury Jalloh (zur Erinnerung: er ist an Händen und Füßen gefesselt in einer Dessauer U-Haft-Zelle verbrannt, die anwesenden Beamten haben den Feueralarm mehrmals ausgeschaltet und im Anschluss behauptet, dass sich der gefesselte Mann - dessen Rippen gebrochen waren, wie sich bei der zweiten Obduktion herausstellte - einfach mal selbst angezündet hat), mit Brechmitteleinsätzen, die zu nahezu 100 % an Schwarzen Menschen durchgeführt werden und wegen derer der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Verstoß Deutschlands gegen das Folterverbot festgestellt hat (The Voice, No-Racism-Net, Web-Suche nach "Achidi John")? Was ist mit Rasterfahndung? Mit den dokumentierten Fällen rassistischer Polizeigewalt?

Es wäre schön, wenn die in dem Artikel aufgeführten Fälle die einzigen wären - es sind offensichtlich jedenfalls die einzigen erwähnenswerten...

Montag, März 19, 2007

Fokus auf Eishockey

Dass sich Rassismus gerne im Stadion zeigt, wo man(n) aus sicherer Entfernung, umgeben von seiner Horde, gerne Dinge schreit (oder wirft), mit denen man - hoffentlich - an anderer Stelle und ohne das vermeintlich entschuldigende Zusammenspiel von Alkohol, Männlichkeit und Erregung über das Spiel, nicht ganz so unbeschadet durchkommen würde, ist beim Fußball mittlerweile aufgefallen. Doch auch aus der Eishockey-Bundesliga gibt es immer wieder sehr unerfreuliche Meldungen.

So gab es einige Aufregung beim Wechsel des neuen Cheftrainers der Hamburg Freezers, der in seinem vorherigen Team deren "Mentalcoach" als "fucking N*****" bezeichnet hat. In den Hamburger Medien (Abendblatt, Hamburg 1) gab es eine kurze Empörung, dann wurde ganz schnell zurückgerudert, Stewart sei natürlich kein Rassist und auch bei den Freezers betrachtete man diesen Ausspruch als "einmalige Entgleisung", obwohl es auch heißt: "Man hört viel über seine Eskapaden, aber als Fachmann ist er unumstritten." (ebenfalls Abendblatt) . Viele Eskapaden und eine einmalige Entgleisung. Naja, interessante Schizophrenie in der Berichterstattung. Doch schon in der Einleitung dieses Artikels wird der Vorfall relativiert:

"Es war ein Satz, ausgesprochen im Wirbel der Emotionen, der ein Thema aufwarf, das in der Deutschen Eishockey-Liga bislang keine Rolle gespielt hatte. "Go home fucking n*****" soll der neue Freezers-Cheftrainer Bill Stewart in seinem letzten Spiel als Coach der Black Wings Linz zum farbigen Mentalcoach Chris Hamilton von den Vienna Capitals gesagt haben."

Also nur ein Satz und der war auch noch ausgesprochen im Wirbel der Emotionen. Na dann ist ja alles gut...
Sogar das Opfer wurde schließlich zur Rehabilitation Stewarts herangezogen: "Bill ist kein Rassist, wir sind Freunde. Er hat das in der Emotion gesagt. Das entschuldigt zwar die Aussage an sich nicht, aber ich weiß, wie es gemeint war und verzeihe ihm", sagte er. (Abendblatt)

Das Ende vom Lied in diesem Fall:
  • "Rechtliche Konsequenzen, so viel scheint mittlerweile klar, dürften dem Coach nicht blühen. Auch der Linzer Vereinspräsident Wilfrid Wetzl wird von einer Anzeige wegen rassistischer Beleidigung absehen." (1)
  • "So dürfte außer dem Makel der moralischen Verfehlung nichts haften bleiben." (1)
  • "Wir tolerieren Rassismus in keiner Form, wollen aber Bills Vergangenheit nicht beurteilen, weil wir nicht alle Umstände kennen. Wenn er sich so etwas bei uns leistet, gibt es Konsequenzen, aber wir betrachten es als einmalige Entgleisung", sagte er, und kündigte eine besondere Beobachtung für den neuen Coach an. So dürfte außer dem Makel der moralischen Verfehlung nichts haften bleiben." (2)
Damit war die Sache erledigt und wurde nicht weiter thematisiert. Doch heute Morgen die nächste Meldung von den Freezers. Ähnliche Worte, ähnliche mediale Deeskalation und schon wieder kommen die rassistischen Verfehlungen nicht von Fans (zumindest wird darüber nicht berichtet), sondern vom Team:
"Vor der Partie soll Hamburgs Stürmer Marc Beaucage den dunkelhäutigen DEG-Verteidiger Jean-Luc Grand-Pierre mit den Worten "fucking n*****" beleidigt haben." (3)
Wie die Rheinische Post berichtet, gab es keine Entschuldigung oder Kommentierung in irgend einer Form:
"Auf unser Angebot, dass die Sache für uns mit einer persönlichen Entschuldigung aus der Welt ist, wurde nicht eingegangen”, sagte Metro Stars-Manager Lance Nethery nach dem Spiel vor der Umkleide."
Gleichzeitig stellt das Abendblatt vorsorglich schon mal in Frage, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht (in manchen Fällen gilt eben auch bei Springer-Publikationen: im Zweifel für den Angeklagten): "Wenn die Anschuldigungen - ob berechtigt oder nicht - eines beweisen..."
Ob es nach dem Spiel, das passenderweise in der "Color Line Arena" stattfand, Konsequenzen geben wird, bleibt abzuwarten, ist aber unwahrscheinlich.

Nachtrag


Auch die Financial Times Deutschland hat über das Spiel berichtet, sich dabei allerdings etwas weniger in der Wortwahl vergriffen. Dabei hat man sich (wie n-tv, Eurosport, Zeit Online, newsclick) auf eine dpa-Meldung bezogen. Hierbei wurde der rassistische Schmähruf nicht mit abgedruckt (was für alle Schwarzen Leser eine nochmalige Beleidigung darstellen kann), es wurde erwähnt, dass es für den Ausspruch Zeugen gibt und - was das eigentliche Highlight ist - der Adressat der Beleidigung ist hier nicht "farbig" oder "dunkelhäutig" wie im Abendblatt, sondern "afroamerikanisch". Vielen Dank, so einfach kann das sein...

Nachtrag 2 - 21.03.2007

Was der Trainer desjenigen sagt, der seiner Aussage nach rassistisch beleidigt wurde, steht in der SportBild:
"So etwas sehe ich natürlich nicht gerne, aber ich halte mich daraus und konzentriere mich voll auf das Spiel."
Ja genau, der fucking N***** soll sich mal nicht so anstellen, es geht jetzt um den Sport! Unglaublich, so viel Unterstützung aus dem eigenen Team! Und mal wieder ein Beispiel dafür, dass Rassismus relativiert und tabuisiert wird. Schön, dass Wegsehen zumindest dem Trainer hilft!