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Montag, November 17, 2008

Beatrice Achaleke erhält Bundesehrenzeichen


Glücklicherweise gibt es nicht nur schlimme News aus Österreich, sondern auch positive. Der Einsatz von Beatrice Achaleke, die u.a. das Black European Women's Council initiiert hat, erhielt kürzlich das österreichische Bundesehrenzeichen. BLACKprint gratuliert herzlich!

Hier die offizielle Mitteilung:

On Friday 7^th of November 2008 Beatrice Achaleke, executive Director of AFRA and initiator of the Black European Women?s Council, received the Decoration of the Federal Republic of Austria (Öster. Bundesehrenzeichen) 2008 for her honorary intercultural work in the context of the European Year of the Intercultural Dialogue. Along with Barbara Coudenhove-Kalergi, Ceija Stojka and many others Beatrice Achaleke was honoured in the premises of the Austrian National Library in Vienna with the golden Symbol of a waterdrop that is touching the surface and in doing so creating many, many waves. Just like the work she and others are willingly doing every day. In her speech, which Beatrice Achaleke held on behalf of all the honoraries of that day, she pointed out that she is very proud to be decorated in a historic week, referring to Barack Obama?s outstanding victory on the 4^th of November 2008 as the first Afro-American to be elected president of the United States. Beatrice Achaleke hopes that with this major step intercultural engagement and integration gets a boost in the right direction.
In stressing out that she alone was certainly not able to speak sufficiently for all the honoured people she accented the diversity of the ideas, projects and people involved. For her the diversity embodied by the decorated persons is evidence of competences, convictions and the readiness of the persons honored to work together for an Austria that stands for equal chances, Intercultural Dialogue and partizipation.
Hier ein Interview mit Beatrice über ihr Engagement und die Situation Schwarzer Frauen in der EU: afrikanet.info

Donnerstag, November 06, 2008

"Unser Barack"

Hier der versprochene Text, der heute in der taz erschienen ist:

Ich hätte es kaum zu hoffen gewagt. Bis zum letzten Moment, bis zur ganz offiziellen Verkündung, konnte ich es einfach nicht glauben. Bloß nicht zu früh freuen, die Enttäuschung bei einer Niederlage wäre unerträglich gewesen.

Doch jetzt wird es ihn tatsächlich geben, den ersten Schwarzen US-Präsidenten. In einem Land, in dem Schwarze Menschen lange sogar juristisch nur den Bruchteil des Wertes eines wirklichen, also weißen, Menschen hatten. Genau hier hat es Barack Obama allen gezeigt. Und ich freue mich. Und mit mir, viele andere Schwarze Menschen, die in Deutschland leben. Seit der Wahlnacht halten die euphorischen Freudenbotschaften per E-Mail und Textnachricht mich in Gange. Und ich freue mich besonders, weil diese Nachrichten auch von denen kommen, die sich normalerweise nicht mit Politik beschäftigen.

Warum freuen wir uns so? Was bewegt uns so? Wo es doch nicht um unser Land geht? Sondern um ein Land, auf das man von Deutschland aus immer gern den Finger zeigt, wenn es um das Thema Rassismus geht. Genau dort wird ein Schwarzer Mann von der noch immer mehrheitlich weißen Bevölkerung in das höchste politische Amt gewählt. Wo will Deutschland denn jetzt noch hinzeigen? Werden die deutsche Bevölkerung, die Politik und die Medien jetzt vielleicht tatsächlich mal nach innen sehen müssen?

Denn hierzulande ist etwas Ähnliches schwer vorstellbar. Obwohl seit Jahrhunderten Schwarze Menschen in Deutschland leben, Familien gründen, studieren, ihre Spuren in Wissenschaft, Kunst und Kultur hinterlassen, wehren wir als uns täglich gegen die Bilder, die in den Medien von uns gezeigt werden. Wehren wir uns dagegen, dass Schwarze Kinder fast ausschließlich mit destruktiven Identifikationsfiguren aufwachsen, weil nur die in den deutschen Medien, wie auch in Kinder- und Schulbüchern, zu sehen sind.

Als Barack Obama als Präsidentschaftskandidat nach Berlin kam, pilgerten Afrodeutsche aus dem gesamten Bundesgebiet in die Hauptstadt. Eltern Schwarzer Kinder nahmen ihren Nachwuchs mit, damit sie Teil eines historischen Ereignisses werden konnten. Damit sie mit eigenen Augen sehen konnten, dass es für sie Optionen gibt. Dass es eine Wirklichkeit gibt, die sie in Deutschland meist nicht zu sehen bekommen. Für viele ein ermutigendes Erlebnis.

