Sonntag, Mai 06, 2007

Rückblick: Don Imus

Die Themen, die ich nicht aktuell geschafft habe, versuche ich ab sofort in kurzen - selektiven - Rückblicken zusammenzufassen.
Den Anfang mache ich mit dem Fall des weißen US-amerikanischen Radio-Moderators Don Imus, der die Spielerinnen der College-Basketball-Mannschaft der Rutgers University als "nappy-headed hos" bezeichnet hat. Nach einem großen Aufruhr wurde er von CBS und NBC gefeuert.

Hier die Links zu verschiedenen Phasen der Kontroverse:

- Media Matters 04.04.2007: Der Anfang der Geschichte inklusive des Videos mit Imus' Entgleisungen

- CNN, 10.04.2007: "Rutgers Players describe how Imus' remarks hurt"

- CBS NEWS 12.04.2007: "CBS fires Imus over racial slur"
Jackson called the firing “a victory for public decency. No one should use the public airwaves to transmit racial or sexual degradation."
Said Sharpton: “He says he wants to be forgiven. I hope he continues in that process. But we cannot afford a precedent established that the airways can commercialize and mainstream sexism and racism."
- CNN 14.04.2007: "Newly fired Imus meets with Rutgers players"

- Afro-Netizen 18.04.2007: "Who's to blame? Thoughts on Imus & HipHop"

Samstag, Mai 05, 2007

Mehr zur kolonialen Vergangenheit Hamburgs

Presse-Information des Eine Welt Netzwerks Hamburg:

„Tansania-Park“ oder Postkolonialer Erinnerungsort?
Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert Vorgehensweise des Beirats und lädt zum
Rundgang durch die ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaserne am 5. Mai

Der Bezirk Wandsbek hat einen Beirat berufen, der ein Konzept für die zukünftige Gestaltung des umstrittenen „Tansania-Parks“ entwickeln soll. Beteiligt sind VertreterInnen der Bezirksfraktionen, von Hamburger Behörden, dem Völkerkunde-Museum, der Bundeswehr-Universität und des Eine Welt Netzwerks Hamburg.

Zwar zeichnen sich nach langen Verhandlungen erste konkrete Schritte ab, doch das Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert das Vorgehen des Beirats in mehreren Punkten:
• Ein historischer Parcours soll entwickelt werden, der die Denkmäler und weitere Baulichkeiten des Kasernengeländes durch Text- und Bildtafeln in ihren historischen Entstehungskontext stellt. Eines der Kasernengebäude zeigt beispielsweise ein Porträt von Lothar von Trotha, der 1904 den Befehl zum Völkermord an den Herero in Deutsch-Südwestafrika gab. Im Mittelpunkt des Parcours soll die Darstellung der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika stehen.
Ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug, findet Heiko Möhle vom Eine Welt Netzwerk Hamburg. „An diesem Ort wurden jahrzehntelang die Vorkämpfer eines aggressiven Kolonialregimes geehrt, die bis zum Völkermord gingen. Es reicht nicht, an dieser Stelle Geschichte darzustellen, sondern hier muss ein würdevolles Gedenken an die Opfer von Kolonialismus und Rassismus ermöglicht werden“.
• Einige Beiratsmitglieder ziehen es vor, die heutigen, positiven Beziehungen zwischen Hamburg und Tansanias Hauptstadt Daressalam in den Vordergrund stellen. Zur Gegenwart gehöre aber auch, dass Menschen in Hamburg noch heute aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Die Problematisierung dieses „kolonialen Erbes“ dürfe in der zukünftigen Erinnerungsstätte nicht fehlen, so Möhle.
• Kritik übt das Eine Welt Netzwerk auch an der Besetzung des Beirats. „Unsere Forderung, die ‚Black Community Hamburg’ zur Beteiligung einzuladen, wurde mehrfach von der Mehrheit im Beirat abgelehnt“, so Möhle. „Damit bringt sich das Gremium selbst um seine Legitimation“.

Zum Hintergrund: 1999 zog die Bundeswehr aus der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld (Bezirk Wandsbek) aus. Seit 2003 gibt es auf dem Gelände den „Tansania-Park“. Die kleine Grünanlage präsentiert Denkmäler aus der NS-Zeit, die von der Wehrmacht errichtet worden waren, um das koloniale Militär des Kaiserreichs zu verherrlichen. Gegen die bizarre Idee, diese
nationalsozialistischen Kolonialdenkmäler zu Symbolen deutsch-afrikanischer Völkerfreundschaft zu erklären, hat es in der Vergangenheit immer wieder Proteste gegeben.