In Deutschland fehlen diese Erlebnisse. Seit über 20 Jahren kämpfen Afrodeutsche auf verschiedenen Ebenen für eine realistische, faire Öffentlichkeit, für eine Repräsentanz abseits der sexualisierten und kriminalisierten Klischees. Doch noch immer sehen wir die gleichen Bilder, sind unsere Vorbilder Rapper, Sportler und Witzfiguren.

Auch, wenn wir die Entertainer lieben und uns über erfolgreiche Sportler freuen, können wir uns nur schmerzerfüllt ansehen, wie Athleten hierzulande Zielscheibe von rassistischen Sprechchören, Pöbeleien und Angriffen werden. Wir hören Affenlaute und sehen Bananen auf Spielfelder fliegen. Wir sehen nicht, was wir unseren Kindern als Erfolgsmodelle zeigen können, um sie stark und erfolgreich zu machen. Eher weitere Zeichen dafür, dass sich die Mühe gar nicht lohnt, dass sie in ihrer eigenen deutschen Heimat nie als Menschen behandelt werden, egal, wie gut sie sind.

In Deutschland sind Schwarze Deutsche kaum politisch repräsentiert - wir sind nämlich in weiten Teilen keine "Migranten", müssen weder Sprache lernen noch uns integrieren - und fallen damit aus dem Rahmen der Gruppen, für die "Beauftragte" in Frage kommen. Auch, wenn wir tagtäglich spüren müssen, dass man uns für "anders" hält, wird gleichzeitig so getan, als würde unser Schwarzsein gar keine Rolle spielen. Und wir bleiben mit unseren Belangen im Allgemeinen unsichtbar.

Dass in den USA demnächst das höchste politische Amt von einem Afroamerikaner bekleidet wird, ist ein Zeichen dafür, dass Veränderung möglich ist. Dass es Sinn macht, zu kämpfen. Für Teilhabe, Repräsentanz und Respekt. So lässt es sich leicht erklären, warum im August auf dem jährlichen Bundestreffen der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland das T-Shirt mit dem Aufdruck "Yes, we can!" ein echtes Highlight war. Irgendetwas lag in der Luft, das sich nach Aufbruch, nach Errungenschaft, nach neuen Möglichkeiten anfühlte. Etwas, das uns sagte, wenn es dort geht, dann vielleicht auch hier! Die Zuversicht der Obama-Kampagne hat auch uns angesteckt.

Wir sind ausgehungert nach Bildern von Schwarzen Menschen, an denen wir uns orientieren können. Die uns Möglichkeiten eröffnen, Wege aufzeigen, die trotz aller Widerstände gegangen werden können. Die wir unseren Kindern zeigen können, damit sie zuversichtlich in ihre Zukunft blicken. Wir brauchen Visionen. Auch aus anderen Teilen der Welt. Durch die Wahl Obamas ist eine fest verschlossen geglaubte Tür plötzlich geöffnet. Und viele weitere werden folgen. Yes, we can! Yes, we will!

VICTORIA B. ROBINSON


Mittwoch, November 05, 2008

Yes, we can!

Ich hatte ja kaum zu hoffen gewagt, dass es tatsächlich passiert. Und nun ist es doch so gekommen: Barack Obama wird der 44. US-Präsident!!



Später ein längerer Post, erstmal feiern (u.a. Geburtstag) und arbeiten...

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NACHTRAG:

Der längere Post kommt morgen in Form eines Gast-Kommentars, den ich zum Thema für die taz verfasst habe.

Donnerstag, August 28, 2008

Heimlich, still und leise...

...wurde das Schimmelmann-Schandmal vor Kurzem abgebaut. Nachdem die Bezirksversammlung endlich beschlossen hat, das hässliche Teil zu entfernen, hat sich jetzt plötzlich auch die Imtech GmbH als Eigentümerin zu Wort gemeldet und die Leihgabe an den Bezirk Wandsbek zurückgenommen. Grund war angeblich der "Aufruhr, den es im Bezirk wegen der Skulptur gegeben hatte" (Quelle). Warum dieser "Aufruhr" die Imtech in den letzten zwei Jahren nicht gestört hat und die Firma jetzt kurz vor der Entfernung durch den Bezirk eingreift, bleibt natürlich ein Rätsel. afrika-hamburg sagt dazu:
"Sollte die mit obrigkeitlichem Gestus erfolgte Installation der Büste einen Sklavenhändler zur imageträchtigen Heimatfigur stilisieren, so sollte die klammheimliche Demontage nun offenbar eine angemessene Dokumentation dieses merkwürdigen Vorgangs verhindern. Forcierte Mythisierung und Verdrängung liegen nahe beieinander."
So bleibt auf der einen Seite Freude darüber, dass dieses Schandmal endlich entfernt ist und unsere Proteste etwas bewirkt haben, andererseits hinterlässt dieser Vorgang einen sehr faden Beigeschmack.