Öffentlicher Rundgang am 5. Mai 2007
Auf einem Rundgang durch das für die Öffentlichkeit kaum zugängliche Kasernengelände erläutert Heiko Möhle vom Eine Welt Netzwerk Hamburg den Entstehungskontext der Denkmäler und führt in den Konflikt zwischen militaristischer Traditionspflege und postkolonialer Erinnerungskultur ein.
Zeit: Samstag, 5. Mai 2007, 15:00 Uhr
Ort: Kaserneneingang Wilsonstr. 49 (Bus Kuehnstraße Ost)
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Preis: Die Teilnahme ist entgegen früherer Ankündigungen kostenlos!

Donnerstag, Mai 03, 2007

Workshop Berlin: Gegen Rassismus argumentieren

AG gegen Rassismus Berlin in Zusammenarbeit mit Helle Panke e.V. veranstalten:

*Rhetorik-Workshop: Gegen Rassismus argumentieren*
Referentin: Grada Kilomba (Psychologin, Postkoloniale Theoretikerin,
Autorin)

Der Workshop fokussiert rhetorische Strategien, die Dynamik zwischen Sprechen und Schweigen, Macht und Ohnmacht. Im Workshop wird gelernt, rassistische Argumentationweisen und weiße Abwehrstrategien zu identifizieren und Mechanismen von Macht zu demontieren. Vor diesem theoretischen Hintergrund wird das eigene Sprechen und Argumentieren entwickelt und geübt.

Er richtet sich an antirassistisch engagierte bzw. interessierte Menschen, die sich mit Rassismus, Postkolonialer Theorie bzw. Kritischem
Weißsein schon auseinandergesetzt haben.

Die Konzeption des Workshops sieht eine begrenzte Anzahl von weißen Teilnehmer_innen (max. 13 von 26) vor.
Bitte gebt bei Eurer Anmeldung an, in welche politische Kategorie (Person of Color, Schwarz, weiß) ihr Euch einordnet.


Datum: 12./13. Mai 2007, jeweils 11-17 Uhr

Anmeldung: aggr@jpberlin.de (unbedingt erforderlich)

Beitrag: 10 € (Essen & Trinken inklusive)

Internet: www.aggr.org

Wir freuen uns auf Eure Anmeldung!
Eure AGgR

Mittwoch, Mai 02, 2007

Falsche Ehre für Fanta 4

Wegen der erleichterten Auffindbarkeit über Suchmaschinen (und weil ich nicht will, dass dieser Post in einer Linkliste untergeht), hier noch einmal der Post von gestern separat:

In manchen ignoranten Medienprodukten scheint sich ein Irrglaube zu halten, dem jeder vehement widerspricht, der sich mit der Geschichte des deutschen Hip Hop auseinandergesetzt hat: die Fanta 4 hätten ihn erfunden:
"Anfang der Neunzigerjahre waren es Smudo, And.Ypsilon, Dee Jot Hausmarke alias Michi Beck und Thomas D. die Begründer und, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, die Speerspitze des deutschsprachigen Hip-Hop. Bis dahin kamen Rapper aus Amerika, waren schwarz und erzählten finstere Ghetto-Geschichten."
Also, dass die Rapper Schwarz waren und in "Ghettos" in der Bronx lebten, hat Hip Hop als Kultur und Artikulationsform hervorgebracht - dies war die Grundlage von Rap und den Schwester-Disziplinen Graffiti, Breakdance und DJaying. Auch in Deutschland waren es Jugendliche mit Migrationshintergrund, die als erste im Hip Hop/Rap ein Medium fanden, um sich auszudrücken. MC Torch war wohl der erste, der auf einer Jam auf Deutsch gerappt hat und in den 1980er Jahren fing Rap in Deutschland mit afrodeutschen, türkischstämmigen und anderen migrantischen Gruppen und Künstlern an. Dass die Fantastischen Vier die ersten mit einem Major-Deal waren, hängt nun mal wieder damit zusammen, wen die weiße Mainstream-Öffentlichkeit vermarkten bzw. sehen und hören will. Zur Erinnerung an die Pioniere des deutschen Hip Hop hier ein Video von Advanced Chemistry:



Mehr Infos:
- Online-Dossier über deutschen HipHop

- TheBlackBook. Deutschlands Häutungen

- ... represent what. Performativität von Identitäten im HipHop

- Fear of a Kanak Planet. HipHop zwischen Weltkultur und Nazi-Rap. Mit Diskografie

- 25 Jahre HipHop in Deutschland

Dienstag, Mai 01, 2007

Alles neu macht der Mai...

...und hier sind ein paar Links der letzten Wochen:

- Masai-Walking: Neue Sportart gefällig? Dafür hat man sich einen ganz besonderen neuen Trend ausgedacht: "Ausgeführt wird diese Walkingtechnik in einem speziellen MBT-Schuh. In diesem Schuh geht man barfuss wie auf Moos oder auf einem Sandstrand. Durch abwechslungsreiche Übungen mit verschiedenen Hilfsmitteln (z.B. Seile) macht Masai Walking auch noch Riesenspaß und fördert die Kraft, Koordination und die Ausdauer."

- Popstars-Syndrom: Da verschwinden mal wieder ein paar Sternchen in der Versenkung und der Popstars-Produzent hat folgende Erklärung: "Hinzu kommt auch noch, dass die drei Mädchen nicht unbedingt der Prototyp der blonden Deutschen sind”, erklärte Roost-Macias." So weit, so gut und ein Argument, über das man einmal nachdenken könnte. Doch der Autor widerlegt sofort: "Ein komisches, fast schon Rassismus unterstellendes Argument (...)"
Interessant, wie der Kardinalfehler immer wieder ist, Rassismus zu unterstellen und nicht, dass er existiert (ob das nun in diesem Fall eine Rolle spielt, mag ich nicht zu beurteilen, aber es ist ein schönes Beispiel dafür, wie diese Argumente sofort vom Tisch gefegt werden)

- "Regierung stellt sich blind und taub": Nichts Neues, aber dafür mal auf den Punkt und hochoffiziell: für die Bundesregierung sei Rechtsextremismus offenbar nur dann ein Problem, wenn er dem Image Deutschlands im Ausland schade. Man scheine nach der Maxime zu handeln: "Je weniger die faschistische Gefahr in der Öffentlichkeit bekannt wird, desto besser. Darum wird verharmlost, wo es nur geht."

- Hip Hop Summit Action Network: Rund um Russell Simmons werden HipHop-Artists, Produzenten und Medien dazu aufgefordert, die frauenfeindlichen und rassistischen Begriffe "ho", "bitch" und "ni***" zu unterlassen bzw. zu beepen oder auszublenden. Bin ja mal auf die Umsetzung gespannt. Und natürlich auch darauf, ob solche Messages sich auch auf den europäischen Hip Hop auswirken, wo die gleichen Worte ja mal einfach unreflektiert übernommen werden.

- Falsche Ehre für Fanta 4: Die Fantas sagen zwar selten "Ho" (wobei ich mich an ein Lied erinnere, das mit "1 und 1, Kondom nehm ich keins" beginnt und nicht gerade frauenfreundlich weitergeht, aber das nur nebenbei), aber in manchen ignoranten Medienprodukten scheint sich ein Irrglaube zu halten, dem jeder vehement widerspricht, der sich mit der Geschichte des deutschen Hip Hop auseinandergesetzt hat: die Fanta 4 hätten ihn erfunden: "Anfang der Neunzigerjahre waren es Smudo, And.Ypsilon, Dee Jot Hausmarke alias Michi Beck und Thomas D. die Begründer und, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, die Speerspitze des deutschsprachigen Hip-Hop. Bis dahin kamen Rapper aus Amerika, waren schwarz und erzählten finstere Ghetto-Geschichten."
Was es dazu von mir zu sagen und zeigen gibt, seht ihr hier

Freitag, April 27, 2007

Wichtiger Workshop: Learning to be white

Angeboten von Phoenix e.V. in Zusammenarbeit mit dem Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.
Ein wichtiger Workshop für meine weißen Leser und die weißen Freunde/Familienmitglieder von People of Color:

2. Antirassismus-Training "Learning to be White"

Freitag, den 13. Juli bis Sonntag, den 15. Juli 2007
Beginn: 18:00 Uhr Ende 14.30 Uhr

Unsicherheit, Rassismus und ein Mangel an Kommunikation prägen nach wie vor die Beziehungen zwischen Mitgliedern der Weißen Mehrheitsgesellschaft und denen, die als AusländerInnen, MigrantInnen oder Angehörige einer anderen Kultur identifiziert werden.