Und im Bezirk Wandsbek? Da hat man ganz große Sorgen:
"Sie befürchtet jedoch, dass die Diskussion über die Kolonialgeschichte nun abreiße. "Wenn der Anstoß fehlt, wird vielleicht gar nicht mehr darüber geredet." Eine Umbenennung der Straßen, die nach Schimmelmann benannt sind, sei nicht geplant."(Quelle)
Diese Sorgen sind allerdings nicht begründet, schließlich gibt es in Hamburg so viele Spuren von Kolonialismus, dass es leider noch sehr lange sehr viele Anstöße dazu geben wird, Rassismus und Kolonialismus zu thematisieren. Traurig, aber wahr...

Donnerstag, Juni 19, 2008

Schimmelmann: Nur noch 3 Monate im Puvogel Garten

Nun steht ein Datum für die Entfernung des Versklaver-Schandmals: 30. September 2008. Man kann erwarten, dass die CDU-Fraktion auf einer erneuten Aufstellung an anderer Stelle bestehen wird. Doch laut Abendblatt wurde zumindest beschlossen, dass dies nur im Rahmen einer kritischen Würdigung passieren darf.

Ein klarer Erfolg für die Proteste der Schwarzen Community Hamburgs und all der Organisationen, die uns bei den Protesten unterstützt bzw. sich auch eigentständig eingebracht haben!

Samstag, Mai 10, 2008

Schimmelmann: Der Spuk ist bald vorbei!!!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nach den erbitterten Auseinandersetzung mit der CDU, die im letzten Jahr noch einstimmig für den Erhalt der Büste für den Menschenrechtsverbrecher Schimmelmann stimmte, war man in dieser Woche in der Bezirksversammlung plötzlich einstimmig dagegen:

Der Streit um die Schimmelmann-Büste im Wandsbeker Puvogel-Garten ist beendet. Die Bronzeplastik soll verschwinden - das beschloss die Bezirksversammlung Wandsbek jetzt einstimmig. Damit lenkt die CDU nach mehr als eineinhalb Jahren ein: SPD- und GAL-Fraktion hatten, wie berichtet, bereits im September 2006 gegen die Aufstellung protestiert und fortan gefordert, die Büste des umstrittenen Hamburger Kaufmanns Heinrich Carl Graf von Schimmelmann (1724 bis 1782) zu entfernen. Dieser erwirtschaftete einen Großteil seines Vermögens mit Sklavenhandel.
Bleibt zu hoffen, dass die Büste nicht nur von dort weg kommt, sondern - wie mehrmals von der Black Community Hamburg gefordert - komplett aus dem öffentlichen Raum verschwindet:

Bevor Schimmelmann verschwindet, muss im Bezirk ein neuer Kulturausschuss gegründet werden, der entscheidet, was mit der Skulptur geschieht. "Wenn sie anderswo aufgestellt wird, muss das in passendem Umfeld sein - an einem Ort, der die kritische Aufarbeitung mit Geschichte zulässt", so Olaf Duge (GAL). Er hofft auf einen schnellen Beschluss.
Quelle: Hamburger Abendblatt

Donnerstag, Mai 01, 2008

Na also, es geht doch!

Manchmal lässt sich die Wirtschaft also doch von guten Argumenten überzeugen:

Dr. Oetker hatte sowohl in einem Buch als auch im Internet ein Rezept unter dem Namen “Negerbrot” aufgeführt. Auf Aufforderung der ISD wird das Rezept nun umbenannt; in “Knabberschnitten”.

Zitat Dr. Oetker Rezeptdienst Österreich:

“…Wir werden den Rezeptnamen natürlich auch bei der Neuauflage unseres Buches ändern.”

via Blog von der braune mob e.V.

Danke an die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland für Ihren Einsatz und für ein Beispiel dafür, dass es so einfach sein kann, mit rassistischen Traditionen zu brechen und eine Lösung zu finden, die niemanden herabsetzt. Schade, dass sich so viele andere noch immer so schwer tun!