Auch bei Menschen, die bereits ein Gefühl für ein gleichberechtigtes Miteinander entwickelt haben, setzt sich bei genauerer Betrachtung rassistisches Denken und Handeln mit seinen Vorurteilen, Herrschaftsansprüchen und verborgenen Bildern fort.

Das Erkennen von rassistischen Denk- und Gefühlsmustern und ihre Prägung auf Persönlichkeit und Gesellschaft ist eine der Grundlagen zur Entwicklung von antirassistischen Handlungskonzepten.

Strategien für Kultur der Verständigung

Das Wochenendseminar richtet sich an Mitglieder der Weißen Mehrheitsgesellschaft, die ihre Prägungen und ihr Verhalten reflektieren, die Geschichte und die Wirkungsweise des Rassismus näher kennen lernen und gemeinsam an Strategien für eine Kultur der Verständigung und Begegnung arbeiten möchten. Dabei soll die Ebene der Schuld und des individuellen Versagens verlassen und stattdessen eine Ebene von Weißer Verantwortung und interkulturellem Miteinander erschlossen werden. Das Ziel ist eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Menschen der Weißen Mehrheitsgesellschaft und „People of Colour“. Auch sollen nachhaltige Schritte gegen Rassismus entwickelt werden.

Geschichte und Wirkungsweise von Rassismus

In einem Phoenix-Training „Learning to be White“ geben die beiden Trainer Inputs zur Geschichte und Wirkungsweise des Rassismus und erarbeiten mit den Teilnehmenden Strategien für die private und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus. Sie geben den Weißen TeilnehmerInnen die Möglichkeit, eine Reise in die eigene Sozialisation zu unternehmen:
Was wissen „wir“ über „die anderen“ und was über „uns selbst“?
Was ist „erlernt“, was ist „wahr“ und was „Konstruktion“?
Was ist eine „Weiße Identität“ in einer „multikulturellen Welt“?
Was hindert und was fördert unsere Begegnungen?

Es kommen unterschiedliche Formen und Methoden der Arbeit (z.B. Video- und Wortinputs, PartnerInnen- und Gruppenarbeit, Rollenspiele und Einzelübungen) zum Einsatz. Die positive Bereitschaft zur offenen Mitarbeit und eine durchgehende Teilnahme am Training setzen wir voraus.

Leitung:
Anke Schwarzer, Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.

ReferentInnen:
Austen P. Brandt ist Schwarzer Deutscher, Begründer von Phoenix e.V. und Leiter für Phoenix-Anti-Rassismus-Trainings und Empowerment-Trainings. Außerdem sind die beiden Phoenix-TrainerInnen Amma Yeboah (Ärztin aus Ghana, Berlin) und Uli Heidemann (Schwarzer Deutscher, Hamburg) dabei.

Veranstalter:
Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V. und Kirchlicher Entwicklungsdienst

Veranstaltungsort:
Haus am Schüberg
Wulfsdorfer Weg 33
22949 Ammersbek
www.haus-am-schueberg.de

Anmeldung:
Kirchlicher Entwicklungsdienst
Telefon: 040 – 605 26 03
Fax: 040 – 605 25 38
behrends@haus-am-schueberg.de
www.ked-nordelbien.de

Teilnahmebeitrag:
80 Euro, ermäßigt 40 Euro inklusive Übernachtung und Verpflegung

Dienstag, April 24, 2007

Veröffentlichung

Heute erscheint die neue Ausgabe des "Journal 36oGrad" mit dem Titel-Thema "Migration - Entfesselung neuer Kräfte?", zu dem ich mit dem Artikel "Schwarze Deutsche Kräfte - Über die Absurdität der Integrationsdebatte" beigetragen habe.

Die Entscheidung, sich dort um eine Veröffentlichung zu bewerben, ist mir nicht leicht gefallen, da dieses "wissenschaftliche" Journal in seiner ersten Ausgabe mit dem wunderbaren Titel "Subsahara-Afrika - Eine Region auf dem Abstellgleis?" nicht gerade Großes geleistet hat, sondern permanent mit stereotypen, eurozentrischen Verallgemeinerungen in einem paternalistischen Ton gearbeitet hat.
Buchempfehlung für die Macher dieses Hefts: Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk

Oftmals hat man leider nur die Möglichkeit, sich innerhalb der Strukturen zu bewegen, um Denkansöße zu setzen. (So musste ich in meinem Text z.B. alle genderneutralen Formulierungen entfernen - was im Jahr 2007 schon nachdenklich stimmt). Ihr könnt mich gerne wissen lassen, was Ihr über die Ergebnisse dieses Experiments denkt.